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Her mit dem Sommer

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Das muss jetzt einfach werden, mit dem Sommer! Das Open Air Kino dreht auf und der Himmel hoffentlich endlich den Regen ab. Wäre doch schade um »Alien«, »From Dusk Till Dawn« oder Westworld« in der Moritzbastei, »Napoleon Dynamite« im Open Air auf der Spinnerei oder »Citizen Cane« im 2cl Sommerkino. Also, her mit dem Sommer! Ausgewählte Termine der Leipziger Sommerkinos findet ihr unten. Das komplette Programm wie immer auf kreuzer-leipzig.de

Film der Woche: Jean ging vor zehn Jahren fort. Als junger Erwachsener hielt er es nicht mehr aus, in der elterlichen Enge des familiären Weinguts. Sein Vater hatte seine Zukunft und die seiner zwei jüngeren Geschwister vorbestimmt. Sie sollten einmal die weitläufigen Ländereien erben und die Tradition der Weinlese weitertragen. Doch Jean hatte andere Pläne, wollte die Welt sehen. Nun, mit 30, kehrt er zurück. Sein Vater liegt im Sterben. Seine Geschwister sind hin- und hergerissen zwischen ehrlicher Freude und Wut darüber, dass er es damals nicht für nötig erachtete, zur Beerdigung ihrer Mutter zurück zu kommen. Aufopferungsvoll kümmern sie sich um das Weingut. Juliette hat die Leitung übernommen, während Jérémie auf dem Gut nebenan um Anerkennung bei seinem Schwiegervater kämpft. Die Zukunft des Familienbesitzes steht auf der Kippe und Jean bleibt länger als er eigentlich vorhatte. Schon im Vorspann lässt Klapisch die Jahreszeiten über die pittoreske Landschaft des Burgund ziehen und stimmt damit hervorragend auf den Ton des Films ein. Der Fluss der Zeit trägt eine tiefe Bedeutung im Fluss der Handlung. Die Entscheidungen reifen wie die Früchte der Reben. Klapisch nimmt sich viel Zeit und involviert den Zuschauer in das Zusammenspiel der Figuren, die allesamt fein gezeichnet und nachvollziehbar sind. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Der Wein und der Wind«: ab 10.8., Passage Kinos

»Die Geschichte schreiben immer die Sieger« – das Zitat, das Regisseurin Gurinder Chadha ihrer Nacherzählung der historischen Ereignisse um die Unabhängigkeit Indiens voranstellt, gibt stets nur einen Teil der Wahrheit wieder. Die Geschichte wird immer auch vom Volk geschrieben und das gehört nur selten zu den Gewinnern. Als der Vizekönig Lord Mountbatten und seine Frau 1947 nach Indien kommen, fällt ihnen die unrühmliche Aufgabe zu, das Land nicht nur in die Unabhängigkeit, sondern schließlich auch in die Teilung zu führen. Die Unruhen zwischen Moslems und Hindus sollen mit der Gründung des souveränen Staates Pakistan beruhigt werden. Doch was auf dem Papier nach einer sinnvollen Idee aussieht, hat verheerende Auswirkungen auf die Leben der Menschen. So auch auf das junge Liebespaar Aalia und Jeet, die gemeinsam aufwuchsen und sich am Hofe Mountbattens wieder über den Weg laufen. Aalia ist zwischenzeitlich einem anderen versprochen. Sie ist Muslimin, Jeet Hindu, ihre Liebe unmöglich. Doch Jeet hält daran fest, auch als die Unruhen eskalieren und die Kluft zwischen den Menschen nicht mehr zu überwinden scheint. Die britische Regisseurin Gurinder Chadha verwob ihre indischen Wurzeln stets mit der Kultur des Empire. Allerdings erzählte sie ihre Geschichten bisher in der Gegenwart. In »Kick it like Beckham« oder »Frontalknutschen« porträtierte sie die Nöte heranwachsender Frauen zwischen den Kulturen. Mit »Der Stern von Indien« wagt sie sich nun an ein historisches Sujet und verleiht ihm eine ganz eigene indische Note. Das reich ausgestattete und exquisit gefilmte Liebesdrama spielt sich vor der Kulisse einer historischen Begebenheit ab, die in Vergessenheit geraten ist. Der „Mountbatten-Plan“ mag einigen noch in Erinnerung sein, welche schicksalhafte Tragweite er hatte, ist aber weitgehend unbekannt. Chadha bildet die Geschehnisse in ihrem hochemotionalen Drama ab und kann dabei auf ein hervorragendes Ensemble bauen, aus dem Hugh Bonneville (»Downton Abbey«) und Gillian Anderson (»Last King of Scotland«) als Lord und Lady Mountbattan herausstechen.

