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Schöne Tage im Kino

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

Filmstarts Größeres Bild

Eine junge Catherine Deneuve grüßt mit laszivem Blick vom diesjährigen Plakat der Französischen Filmtage. Ihr Gesicht ist wohl eines der bekanntesten der französischen Filmindustrie, das in diesem Jahr runderneuert auf die Leinwand zurückkehrt: Luis Buñuels Klassiker »Belle de Jour« von 1967 wird in neuer digitaler Bild- und Ton-Qualität sicher ein Highlight der 23. Ausgabe der Französischen Filmtage.

Der Film läuft in der Reihe »Frankreich – deine Gesichter«, mit der sich die Filmtage von der klassischen Retrospektive lösen, und das Programm für mehr Flexibilität zwischen großen Kinoklassikern und neueren Produktionen öffnen. Auch die neue Reihe »Frankreich – deine Regionen« verlagert den Fokus von einer einzelnen Person auf ihr Umfeld und damit natürlich bevorzugt auf typisch französische Landschaften. In diesem Rahmen wird es beispielsweise eine Weinverkostung zu dem in der Bretagne verorteten Hit »Der Wein und der Wind« geben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem frankokanadischen Kino. Hier gibt es nicht nur Xavier Dolans wunderbar stilsichere Dreiecksgeschichte »Les amours imaginaires« zu sehen, es lässt sich auch herausfinden, was Denis Villneuve eigentlich vor »Arrival« und »Blade Runner 2049« gemacht hat. Gezeigt wird »Incendies«, der 2011 eine Oscar-Nominierung in der Kategorie »Bester fremdsprachiger Film« erhielt.

HANNE BIERMANN

> 23. Französische Filmtage, 23.-29.11., Passage Kinos, Schaubühne Lindenfels

> www.franzoesische-filmtage.de

 

Film der Woche: Obwohl »Detroit« einen historischen Fall behandelt, ist er doch (nicht nur) in Trumps Amerika wieder von beklemmender Aktualität. Dank unfassbarer Kameraarbeit sind wir von Anfang an mitten drin in den Unruhen, die 1967 über die Stadt hereinbrechen, als Reaktion auf die menschenunwürdigen sozialen Bedingungen für die schwarze Bevölkerung, inklusive ständiger Razzien und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Fünf Tage lang brennt die Stadt, 43 Menschen sterben, mehr als tausend werden verletzt. Vor diesem Hintergrund entspinnt sich ein Kammerspiel, das den Rassismus der Zeit auf den engen Raum des Algiers Motel konzentriert. Larry und Fred von der aufstrebenden Motown-Band »Dramatics« sind nur durch Zufall dort gestrandet, als der Alptraum über sie hereinbricht: Eine Polizeistreife stürmt das Motel, unter den fast ausschließlich schwarzen Gästen vermutet man einen Heckenschützen. Keiner kommt raus, bis der nicht gefunden ist. Fast zweieinhalb Stunden verlangt der dicht erzählte Plot uns emotional alles ab. Vor allem dank elektrisierender Performances von John Boyega (»Star Wars«) und Algee Smith, sowie Will Poulter, der als eiskalter Fascho-Cop für bodenloses Entsetzen sorgt. Ein Film, den man gesehen haben muss, auch wenn Gefühle von Wut und Fassungslosigkeit lange nachwirken. Und auch eine eindringliche Warnung in Zeiten des allgemeinen Hass-Revivals, nicht nur in den USA. Ausführliche Kritik von Karin Jirsak im aktuellen kreuzer.

 

»Detroit«: ab 23.11., Regina Palast, Cineplex

»Operation Duval – Das Geheimprotokoll« erzählt frei nach Franz Kafkas Roman »Der Prozess« die Geschichte des Unternehmensberaters Duval (Francois Cluzet), der nach einem überstandenen Burn-Out ein neues Jobangebot einer mysteriösen Firma erhält: Er soll geheime Telefongespräche transkribieren und archivieren. Mehr und mehr wird er dabei Teil eines politischen Komplotts und in die bizarre Welt der Geheimdienste hineingezogen. Es entspinnt sich ein spannender Politthriller, in der Hauptrolle glänzend besetzt mit François Cluzet (»Ziemlich beste Freunde«).

