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Jahresendlisten

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Jetzt geht die Zeit der Jahresbestenlisten wieder los. Wer sich inspirieren lassen möchte oder sich nicht mehr so recht erinnern kann, was 2017 so alles im Kino lief, dem bietet die Kinobar Prager Frühling eine Auswahl der Highlights des Jahres. Mit dabei sind etwa der Oscar-Abräumer »Moonlight«, die Komödie des Jahres »The Party«, der dokumentarische Überraschungshit »Weit.« und natürlich auch »La La Land« mit dem Leinwandpaar des Jahres. Ach, und ob »Star Wars – Die letzten Jedi« zu eurer Top10 2017 gehört, müsst ihr selbst entscheiden …

»Best of 2017«: 14.–20.12., Kinobar Prager Frühling

Film der Woche: Die erste Minuten des Films blicken wir durch Benjamins Augen. Der junge Mann wird ins Krankenhaus eingeliefert. Ärzte, eine Operation, 245 Quadrate in der Deckenlampe – bis Benjamin wieder vollends zu sich kommt, vergeht eine Weile. Das Wie und Warum ist nicht entscheidend – eine Dummheit hat ihn hierher gebracht, wie Benjamin es später beiläufig abtun wird. Doch diese Dummheit veränderte sein Leben. Nun ist er nahezu vollständig gelähmt und landet in einem Rehabilitationszentrum. Der aktive Basketballspieler ist fest entschlossen, dass bald alles wieder sein wird wie vorher. So lässt er die täglichen Strapazen ebenso über sich ergehen wie das eigenwillige Personal. Hilfe geben ihm die Mitinsassen, die alle ihre eigene Geschichte mitbringen und ihr Schicksal mit Ironie überspielen. Auch Samia, die sein Interesse bei den täglichen Sportübungen weckt. Die Fortschritte kommen langsam. Ein Rollstuhl bedeutet Freiheit, eine Schwelle kann ein unüberwindbares Hindernis sein. »Lieber leben« macht auf eindringliche Weise klar, wie die Welt im Blickwinkel eines körperlich behinderten Menschen aussieht. Der authentische Blick und die Leistung des Hauptdarstellers Pablo Pauly (»Mit ganzer Kraft«) berühren, die etwas gezwungen wirkende Liebesgeschichte hingegen ist entbehrlich. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Lieber leben«: ab 14.12., Passage Kinos

Mathieu lebt sein etwas verkorkstes Leben in Paris, als er eines Tages erfährt, dass sein Vater gestorben ist, den er bislang nicht kennen gelernt hat. Kurzentschlossen fliegt der junge Arzt nach Kanada, um – zusammen mit seinen Halbbrüdern, die er ebenfalls bislang nicht kannte – nach der Leiche zu suchen; der unbekannte Erzeuger soll nämlich bei einem Bootsunfall ertrunken sein. Wird Mathieu auf diesem Männertrip erfahren, wer sein Vater war und warum er in all den Jahren nie Kontakt mit ihm wollte? Pierre, Heilpraktiker und grummeliger bester Freund des Vermissten, macht jedenfalls auf geheimnisvoll. Das große Problem: Während der Protagonist bei der Lösung seines Vergangenheitsrätsels bis zum Ende im Dunkeln tappt, hört der Zuschauer die Nachtigall schon ziemlich früh trapsen. Auch sind die Figuren in Philippe Loirets (»Die Frau des Leuchtturmwärters«) Adaption des Romans von Jean-Paul Dubois zu farblos und schematisch gezeichnet, um wirklich Anteil an ihrem Schicksal zu nehmen. Das Ganze wird dann auch noch in schwermütiger Musik ertränkt. Nicht gerade ein Stimmungsaufheller für lange Winterabende. Ausführliche Kritik von Karin Jirsak im aktuellen kreuzer.

»Die kanadische Reise«: ab 14.12., Passage Kinos

Der Schotte Andy Goldsworthy schafft vergängliche Kunst in der Natur, als Teil und mit der Natur. Fragile Skulpturen, kunstvolle Collagen, Skulpturen, die von Regen und Schnee geformt werden. Der Dokumentarfilmer Thomas Riedelsheimer begleitete ihn bereits zur Jahrtausendwende und schuf mit »Rivers and Tides« ein eigenes Kunstwerk mit eindrücklichen Bildern der Kunst Goldsworthys. 16 Jahre später treffen Künstler und Filmemacher nun erneut aufeinander. Wie seine Kunst im Spiel der Zeit, hat sich auch ihr Schöpfer verändert. Immer mehr wird er nun selbst Teil seiner Kunst. Er sucht seine Materie nun nicht mehr ausschließlich in der Natur, sondern auch auf den Straßen der Städte. Er hinterlässt bleibende Spuren in der Landschaft, wofür er nicht mehr nur alleine stundenlang geduldig an einem Werk arbeitet, sondern auch schon mal ganze Teams mit Bagger und Kreissäge einbezieht. Noch immer ist Goldsworthy ein Suchender in der Natur und ein begnadeter Erzähler. Auch das erneute Zusammentreffen zwischen den verwandten Geistern gebar einen eindrucksvollen Kunstfilm, ein kurzes Innehalten im Fluss der Zeit, eine Momentaufnahme der Kreativität dieses außergewöhnlichen Künstlers.