»Der Stern von Indien«: ab 10.8., Passage Kinos

Als sein Vater unvermittelt an einem Herzinfarkt stirbt, entscheidet sich Michael, aus Berlin zu dessen Haus nach Norwegen zu reisen. Mit dabei ist sein Sohn Luis. Beide haben sich lange nicht gesehen und in ihrem Leben wenig miteinander gesprochen. Warum das so ist, enthüllt Thomas Arslan in seinem neuen Film »Helle Nächte« während einer Reise durch die Landschaft. Auf der Straße, bei Wanderungen und während der hellen Nächte des Landes zeichnet sich die Vergangenheit der beiden ab. Da begegnen sich ein Mann und ein Junge, der bald ein Mann sein wird. Und beide müssen miteinander neu begreifen, was sie für Menschen sind und sein wollen. Es scheint, als kann alles neu entschieden werden. Luis ist unsicher, weil er vieles noch nicht kennt. Und Michael, weil er vieles in seinem Leben voreilig abgeschrieben hat. Es deutet sich an, dass der Großvater eine Grobheit hatte und Michael wirft seinen Blumenstrauß ebenso grob ins Grab.
Arslan erzählt also eine Geschichte von lebenden und toten Vätern und ihren Söhnen als Roadmovie. Das ist weder als Genre noch als Geschichte ein Sonderfall. Weil die Grundregeln klar sind, spielt sich also vieles in Nuancen ab und manchmal über Auslassungen. Was geschieht und zu sehen ist, erinnert an das Versteinerte, dass einige Männer immer wieder gleichermaßen stark und tragisch erscheinen lässt. Ausführliche Kritik von Dennis Vetter im aktuellen kreuzer.

»Helle Nächte«:ab 10.8., Cineding

Flimmerzeit August 2017

Weitere Filmtermine der Woche

Filmriss Filmquiz
Das Filmriss Filmquiz in Leipzigs Virtual Reality Arcade auf der Karli. Die gewohnte Dosis Quiz, Wissen und Wahnsinn auf, ebenso wie einen Haufen Premiumpreise – live, ohne Helm und in Farbe! Im Anschluss könnt ihr Ausprobieren und Staunen an den Spielstationen der VR Arcade.
11.8., 20 Uhr, fsociety

100 Bloody Acres



Splatterkomödie um zwei Brüder, die ihr Superdüngemittel aus den Opfern von Verkehrsunfällen herstellen. Als der Nachschub ausgeht, kommt ein verirrtes Grüppchen junger Leute gerade recht. - Freaky Friday
11.8., 21 Uhr, Kinobar Prager Frühling (OmU)

Citizen Kane
»Rosebud« ist das letzte Wort, das der Multimillionär und Medienmogul Charles Foster Kane an seinem Sterbebett von sich gibt. Ein Reporter soll herausfinden, was es bedeutet. Einer der besten Filme aller Zeiten.

12.8., 21.30 Uhr, 2cl - Sommerkino auf Conne Island (OmU)

From Dusk Till Dawn
Come on in, pussy lovers! Auch nach über zwanzig Jahren macht die kultige Roadmovie-Horrorkomödie aus der Feder von Quentin Tarantino, der auch mitspielt, immer noch Laune. - Sommerkino

12.8., 21.45 Uhr, Moritzbastei
Napoleon Dynamite 



Schul-Nerd Napoleon Dynamite will Schulsprecher werden. Als er dafür eine Tanzshow hinlegt, weiß hinterher kein Mitschüler mehr, wie ihm geschehen ist. Und das geht dem Zuschauer nach Ansehen dieser herrlich schrägen Komödie ebenso.



12.8., 21 Uhr, Open-Air-Kino in der Spinnerei (bei Regen im Luru-Kino)

Das Gegenteil von Grau

Der Film zeigt unterschiedliche Gruppen, die für ein solidarisches und
ökologisches Miteinander im urbanen Raum kämpfen. Am 12.8. im Rahmen von globaLE und den Tagen der Industrikultur mit anschließender Diskussion mit dem Regisseur und der IG Fortuna



12.8., 20 Uhr, Fortuna - Kino der Jugend

No Toilet, No Bride
Unter dem Titel »No Toilet, No Bride« läuft am 12. August die indische Komödie, die in ihrem Heimatland als »Toilet. Ek prem katha« (Toilet: A Love Story) Beachtung fand. Inhalt ist die Geschichte eines Mannes, der seine Frau nur durch den Bau einer Toilette bei sich behalten kann. Eine satirische Liebeskomödie um und über die Verbesserung der hygienischen Lebensbedingungen in Indien. Originalfassung (Hindi) mit englischen Untertiteln.

12.8., 13 Uhr, Cineplex (OmU)

Caspar David Friedrich - Grenzen der Zeit
Dokudrama über Leben und Werk des romantischen Malers Caspar David Friedrich (1774-1840). - »Deutsch-deutsche Filmgeschichte(n). Gemeinschaftsproduktionen im geteilten Deutschland«

14.8., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt
Stilbildender SF-Horrorthriller über den Kampf einer Raumschiffbesatzung gegen ein außerirdisches Wesen, dessen Entwürfe vom Schweizer Künstler HR Giger stammen. - Sommerkino

15.8., 21.45 Uhr, Moritzbastei

Gelobt sei der kleine Betrüger
Mahmoud al Massad widmet seiner Heimat Jordanien eine herrlich absurde Komödie, die die Absurditäten der Gesellschaft auf bissige Art entlarvt. Am 16. August Preview im Luru-Kino in Anwesenheit des Produzenten.

16.8., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei
When two worlds collide
Dokumentation über den Konflikt zwischen einer Gruppe Ureinwohner und der peruanischen Regierung um den Erhalt des Amazonasgebiets. - globaLE, im Anschluss Diskussion mit Serena Pongratz von Attac & Amerika21



16.8., 20 Uhr, Clara-Park/Nähe Glashaus

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