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»Jetzt erst mal Mordsparty«

Der Rapper über seinen Heiratsantrag an alle, das Tor zur Hölle und seinen Friseur

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Romano ist am Telefon furchtbar nett. Will erstmal wissen, ob es der Interviewerin gut geht und ob in Leipzig auch die Sonne scheint. Er bleibt sogar völlig entspannt, als sie feststellen muss, dass der Speicher des Aufnahmegeräts voll ist. Nachdem alles geklärt ist, geht’s dann endlich um ihn.

kreuzer: Sie haben Ihr Album »Copyshop« nach einem Job benannt. Vermissen Sie die Arbeit im Copyshop?

ROMANO: Ich habe 2013 damit aufgehört. Ich bin zu meinem Chef gegangen und wollte kündigen. Aber mein Chef wollte mich nicht gehen lassen. Der hat mir sogar Porzellantassen geschenkt.

kreuzer: Ist es so schwer, Mitarbeiter für einen Copyshop zu finden?

ROMANO: Der mochte mich! Es gibt auch Mitarbeiter, die man mag. Es war hart, ich bin dreimal hin. Aber ich habe gemerkt. Jetzt ist die Zeit. Manchmal muss man sich auch von Dingen und Menschen lösen, die man mag, und neue Wege gehen. Aber ich habe parallel immer auch Musik gemacht. Der Copyshop hat dafür gesorgt, dass im Kühlschrank auch mal frisches Obst war oder ich mir einen schicken Pulli kaufen konnte. Aber die Musik war immer meine Leidenschaft. Die mach ich ja seit 1996 schon.

kreuzer: Sie haben sich schon in den unterschiedlichsten Musikrichtungen ausgetobt.

ROMANO: Ja. Ich habe mit einer Crossover-Metal-Rockband angefangen, die versucht hat, wie Rage Against the Machine, aber auch H-Blockx oder Guano Apes zu klingen. Danach hab ich viel Drum’n’Bass und viel im Ostblock gemacht, dann Schlager, elektronische Musik, House, Techno. Und jetzt rappe ich wieder deutsch.

kreuzer: Könnte es sein, dass Sie bald auch keinen Bock mehr auf Romano haben und wieder was ganz anderes machen?

ROMANO: Ich sag mal so: Romano ist eine Mixtur aus allem, was bis jetzt passiert ist. Man kann sich das so vorstellen: Auf dem Ozean sind verschiedene Schiffe, und jedes steht für eine Musikrichtung, die ich mal gemacht habe. Daher sind die auch verschieden groß. Und die haben jetzt mit Romano alle einen Hafen gefunden, wo eine Mordsparty abgeht. Es kann aber auch sein, dass irgendwann ein neues Schiff gebaut wird und wieder losfährt. Ich weiß es noch nicht, jetzt ist ja erst mal die große Party.

kreuzer: Auf »Copyshop« gibt es auch einen Song über die Nachwendezeit. Wie haben Sie die erlebt?

ROMANO: Wie ein Kochtopf, wo der Deckel wegfliegt, bei größter Hitze auf dem Herd. Verrückte Zeit, wie ich auch singe: »Pioniertuch in den Müll, ich mach, was ich will«. Die Lehrerin aus dem Staatsbürgerkundeunterricht wusste nicht mehr, was sie unterrichten soll. Auch der Geschichtslehrer musste zugeben: Die französische Revolution, der Bauernkrieg und selbst der Spartakuskampf im alten Rom waren nicht grundlegend marxistisch-leninistisch orientiert. Deswegen sag ich auch: »Alte Lehrer, neue Bücher, überall Diktatoren.« Man hat keinem mehr geglaubt. In Berlin war alles Mögliche los. Anarchie. Und es haben sich die unterschiedlichsten Szenen gebildet, die es in den achtziger Jahren schon gab, aber die sich nicht entfalten konnten. Ob Metal, Grufties, Punk, Hiphop, Nazis. Ein Freund war Techno-DJ und hat mich in die Clubs mitgenommen: von Bunker über Tresor bis Walfisch. Da trugen Leute Gasmasken und Lackoutfit und es gab Gangbang-Partys. Ich kleiner Stüppi hatte das alles noch nie gesehen. Eine Faszination des Schockzustands. Ein anderer Freund war Metaller. Der hatte einen Totenschädel als Aschenbecher und hat mich mit Kassetten von schwedischem Deathmetal versorgt. Gleichzeitig wurden in der Schule Hiphop-Tapes gehandelt. Und so hatte ich früh eine Sozialisation in den verschiedenen Szenen.

kreuzer: Und da gabs kein Stress zwischen denen?

