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Preiswürdig

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Bei der 17. Filmkunstmesse wurden am Mittwoch die Kinoprogrammpreise Mitteldeutschland verliehen und das Luru Kino in der Spinnerei holte den Hauptpreis für das beste Jahresprogramm, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Auch UT Connewitz, Cineding, Schaubühne Lindenfels und Schauburg waren erfolgreich. Der kreuzer gratuliert!

Film der Woche: Als »La Chana«, zu Deutsch »die Weise«, begeisterte Antonia Santiago Amador mit einem Übermaß an Talent und brennender Leidenschaft in den 1960ern und 70ern die internationale Tanzwelt. Bis heute ist die atemberaubend hohe Schrittgeschwindigkeit der inzwischen 70-Jährigen aus Barcelona unerreicht. Filmschauspieler Peter Sellers, mit dem sie 1967 in der Komödie »Bobo ist der Größte« spielte, wollte sie sogar nach Hollywood holen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Denn als Gitano-Roma war La Chana trotz aller Popularität an die Anordnungen ihres brutalen ersten Ehemanns gebunden, dem ihr Erfolg ein Dorn im Auge war, obwohl er sogar davon profitierte. Er war es auch, der sie dazu brachte, ihre Karriere 1978 abzubrechen, so dass ihr später nur noch ein kurzes Comeback beschieden war. Dieser außergewöhnlichen Frau widmet die Regisseurin Lucija Stojevic nun eine Dokumentation, die nicht nur die Biografie der Ausnahme-Flamencotänzerin Revue passieren lässt und ihre Kunst in historischen Filmausschnitten präsentiert, sondern beides auch im gesellschaftlichen Kontext reflektiert. Ausgespart wird zwar, wie im Franco-Spanien eine Gitana – eine ethnische Minderheit, die vom Diktaturregime eigentlich geächtet wurde – überhaupt zum Star avancieren konnte. Dafür erfährt man aber in Interviews mit La Chana selbst unter anderem, wie viel Leid und Demütigung ihr frauenfeindlicher traditioneller Hintergrund ihr mit auf den beschwerlichen Lebensweg gab, den sie nur dank ihrer Hingabe zu Tanz und Musik letztlich überstand. Einblicke gewährt die starke alte Dame außerdem in ihre ganz persönliche Art und Weise, wie man mit dem Schwinden körperlicher Kräfte und Fähigkeiten fertig werden und sich neu erfinden kann. Das alles zeigt die Filmemacherin unaufdringlich und respektvoll und weckt selbst bei denjenigen Interesse an Thema und Person, die mit Tanz und Flamenco bisher kaum Berührungspunkte hatten. (Peter Hoch)

»Mein Leben – ein Tanz«: ab 29.9., Passage Kinos

Alles begann am Flughafen Addis Abeba. Der schwedische Dokumentarfilmer Joakim Demmer beobachtete hier eines Nachts zufällig die Arbeiter auf der Rollbahn, wie sie Nahrungsmittel in ein Flugzeug nach Europa luden. Zur gleichen Zeit war ein anderes Team damit beschäftigt, Hilfslieferungen aus einem zweiten Flugzeug zu entladen. Während eines der ärmsten Länder der Welt nicht in der Lage zu sein scheint, das eigene Volk zu ernähren, wächst es gleichzeitig zu einer der größten Exportnationen für Nahrungsmittel heran. Der Grund für das Ungleichgewicht ist die Politik des Machthabers Mulatu Teschome, der sein Land international wettbewerbsfähig machen will und massenweise Investoren nach Äthiopien holt. Agrarunternehmen nutzen die Subventionen, um günstig hunderttausende Hektar Land zu erwerben und urbar zu machen. Das heißt im Klartext, sie roden die Wälder eines der größten Nationalparks der Welt und siedeln die indigenen Völker um, damit sie ihre Anbauflächen ausweiten können. In der Hauptstadt trifft Demmer auf Argaw Ashine, einen einheimischen Journalisten. Gemeinsam reisen sie nach Gambela, Ashine wird allerdings zunehmend unter Druck gesetzt und muss das Land verlassen. Demmer recherchiert alleine weiter, fest entschlossen, den Vertriebenen eine Stimme vor der New Yorker Weltbank zu verschaffen. Nach sechs turbulenten Jahren ist sein wütender Film nun vollendet, die Geschichte aber noch lange nicht beendet. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Das grüne Gold«: ab 3., 5., 9.–11.10., Cinémathèque in der naTo
Am 3.10. im Anschluss Gespräch mit dem Regisseur Joakim Demmer

Flimmerzeit September 2017

 