»Leaning into the Wind – Andy Goldsworthy«: ab 14.12., Passage Kinos

Juliette Binoche ist Isabelle, eine angesehene Künstlerin, die sich in den blasierten Kreisen der Kunstwelt bewegt, aber nie richtig dazugehörte. Trotzdem versucht sie sich immer wieder anzupassen – an die Unangepassten, die auch nur das Klischee leben. Sie hat einen verheirateten Liebhaber, wechselnde Partner, einen Psychiater und eine Kartenlegerin, die ihr allerdings beide keine Richtung vorgeben können. Dabei sucht sie so dringend nach einfachen Antworten. Dass sie diese in einem Film von Claire Denis nicht finden wird, ist klar. Isabelle zweifelt, pendelt von Mann zu Mann, zweifelt noch ein wenig mehr, was die Geduld des (männlichen) Betrachters beansprucht. Dass man dennoch im Sessel verweilt, liegt vor allem an der Strahlkraft Juliette Binoches, die Claire Denis stolz und schön in Szene setzt. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Meine schöne innere Sonne«: ab 14.12., Passage Kinos

Flimmerzeit Oktober/November 2017

 

Weitere Filmtermine der Woche

Das Orchester – Die Violinen von Sao Paulo
Emotionales Sozialdrama, in dem ein Lehrer versucht Kids in den Favelas für das Violinenspiel zu begeistern.
14.12., 20 Uhr, Cineding

Denk ich an Deutschland in der Nacht
Dokumentation über deutsche elektronische Musik, in der fünf DJs zu Wort kommen: Ricardo Villalobos, Sonja Moonear, Ata, Roman Flügel und David Moufang alias Move D. – in Anwesenheit des Regisseurs Romuald Karmakar
14.12., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Unter Männern – Schwul in der DDR
Ein Abend, der von der homosexuellen Emanzipationsbewegung in der DDR erzählt mit dem Dokumentarfilm »Unter Männern« und einer anschließenden Diskussion mit den Leipziger Regisseuren Ringo Rösener und Jörg Litwinschuh sowie Filmemacherin Barbara Wallbraun und Volker Beck, Gründungsmitglied des LSVD.
14.12., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Vanatoare
Das Schicksal zweier Prostituierten auf den Straßen Rumäniens. In Anwesenheit von Regisseurin Alexandra Balteanu
15.12., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Familienleben
Die Suche nach Geborgenheit als Heimatsuche: Drei Generationen spüren Eindrücken der Fremde nach, verfolgen sie zurück zu Erfahrungen der Migration und entwerfen Szenarien künftiger Vertrautheit. Die Familie als Regelwerk: In Handgriffen und Sprechweisen entfalten sich Regungen eingeübter Anpassung und neuer Sitten. – In This World: Filme immigrierter Regisseure; in Anwesenheit von Regisseurin Irina Heckmann
16.12., 18 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Belle de Jour
Ein Klassiker des surrealen französischen Films mit der hinreißenden Cathrine Deneuve als Sévérine Sérizy alias Belle de Jour. In ihrer recht anständigen Ehe findet Sévérine nur in ihren sadomasochistischen Tagträumen erotische Erfüllung. Um der Langeweile zu Hause zu entfliehen, beginnt sie tagsüber in dem Bordell von Madame Anaïs anzuschaffen.
17.12., 17 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmU)

Double Feature Star Wars: Das Erwachen der Macht + Die letzten Jedi
Die Episoden sieben und acht der Weltraumsaga hintereinander.
17.12., 12 Uhr, Regina Palast

Loving Vincent
Den atemberaubenden Animationsfilm um den mysteriösen Tod Vincent van Goghs gibt es heute mit einer Einführung von Kristin Klemann und Marek Bringezu (Weltkino).
17.12., 15 Uhr, Passage Kinos

Alice im Wunderland – Hinter den Spiegeln
Abenteuerliche Fortsetzung der visuell eindrücklichen Neuverfilmung des Carroll-Klassikers. – MoritzKino
19.12., 20 Uhr, Moritzbastei

Fantasia
Disneys Klassiker »Fantasia« ist ein Rausch aus Farben und Musik, eine zeitlose Visualisierung klassischer Motive – und damit perfekt für den Filmabend mit konzertantem Entree. Dargeboten werden die Werke von Tschaikowski, Debussy und Schubert vom Streichquartett Din A4.
19.12., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels

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