ROMANO: Nee, obwohl das in den Neunzigern ja eigentlich üblich war, dass es da auch harte Trennungen gab. Aber bei uns waren viele entsannt. Der Techno-DJ kam auch mal mit nach Prenzlau, als wir den Milchhof für einen Metal-Abend wieder belebt haben. Da haben wir den Eintritt nach Kilos berechnet. 60 Kilo: 6 Mark. Die schweren Jungs hatten da Probleme.

kreuzer: In »Ja, ich will« machen Sie allen Menschen einen Heiratsantrag. Wie sollte man mit Hass, zum Beispiel im Netz, umgehen?

ROMANO: Hass ist ja nicht da Problem von mir, sondern von denen. Man sollte das Problem einfach bei dem lassen, der das Problem hat. Dadurch ist es für mich viel entspannter.

kreuzer: Sie ignorieren es einfach?

ROMANO: Ja. Der Ansatz, allen Menschen zu gefallen, ist ja total falsch, denn schon wirkts unauthentisch und geht schief. Die Kunst lebt ja davon, dass man sich selbst ausdrücken will, und es wird immer Leute geben, die sagen: Was soll das? Aber na ja, es gibt so viele verschiedene Dinge auf der Welt. Kann sich doch jeder entscheiden, was er macht.

kreuzer: Überraschend auf Ihrem neuen Album ist, das Maschine von den Puhdys mitsingt.

ROMANO: Total! Ein Held meiner Kindheit. Eine meine ersten Platte war von denen und zu »Komm, lass deinen Drachen steigen« hab ich auf der Couch schon gut rumgebounct. Ich kannte seinen Sohn, der hat ihn gefragt. Und dann hat Maschine mich angerufen und gesagt, dass er gerne dabei ist und dass er meinen Köpenick-Song auch schon gut fand. Der kommt ja auch aus Köpenick. Als er letztens bei einem Konzert zu mir auf die Bühne, hatte ich ein bisschen Pipi in den Augen.

kreuzer: Kommt er auch zu Ihren Konzert nach Leipzig?

ROMANO: Wahrscheinlich nicht, aber ich bringe zwei Trommler mit und kann neue Tanzschritte. Ich mag das UT Connewitz sehr. Das hat was von einem Tor zur Hölle. Genial.

kreuzer: Sie waren schon oft in Leipzig.

ROMANO: Ja, ich mag Leipzig sehr. Im Goldhorn hab ich schon einige Auftritte gehabt. Auch wenn man merkt, dass da inzwischen auch vieles schicker wird, hat es noch das Anarcho-Flair von Berlin Ende der Neunziger. Und dieses Gothictreffen find ich ganz spannend. Ich find auch geil, dass viele hier einen Hang zu Metal haben, eine richtige Szene.

kreuzer: Reden wir zum Schluss noch über Ihre Zöpfe. Was soll das?

ROMANO: Ich bin großer Fan von Snoop Dog. Der hatte früher auch immer solche Zöpfe. Das ist einfach ein geiler Look, wenn die Gangs da auf den Straßen laufen. Oder der Bassist von Korn oder den Suicidal Tendencies. Manchen Leuten kam auch der Gedanke: Sieht aus wie Pippi Langstrumpf. Und das passt ja, denn die macht sich die Welt auch, wie sie ihr gefällt. Bei mir im Haus wohnen zwei Zwillings-Omas. Die machen mir die Zöpfe. Und ich habe einen Friseur des Vertrauens im Köpenick-Center, mit dem trinke ich dann einen Sekt zum Mittag.

kreuzer: Sie machen die gar nicht selber?

ROMANO: Nee, ich krieg das selber gar nicht hin.

Romano: 26.10., UT Connewitz (ausverkauft)

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