Weitere Filmtermine der Woche

Dark Circus
Hanna verliert ihren Job und kämpft mit dem alltäglichen Leben, als sie plötzlich in eine mysteriöse Welt voller schräger Figuren und Fetisch-Visionen transportiert wird. Anschließend Gespräch mit Regisseurin Julia Ostertag.
29.9., 21 Uhr, UT Connewitz

Endo What?
Regelschmerzen seien normal. Das wird auch jungen Mädchen nach wie vor erzählt. Selbst betroffen von schwerer Endometriose, musste die Regisseurin feststellen, dass die Diagnose oft nicht ernst genommen wird. Mit ihrer Dokumentation »Endo What?« möchte die preisgekrönte Dokumenarfilmerin den Teufelskreis durchbrechen, Betroffene zu Wort kommen lassen und mit Endo-Mythen aufräumen. Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Trotz der hohen Verbreitung und der oft gravierenden Auswirkungen wird die Krankheit gesellschaftlich wenig wahrgenommen. Die meisten Frauen haben vor ihrer Diagnose noch nie von Endometriose gehört.
29.9., 17.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen
Die Schauspielerin Mélanie Laurent und der befreundete Aktivist Cyril Dion suchen nach alternativen Lebensarten. – Filmabend im Weltladen Connewitz, Schwerpunkt: »Entwicklungspolitik«.
29.9., 19.30 Uhr, Weltladen Connewitz

A Silent Voice
Basierend auf der gleichnamigen Manga-Serie von Yoshitoki Oima war der Anime, der auf feinfühlige Art sensible Themen wie Schulmobbing und Behinderung behandelt, in Japan 2016 einer der zehn erfolgreichsten Filme des Jahres.
30.9., 1.10., 17.00 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Blade Runner
Kurz vor Filmstart der langerwarteten Fortsetzung »Blade Runner 2049« (ab 5.10.) zeigen die Passage Kinos noch mal den SciFi-Klassiker von 1982.
1./2., 4.10., 21 Uhr, Passage Kinos

Hans Zimmer Live
Konzert-Aufzeichnung mit den bekannten Melodien des oscargekrönten Komponisten.
1.10., 17.00 Uhr, Cineplex

Lange Filmnacht im ehemaligen Stasi-Kinosaal
Drei Wendefilme anlässlich des Tags der Deutschen Einheit: »Das Wunder von Leipzig«, »The Burning Wall« und »Jenseits der Mauer«.
2.10., 18 Uhr, Museum in der »Runden Ecke«

Filme vom Abschied
Die Passage Kinos zeigen Filme vom Abschiednehmen in Zusammenarbeit mit den Leipziger Hospizen und begleitet von Gesprächsrunden. Zu sehen ist Michael Hanekes preisgekröntes Drama »Liebe«, Anne Zohra Berracheds »24 Wochen« und die US-Romanadaption »Beim Leben meiner Schwester« mit Cameron Diaz sowie »Snow Cake« aus Kanada mit Sigourney Weaver und Alan Rickman.
Liebe
Der perfekt eingespielte Alltag von Anne und Georges, einem Ehepaar um die 80, wird jäh unterbrochen, als Anne einen Schlaganfall erleidet und fortan von Georges abhängig ist. Michael Hanekes oscargekrönte Reflexion über den Tod, zu sehen in der Reihe »Filme vom Abschied«. –Im Anschluss Gespräch mit Dr. Gesine Märtens, Sozialwissenschaftlerin, Familientherapeutin. Moderation: Angela Helmers, Koordinatorin Hospiz Verein Leipzig.
4.10., 19.30 Uhr, Passage Kinos

Numbered
Ungefähr 400.000 Nummern wurden auf die Körper von Inhaftierten in Auschwitz tätowiert. – anschl. Gespräch
5.10., 19 Uhr, Grassi-Museum für Völkerkunde

This is not a coup – just another day in the EU
Beim Referendum im Juli 2015 sagten die Menschen in Griechenland mit überwältigender Mehrheit »Nein – OXI« zur Fortsetzung der europäischen Verarmungspolitik. Nur eine Woche später wurde die Syriza-Regierung von den europäischen Eliten gezwungen, genau diese abgelehnte Politik fortzuführen. – GlobaLE, im Anschluss Diskussion u. a. mit dem Filmemacher und Aktivisten Aris Chatzistefanou
5.10., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Vergiss mein nicht
In seinem Dokumentarfilm »Vergiss mein nicht« begleitet der Regisseur David Sieveking seine alzheimerkranke Mutter auf ihrer Reise in die Demenz. Zum Welt-Alzheimertag. Anschließend Filmgespräch und Diskussion mit Angehörigen und Fachleuten aus der (sozial-)psychiatrischen Arbeit.
5.10., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der Nato

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