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Wieder zusammenbauen

Die Euro-Scene zeigt »Ausgrabungen« und Zeitgenössisches

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Rekonstruktionen bilden einen Schwerpunkt der 27. Euro-Scene. Die Bemühungen, Tanzgeschichte durch (Neu-)Interpretationen zu konservieren – Stichwort: Tanzfonds Erbe –, sind auf dem Festival angekommen.

So werden historische Produktionen der Ausdruckstänzerinnen Mary Wigman und Gret Palucca zu sehen sein. Ein Markstein in der Bewegungskunsthistorie ist Oskar Schlemmers »Triadisches Ballett«. »Es wirkt erstaunlich modern«, sagt Festivalleiterin Ann-Elisabeth Wolff. »So ein historischer Schwerpunkt für die Euro-Scene ist schon ungewöhnlich, aber dieses Stück hat Generationen von Künstlern inspiriert. Es ist gut, dass unser Publikum diese Legende heute mal sehen kann.« Rekonstruktionen seien aber nur ein Schwerpunkt.

Neben den frischen Gesichtern kehrt Pippo Delbono zurück, der sich vom Evangelium zu einem sehr persönlichen Stück inspirieren ließ. »Für deutsches Sprechtheater ist das eine Nummer zu pathetisch, da erklingt Musik aus Opern, es wird sehr emotional gespielt«, sagt Wolff. »Das wird sicher auf Widerstand stoßen. Aber auch das ist ja die Euro-Scene: die Unterschiede von Kulturen vorzustellen; in Italien feiert man den Stil von Delbono euphorisch.« Zurück ist auch der Wettbewerb »Das beste deutsche Tanzsolo«. Tanztheater nach Schiller-Fragmenten hat Irina Pauls mit dem Vokalensemble Amarcord kreiert: Die Leipziger Doppelpackung feiert Uraufführung.

Besonders berührt hat Ann-Elisabeth Wolff »Five easy pieces« von Milo Rau, das sich als Probe eines Stücks über den belgischen Kindermörder Marc Dutroux gibt. »Das mitreißende Stück funktioniert auf drei Ebenen, ein historischer Vorgang, Fragen ums Theater und um atemberaubend spielende Kinder. Es fragt zum Beispiel, was man mit Kindern im Theater machen darf. Verstehen sie die Hintergründe von dem, was sie da spielen?«

Euro-Scene: 7.–12.11., versch. Orte, http://www.euro-scene.de

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