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Wir werden alle sterben

Heißa: Jahresend-Geballer noch und nöcher

Metalkolumne von Tobias Prüwer Größeres Bild

Schwarze Weihnacht, Orkfreuden und dunkle Wechseljahre: Die nächsten Tage verheißen hübsche Kurzweil jenseits von Tanne, Krippe und Gabentisch.

Am Samstag holt der Thrashflegel im Four Rooms den Prügel raus. Oder besser die Prügel, hübsch brüniert. Appetithäppchen werden Apathy (Dresden) verteilen, wenn sie ihren schnell getrommelten Schwarzwurzelmix auftischen. Etwas weniger direkt nach vorn gehts mit Nemesis Sopor (Dresden) weiter, wo die Atmo drückt, die Schreigitarre zum akustischen Steilflug aufsteigt. Solitudo Solemnis (Zürich) rühren dem Abend etwas mehr Rhythmus unter, mehr nach Groove klingt die Gitarre der tanzbarsten Band des Sets. Auf Propeller-Köpfe wird man sich hier freuen dürfen. Rares für Bares – eh, unglaubliche 12 Eus kostet das Konzi – rückt mit Darkestrah auf die Bühne hinter der Diskokugel. Von Kirgisien hat es sie nun dauerhaft hierher verschlagen, ein Gewinn für die hiesige Metal-Community, bringen sie doch so ziemlich ungewöhnliche Black-Metal-Pagan-Epik vor. Das wird nicht jeder mögen, aber allein dem Trashflegel-Ralle beim freudetrunkenen Schwelgen zuzugucken, lohnt ja. Und wenn man sich auf Darkestrah erst mal eingelassen hat, wachsen einem ebensolche Haare auf den Öhrchen. Fiat Lux.

Ein etwas breiteres Paket wird am Vorabend der Connewitzer Kreuzspiele geschnürt. Vorglühen, quasi. Prä-Abfackeln im UT, organized by Metalheadz. Von unten nach oben aufsteigen werden die Fleischklopfer von Dehuman Reign (Berlin) und ordentlich Auf-die-Fresse-Tempo vorlegen. Die nächste Band muss man hier nicht vorstellen: Zeit (Leipzig/Chemnitz) sind schon oft an dieser Stelle abgefeiert worden. Allerdings völlig zu Recht. Black Metal ohne Nadelwald, Urban-Shit, Doom-Punk-Death und auf was das Trio sonst noch Lust hat, werden zum mäandernden Amalgam zusammengekippt, um dem Publikum unsanft bis garstig auf den Zahn zu fühlen. Endlich mal eine angemessene Bühne für die Herren, das wird groß! Illdisposed (Aarhus) hatten die Metalheadz vor vier Jahren mal zu ihrem Zehnjährigen, der Abriss wird einigen noch erinnerlich sein. Bis heute sind diese Urgesteine des Todesstrahls grundsympathisch geblieben. Das wird schnörkellos.

Zwischen den Jahren sei noch ein Buch empfohlen, nein, nichts mit vielen Buchstaben drin, ist ein Bilderbuch. An »Max und Moritz« angelehnt, hat Christian van Aster eine Orkgeschichte zusammengereimt. Horrk und Grablakk sind stupide Bösewichte, die allerdings in der Kreativität ihrer Schandtaten überraschen. Da werden Phönixe beim Bierklau erschlagen, einem Lebensmüden noch der Strick unterm Baum weggeklaut. Elfenkloppen und Eulenschlitzen stehen auf dem Stundenplan und selbst der größte Magier bekommt aufs Maul. Sehr hübsch zum Selbstlesen, am besten, wenn angeschäkert. Oder zum Verschenken an die Nachbarsbagage, damit die lieben Kleinen früh erfahren, wie die Welt tickt. Wir werden alle sterben – vorher gilts, so viel Spaß wie möglich zu haben.

Mit Vorfreude aufs Ausrasten, slainte!

Thashflegel, 23.12, 20 Uhr, Four Rooms
Metalheadz, 30.12., 20 Uhr, UT
Christian von Aster: Horrk & Grablakk, Schwarzer Ritter: Hamburg 2016, 60 S., 12 €

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