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Editorial 12/2017

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Dezember-Ausgabe des kreuzer. Vertretungschefredakteur Tobias Prüwer berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

Wenn Hamburg zu klein wird, dann ziehen wir eben nach Leipzig. Der Chaos Computer Club (CCC) ist mit dieser Entscheidung nicht allein. Erst neulich wurde eine jüngst zugereiste Exilhamburgerin Thekenchefin in meiner Stammkneipe. Die Nachricht über den Umzug des Hackerkongresses machte natürlich größere Wellen (was nicht schlimm ist, denn erstens mag ichs gemütlich, nicht übervoll, und zweitens zeigt das, dass mein Lieblingslokal nicht der Nabel der Welt ist). In Hamburg weinen sie dem Treffen nach, die regionalen Medien hier zeigen sich bisher unverständig-nüchtern, der kreuzer entschloss sich, die Hacker-Space-Invaders zu begrüßen. Im Gegensatz zu unserem Ruf können wir auch etwas gut finden. Weniger aus wirtschaftlichen Gründen, auch wenn eine Großveranstaltung mehr auf der Messe und ausgebuchte Hotels nicht schaden können. Und ein paar Euro werden auch bei LVB, Fuhrunternehmen und in der Gastronomie hängen bleiben.

Wir meinen das Willkommenheißen durchaus ideell, denn bei allem Nerd- und Basteltum: Dem CCC und Gleichgesinnten kommt schon die Rolle einer Bürgerrechtsbewegung zu, wenn sie auf Gefahren der Digitalisierung hinweisen, Überwachung kritisieren oder Verschlüsselungsmaßnahmen anempfehlen. Darum haben wir unseren Titel zweigeteilt: Wir legen dar, warum der CCC und sein Tun wichtig und dass sie gerade in Sachsen an der richtigen Adresse sind. In einem zweiten Text schreiben wir auf, warum der CCC Leipzig guttut, und wie die ersten Begegnungen zwischen ihm und hiesigen Verantwortlichen verliefen: Es scheint sich eine zarte Freundschaft abzuzeichnen und wenn wirs nicht vergeigen, dann kommt der CCC wieder. (S. 20–24)

Sich über die kleinen Dinge freuen, ist kein schlechter Rat. Im kreuzer vor einem Jahr wünschten wir uns grünere Fassaden. Da ist es eine gute Nachricht, dass Ökolöwe und Stadt das Projekt Kletterfix – ja, der Name ist nicht so gelungen – weiterführen. Zuletzt wurde in der Schenkendorfstraße eine graue Fassade in ein grünes Ökosystem verwandelt. Operation urbaner Urwald läuft also. Im nächsten Frühling schwingen wir per Lianen durch die Stadt, dann ist auch die leidige Nichtdiskussion Auto vs. Fahrrad vs. Schuhe hinfällig. Aber erst mal ist Winterbeginn.

Gelassenheit möge uns besonders diesen Moment begleiten, wo die einen hektisch Geschenke zusammenshoppen, andere über kollektive Werteverluste klagen und dritte jammern, weil irgendjemand »uns« Weihnachten wegnehmen möchte. Ob man es nun Jahresendfeier oder X-mas, Weihnachten, Chanukka oder Fest der Liebe, Wintersonnenwende oder Gabenparty nennt, ist doch unerheblich. Hauptsache ist, man kann mal innehalten und da kommen einem die kürzesten Tage des Jahres doch gelegen, egal wie oder ob man religiös ist. Gelassenheit bedeutet nach Friedrich Nietzsche die Voraussetzung, sich selbst Werte setzen zu können. Das macht unabhängig und wer gelassen ist, muss das Treiben anderer nicht zwangsläufig als Störung, Unordnung oder ungehörig empfinden.

Ich wünsche Ihnen einen gelingenden Jahresendausklang, ein frohes Fest und guten Rutsch – und besonders viel Gelassenheit.

Viel Spaß bei der Lektüre,

TOBIAS PRÜWER (in Vertretung)

chefredaktion@kreuzer-leipzig.de

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