 

»Operation Duval – Das Geheimprotokoll«: ab 23.11., Passage Kinos

Aus dem Nichts zerbricht Katjas Leben: Ihr Mann und ihr Sohn sterben bei einem Bombenanschlag. Die Polizei fasst zwei Verdächtige: ein junges Neonazi-Paar. Katja will Gerechtigkeit – für sie gibt es keine Alternative. Hochspannend inszeniert Fatih Akin seinen NSU-inspirierten Thriller mit einer überragenden Leistung seiner Hauptdarstellerin Diane Kruger, die in Cannes die Silberne Palme erhielt.

 

»Aus dem Nichts«: ab 23.11., Passage Kinos, CineStar, Schauburg

Der liebenswerte Bär Paddington mit Schlapphut und Dufflecoat hat nicht nur bei Familie Brown ein Zuhause gefunden, er ist auch in der Nachbarschaft ein geschätztes Mitglied: Höflich, zuvorkommend und immer fröhlich – außerdem lieben alle seine Marmeladenbrote, ohne die er nie das Haus verlässt. Als der 100. Geburtstag von Tante Lucy ansteht, sucht Paddington nach einem geeigneten Geschenk. Fündig wird er im Antiquitäten-Laden des liebenswerten Mr. Gruber, der allerlei Schätze birgt: Ein einzigartiges Pop-up-Bilderbuch hat es Paddington angetan. Allerdings muss der kleine, tollpatschige Bär dafür ein paar Nebenjobs antreten – das Chaos ist vorprogrammiert. Und dann wird das Buch auch noch gestohlen! Paddington und die Browns setzen sich auf die Spuren des Diebs, der ein Meister der Verkleidung zu sein scheint. Eine rundum gelungene Fortsetzung mit exzellenter Besetzung: zu Sally Hawkins und Hugh Bonneville als liebenswerte Eltern gesellen sich diesmal u.a. Brendan Gleeson, Jim Broadbent und Hugh Grant als schmieriger Möchtegern-Schauspieler, der seine dunklen Strippen zieht.

 

»Paddington 2«: ab 23.11.,  CineStar, Cineplex, Passage Kinos, Regina Palast, Schauburg

Basierend auf der wahren Geschichte der ehemaligen Nr.1 im Frauentennis Billie Jean King thematisiert die mit viel Zeitkolorit gestaltete Komödie den Geschlechterkampf in den 70er Jahren, der im »Battle of the Sexes« symbolisch auf dem Tennisplatz ausgefochten wurde. Das Match war ein Meilenstein für die Gleichberechtigung im Tennissport, aber auch in der Gesellschaft. Emma Stone und Steve Carell glänzen in den Hauptrollen.

 

»Battle of the Sexes«: ab 23.11., Passage Kinos

 

 

 

Weitere Filmtermine der Woche

 

Before the Flood
Hollywoodstar Leonardo DiCaprio reist um die Welt und führt dem Zuschauer in Gesprächen mit Experten und Aktivisten den Klimawandel vor Augen. Anschließend Diskussion mit Experten.

23.11., 19 Uhr, Pöge-Haus

Attraction
Science-Fiction-Actiondrama über den Absturz eines großen außerirdischen Raumschiffs über Moskau und dessen ungeahnte Folgen für die Menschheit.

24.11., 19.30 Uhr,  Lindenauer Kirchencafé

Mary’s Land

Dokudrama über den christlichen Glauben, der vom Advokaten des Teufels einem Test auf der Erde unterzogen wird.

26.11., 17 Uhr, Cineplex

Mythen

Einen griechischer Mann beschließt, dem mythologischen Helden Odysseus nachzueifern und dessen berühmte Irrfahrt zu wiederholen. Doch dabei geht einiges schief und so landet er schließlich in Moskau, wo er sich den Versuchungen des modernen Großstadtlebens stellen muss. – Russisches Kino

26.11., 17.30 Uhr, Cineplex (OV)

Traces in the Snow

Doku über die Punkrockszene Sibiriens in den 1980ern. Im Anschluss an den Vortrag »Ostblock-Punk im Film«.

26.11., 22 Uhr, Nato

Fugazi. Centrum wszechswiata / The Centre of the Universe

In dieser Doku im Comicstil erinnern sich ehemalige Organisatoren, Musiker und Gäste an den kurzlebigen, aber wegweisenden Musikklub »Fugazi« in Warschau anno 1990. – FilmPolska reloaded, anschließend Filmgespräch mit Gästen.

