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Spaß reimt sich auf Hass

Gute Gründe gegen Onlinespiele

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Menschen können mitfühlende Wesen sein. Sie können auch einander swatten und dann wegen fahrlässiger Tötung angeklagt werden. Alles ist drin. Kultivierter können wir uns duellieren, indem wir einander das Gesicht abkauen, diffamierende Photoshop-Montagen verbreiten oder Bomben schmeißen.

Was niemand so genau wissen wollte, erklärt das Spieleblog des Rolling Stone in einem gründlichen Artikel (https://www.rollingstone.com/glixel/features/examining-the-spectacle-of-video-games-and-swatting-w515382): Wie funktioniert Swatting? Warum ist jemand gestorben? Was kann man tun, damit das nicht wieder passiert? Wer wirklich tiefer in die unappetitlichen Hintergründe der Geschichte schauen möchte, der kann im Forum Reset Era (https://www.resetera.com/threads/man-killed-after-being-swatted-over-1-cod-wager.13202/) nachlesen, wie die Community das Verbrechen entdeckt und aufgeklärt hat – und wie atemberaubend plump die schuldigen Spieler den Unfug zuerst veranstaltet, dann die Verantwortung von sich gewiesen haben. Eine deutsche Zusammenfassung hat Dom Schott bei Motherboard (https://motherboard.vice.com/de/article/qvwn87/im-ersten-swatting-todesfall-steht-jetzt-ein-call-of-duty-gamer-vor-gericht)

Dass sich einfach alle lieb haben, oder gar wie Erwachsene benehmen, wäre wohl zu viel verlangt. Das Internet und vor allem Onlinespiele sind zu einem Ort geworden, wo Menschen ihren Hass abladen. Ein besonders unsinniges Beispiel hat das kommerziell erfolgreiche Grand Theft Auto Online hervorgebracht. Für sehr viel Geld können Spieler dort seit Kurzem einen Kanonenschuss aus dem Orbit bestellen, der ganze Straßenkreuzungen umbringt. Für normale Spieler ist der Killswitch dermaßen teuer, dass sie nur in Extremfällen dazu greifen. Aber natürlich gibt es Spieler, die schummeln, deswegen sehr viel Geld haben und nun aus Spaß an der Freude soziale Treffpunkte zerbomben, bis sich niemand mehr treffen mag und alle zu Hause bleiben.

Was kann weiterhin Schlimmes aus der Spieleszene kriechen? Da wäre noch was. »Kingdom Come Deliverance« ist ein gehyptes Computerspiel, das sich kurz vor Erscheinen fragen lassen muss, aus welcher politischen Ecke es kommt. Und langsam, endlich, erreicht die #Metoo-Welle auch die Spieleszene. Das vermeintliche Edelstudio Quantic Dreams vergleicht sich selbst mit Rugby-Umkleidekabinen und die renommierte Spieleseite IGN feuert einen Angestellten.

Wie reagiert die Politik? In den USA fällt Donald Trump damit auf, dass er von Düsenjets schwärmt, die es bisher nur bei »Call of Duty« gibt.

Aber wie reagieren wir alle? Erstens können wir uns auf zivile Formen der Konfliktbewältigung besinnen. Da wäre etwa Surviv.io, ein blutiger Überlebenskampf bis zum Letzten, der die komplexe Erfolgsformel von »Player Unknown’s Battlegrounds« auf ein einfaches Browserspiel herunterrechnet. Intimer wird es mit dem Normal Human Face Simulator – hier begegnen sich zwei Menschen hautnah und versuchen, einander das Gesicht abzukauen. Zweitens können wir Hoffnungsschimmer entdecken, etwa Menschen, die aus Sport und Vergnügen immer wieder dieselben Videospiele möglichst schnell durchspielen: Sie haben beim Event »Awesome Games Done Quick« 2,2 Millionen Dollar Spenden für wohltätige Zwecke gesammelt.

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