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Kino bewegt

Die Filmstarts der Woche und was sonst so auf Leipzigs Leinwänden geht

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Heftiya Sînema Kurdî – Das Kurdische Kino erzählt von Unterdrückung und Flucht und ist damit aktueller denn je. Das Unabhängige Komitee für Sozialentwicklung und selbstorganisierte Demokratie, gegründet von einer Gruppe syrischer Studenten, öffnet ein filmisches Fenster in die kurdische Welt.

In »Life on the Border« etwa lässt der Regisseur Bahman Ghobadi sieben Kinder aus Flüchtlingslagern mit eigenen filmischen Ideen von sich und ihren Erlebnissen zu erzählen.

»Kurdische Filmtage«, 30.11.–2.12., Cineding

Film der Woche: AIDS. Das ist 1990 eine weltweit wütende Seuche, deren Opfer nicht nur Schmerzen und Tod erleiden müssen, sondern zusätzlich mit Stigmatisierungen und Anfeindungen durch ihre Mitmenschen sowie Untätigkeit seitens Politik und Wissenschaft konfrontiert werden. Mit eben jener Anfangszeit, in der die Epidemie global ausbrach, beschäftigt sich »120 BPM«, dessen Titel für eine hohe Anzahl Herzschläge pro Minute steht und dessen Protagonisten ihre teilweise kurzen Leben schneller führen müssen, als andere. Es sind junge Frauen und Männer mit HIV und ihre Freunde und Angehörigen, die sich im Pariser Ableger der 1987 in den USA gegründeten Bewegung »Act Up« engagieren, die die Zuschauer in der ersten Hälfte des mit 140 Minuten recht langen, aber nie langweiligen Films kennenlernen. »120 BPM« ist kein dröges, pessimistisches Dokudrama, sondern strotzt nur so vor Kämpfergeist, Leidenschaft und Liebe, zumal das Wissen um den heutigen Stand der Dinge auch latent hoffnungsvolle Gedanken zulässt. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»120 BPM«: ab 30.11., Passage Kinos, Kinobar Prager Frühling (Am 1.12. mit anschl. Gespräch mit Dieter Kötz von der AIDS-Hilfe Leipzig)

 

15 Jahre mussten wir warten, dass überhaupt mal wieder ein Film des japanischen Regie-Exzentrikers Sabu (»Monday«) in den deutschen Kinos anläuft und dann sind es in diesem Jahr gleich zwei. Zu verdanken ist das dem Kölner Verleih Rapid Eye Movies, der bei »Happiness« auch gleich als Koproduzent in Erscheinung tritt. Im Gegensatz zum enorm unterhaltsamen »Mister Long«, der das Festivalpublikum in diesem Jahr im Wettbewerb der Berlinale begeisterte und im September auch in unsere Kinos kam, ist »Happiness« eher Kunstfilm, allerdings Sabu-Style. Ein namenloser Fremder kommt in eine graue Kleinstadt und befreit die Menschen aus ihrer Lethargie. Hierzu nutzt er einen seltsamen Helm, der es vermag mittels präzise austariertem Druck auf den Schädel, Erinnerungen hervorzurufen. So öffnet er den Probanden das Tor zu dem schönsten Erlebnis ihrer Vergangenheit und heilt sie so von ihrer Depression. Doch die stets unheilvolle Atmosphäre, die »Happiness« begleitet, lässt schon ahnen, dass der Fremde noch ganz andere Absichten hegt. Wer Regisseur Sabu kennt, der stellt sich auf ausladende Gewaltexzesse ein, die hier in ihrer Drastik noch einmal übersteigert werden. Sabu ist ein Meister im Chargieren zwischen den Genres und so entwickelt sich aus den lichten Momenten kindlicher Phantasie, ein düsteres Rachedrama. Ähnlich der »Vengeance«-Trilogie von Park Chan-Wook sind die Ausbrüche heftig, allerdings wesentlich kaltblütiger. Zudem werden sie konterkariert von ruhigen, ausladenden Szenen der Trauerbewältigung. »Happiness« pendelt ambivalent zwischen den Gefühlszentren der Freude und der Trauer, die dicht beieinander liegen. Meist geht die Freude einer Erinnerung Hand in Hand mit der Trauer über ihren Verlust. Sabu veranschaulicht dies gewohnt verspielt, aber dann auch wieder konzentriert und nachdrücklich. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Happiness«: ab 30.11., Luru Kino in der Spinnerei

 

 

Schon die Ouvertüre ist ein Paukenschlag, der die Richtung vorgibt: Wir werden Zeuge, wie ein unbekanntes Paar in eine Wohnung eindringt und vor den Augen der fünf und sieben Jahre alten Töchter, die Mutter absticht. Auch der Vater kam bei dem Überfall ums Leben. Ihre Kinder überlebten unentdeckt. Zwanzig Jahre später hat es sich Jeanette (Friederike Becht), die Ältere, zur Obsession gemacht, ihre jüngere Schwester Sophie (Frida-Lovisa Hamann) zu beschützen. Die Jüngere leidet unter den Psychosen ihrer Schwester, die endgültig austickt als sie erfährt, dass die beiden Täter auf freien Fuß gesetzt werden. Bei einem Streit kommt es zu einem Unfall, der alles verändert. Mehr zu verraten, wäre ein Frevel, denn Oliver Kienles enorm selbstbewusst inszenierter Psychotrip dreht die Spannungsschraube auf Anschlag. Dabei kann er auf ein exzellentes Darsteller/innen-Gespann setzen. „Die Vierhändige“ ist ein bemerkenswerter Thriller, der auf dem Münchner Filmfestival und in Chicago bereits für Aufsehen sorgte.