27.11., 19.30 Uhr, (OmeU)

Nuit de la Glisse: Don’t crack under preassure

Surfer, Apnoetaucher, Freerider, Stand-Up-Paddler, Wingsuitpiloten, Snowboarder, Biker und Kitesurfer: Der französische Regisseur Thierry Donard heftet sich an die Fersen der wagemutigsten Cracks.

27.11., 20 Uhr, CineStar

Persepolis

Von Heimweh geplagt, kann sich die in Teheran aufgewachsene Marjane am Pariser Flughafen nicht entscheiden, ob sie in den Iran zurückkehren soll. Sie blickt auf ihre Kindheit und Jugend zurück. Der Animationsfilm basiert auf dem gleichnamigen Comic von Marjane Satrapi, die darin ihre Kindheits- und Jugendgeschichte erzählt. – ConActionCafé

27.11., 19 Uhr, Schauspielhaus

Medienwochen »Courage leben: Gegen Rassismus und Antisemitismus«.

Im Anschluss Diskussion.

28.11.–8.12., Cineding

Kaddisch für einen Freund

Geschichte einer Freundschaft zwischen dem alten russischen Juden Alexander und dem jungen Araber Ali. Beide leben im gleichen Neubauviertel in Berlin-Kreuzberg und sind davon bedroht, ihre Wohnung zu verlieren.

28.11., 10.30 Uhr

Selma

Biopic über die Selma-nach-Montgomery-Märsche im Jahr 1965, die bürgerrechtlichen Bemühungen zur Gleichstellung von Afroamerikanern mit Weißen und Martin Luther Kings bewegtes politisches und privates Leben.

28.11., 13 Uhr

Deutsche Pop Zustände

Doku über den Einfluss von Musik mit rechtsradikalen Texten in Deutschland.

28.11., 15.30 Uhr

Und dann der Regen

Bei den Dreharbeiten zu einem Kolumbus-Drama gerät eine Filmcrew in Bolivien zwischen die Fronten eines Kampfes ums Trinkwasser.

28.11., 20.30 Uhr

Am Ende kommen Touristen

Ein deutscher Zivi wird bei seiner Arbeit in einer Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz mit der Geschichte konfrontiert und dabei erwachsen.

29.11., 10 Uhr

Can’t be silent

Sie sind Sänger, Musiker, Rapper und doch Ausgeschlossene und Abgeschobene, die nicht berechtigt sind, den nächstliegenden Bezirk zu betreten. Die Doku begleitet die »Refugees« Nuri, Jaques, Hosain und Revelino auf ihrer Suche nach einer neuen Heimat, die vielleicht Deutschland ist.

29.11., 13 Uhr

Revision

1992 entdeckt ein Bauer in einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern die Leichen zweier Rumänen. Sie wurden bei dem Versuch, die europäische Außengrenze zu überschreiten, von Jägern erschossen, die sie mit Wildschweinen verwechselt haben wollen. Vier Jahre später beginnt der Prozess, das Urteil: Freispruch.
29.11., 15.30 Uhr

Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen
Bewegendes Spielfilm-Denkmal für drei schwarze NASA-Wissenschaftlerinnen der 1960er.

29.11., 20.30 Uhr

Die Tragödie der Provinz

Doku über Neonazis und Zivilgesellschaft im Vogtland.

30.11., 15.30 Uhr
Es war einmal in Deutschland …

Mit Witz und Chuzpe schlägt sich Moritz Bleibtreu als jüdischer Wäscheverkäufer durch.
30.11., 13 Uhr

Willkommen bei den Hartmanns

Angelika entschließt sich gegen den Willen ihres Mannes dazu, einen Flüchtling bei sich zu Hause aufzunehmen. Was ihre Familie trotz anfänglicher Probleme in dieser Komödie letztlich enger zusammenschweißt.

30.11., 10 Uhr

Shorts Attack – Arbeit & Ekstase

Elf kurze Filme in 90 Minuten.

29.11., 21 Uhr, UT Connewitz

Tentative matters

Filme von Oraib Toukan und Dox Box, ausgewählt und vorgestellt von Marianna Liosi

29.11., 18.30 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

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