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Sozialamt behindert Integration

Folgen der missglückten Flüchtlings-Integrations-Maßnahmen (FIM)

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Ein Geflüchteter möchte sich in Leipzig integrieren und beginnt dafür ein vom Jobcenter vermitteltes Praktikum. Dem Sozialamt passt das aber nicht.

Im Dezemberheft des kreuzers berichteten wir vom mehr oder minder gescheiterten Projekt Flüchtlings-Integrations-Maßnahmen (FIM). Die Mischung aus Laub harken für 80 Cent die Stunde und Sprachkursen für unterschiedlichste Zielgruppen scheiterte an den sich rasch verändernden Rahmenbedingungen der Asylpolitik, an der eigenen Unlogik und verzettelter Bürokratie. Zum Jahresende werden die FIMs eingestellt.

Carlos Sucre, 30 Jahre alt, Geflüchteter aus Venezuela und Vater einer kleinen Tochter, hatte das Pech, an einer FIM teilnehmen zu müssen. Motiviert, zu arbeiten und sich in Deutschland zu integrieren, stellte Sucre rasch fest, dass das Programm ihn bei beiden Zielen nicht weiterbringen würde.

Nachdem wir über den Fall berichteten, verbesserte sich die Lage für Sucre zunächst. Das Jobcenter vermittelte ihm ein Praktikum in einem echten Betrieb. Das Beschäftigungsprogramm Grünflächenpflege brach er ab. Doch dafür rächt sich das Sozialamt nun. Mitte November erhielt Sucre einen Sanktionsbescheid. Die Sozialhilfe soll ihm und seiner dreiköpfigen Familie in den kommenden sechs Monaten gekürzt werden, weil er nicht wie vorgesehen bis Ende November an dem Programm teilgenommen hat.

Nach offizieller Begründung des städtischen Ressorts Wirtschaft und Arbeit sollten die FIM die Geflüchteten rasch an den deutschen Arbeitsmarkt heranführen und so zugleich die Integration fördern und den Arbeitskräftemangel beheben. Mit der Sanktion will das Amt offenbar das Gegenteil erreichen.

Ein befreundeter Sozialarbeiter hilft dem Familienvater derzeit dabei, Widerspruch einzulegen. Gut möglich, dass Carlos Sucre damit erfolgreich ist. Viele andere Geflüchtete, die noch nicht über gute Beziehungen verfügen, um sich effektiv wehren zu können, haben da schlechtere Karten.

Dürfte man sich von der Behörde etwas zu Weihnachten wünschen, dann vielleicht das: Anstatt durch sinnlose Gängelung die Probleme der Geflüchteten zu verschärfen, könnte die städtische Migrantenhilfe ihre Entscheidungen vielleicht überdenken und stattdessen anfangen, wirklich hilfreich zu sein. 

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