Lars Tunçay

»Die Vierhändige«: ab 30.11., Schauburg

Flimmerzeit Oktober/November 2017

Weitere Filmstarts der Woche

Der lange Sommer der Theorie

In einem Altbau leben Nola, Martina und Katja in einer WG. Alle drei sind künstlerisch-kreativ tätig, philosophieren gern und sehen ihr Zusammenleben eher als Übergangslösung. Genau wie ihr eigener Werdegang ist in dem gemeinsamen Apartment vieles unfertig, Doch die drei wissen: Ein Umbruch steht bevor. Anschl. Gespräch mit Regisseurin Irene von Alberti.

1.12., 21Uhr, Schaubühne Lindenfels

Der Mann aus dem Eis
Wuchtiges Abenteuerdrama über Leben und Sterben des als »Ötzi« bekannt gewordenen Gletschermumienmannes.

Ab 30.11., Passage Kinos (Am 2.12., 19 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs Felix Randau und des Schauspielers André M. Hennicke)

Agonie – Rasputin, Gott und Satan

Das Leben des sibirischen Bauern Rasputin, der Anfang des 20. Jahrhunderts zu großem Einfluss im Zarenhaus kam. Der Film wurde von 1966 bis 1974 gedreht, durfte aber in der Sowjetunion zunächst nicht aufgeführt werden. Erst 1981 wurde er im Ausland und schließlich 1985 in der UdSSR gezeigt. – DEFA-Filmverleih 1917-Spezial, 100 Jahre Oktoberrevolution

3.12., 12 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Trouser Bar

Preisgekrönte britische Erotikkomödie, die in einem Herrenausstatter in den Siebzigern spielt. – im Anschluss Filmgespräch mit Pornostar Hans Berlin

3.12., 19.30 Uhr,  Cinémathèque in der Nato

Die Augsburger Puppenkiste: Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel

Der Weihnachtsmann muss notlanden und trifft auf Ben und Charlotte, die ihm dabei helfen, Weihnachten zu retten.

3.12., 11, 15 Uhr, Passage Kinos (und an jedem weiteren Adventssonntag)

Die sichere Geburt – Wozu Hebammen?

Der Film geht der Frage nach, was eine physiologische Geburt sicher macht und wodurch sie gestört wird. Was sind die Folgen von Interventionen auf den Geburtsverlauf, für Mutter und Kind und möglicherweise für die zukünftige Gesellschaft?

3.12., 16 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Die Welt sehen – Voir du pays

Nach ihrem Einsatz in Afghanistan kommen zwei französische Soldatinnen nach Zypern in die Dekompressionsschleuse, in welcher die Strapazen und das Grauen des Krieges vergessen werden sollen.

3.12., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Dancing in Jaffa

Dokumentarfilm über den New Yorker Tanzlehrer und Turniertänzer Pierre Dulaine der in seiner Heimatstadt Jaffa eine Tanzschule für israelisch-palästinensische und israelisch-jüdische Kinder aufbauen will. –Im Rahmen der Reihe Kino verbindet bei freiem Eintritt, Spende erbeten.

5.12., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Addio, Piccola mia

DEFA-Film um Leben und Tod des Schriftstellers Georg Büchner. – Reihe Büchner im Film

6.12., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Der große Weg

Das monatliche Stummfilmprogramm Ballet mécanique #18 im Luru diesmal mit »Der große Weg« (UdSSR 1927). Kompilationsfilm mit Aufnahmen von Industrieanlagen, Bildungseinrichtungen und Universitäten, Kinderkrippen, der industrialisierten Landwirtschaft und Bildern von der Ausbildung der Roten Armee. – 100 Jahre Oktoberrevolution

6.12., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Golden Fifty – 50 Jahre Zusammenleben, das ist schwere, harte Arbeit

Fünf Paare aus Deutschland, Spanien, Italien und Malta, die 50 Jahre und mehr zusammenleben geben Antworten auf die Frage: Was ist das Geheimnis einer Beziehung?

6.12., 19 Uhr, HTWK Lipsiusbau

Muhi – Generally Temporary

Muhi aus Gaza lebt in einem Krankenhaus. Dem schwerkranken Palästinenserjungen mussten die Gliedmaßen amputiert werden, nur sein Großvater ist bei ihm. Und dennoch lebt er sein Leben mit großer Freude. Beim Dok Leipzig gewann »Muhi« die Goldene Taube im Deutschen Wettbewerb. Der Leipziger Koproduzent Jürgen Brüning (Neue Celluloid Fabrik) ist am 6. Dezember Abend zu Gast in der Cinémathèque. Ausführliches Interview im aktuellen kreuzer.

6.12., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Überleben

Holocaust-Überlebende aus Israel erzählen ihre Lebensgeschichten. – In Anwesenheit der Regisseurin Anna Schmidt

6.12., 20 Uhr, Kinobar Prager Frühling

 

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