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Editorial 02/2018

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Februar-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

Erschreckend ist die Banalität der Nachrichten aus der Zeit der Mobilisierung zum Neonazi-Überfall auf Connewitz am 11. Januar 2016, die Sie in diesem Heft nachlesen können. Anfangs fast schon lustig: Da sind die beiden jungen Männer, die sich im Chat völlig sicher sind, dass es eine blöde Idee ist, in Connewitz zu randalieren – und die dann prompt am Tatabend dort festgenommen werden. Da sind die Neonazis, die erst, als sie gefesselt auf dem Boden sitzen, daran denken, dass sie ja auf Bewährung sind – und die daraufhin von einer Bekannten per Whatsapp als »Vollottos« tituliert werden. Oder da ist der Mann, der ein paar Stunden bevor der Gewaltakt in Connewitz losgeht 56 Mal das Wort »Wamsen« schreibt, um sich und einen Bekannten zu motivieren.

Der Spaß vergeht spätestens, wenn die Gewalt ihren Ausbruch findet. Wenn der Vollotto seinen Baseballschläger nimmt und zuschlägt. Das ist das Problem – und so war es schon immer.

Gruselig ist auch ein anderes Detail, nämlich der historische Bezug des Überfalls: Am 11. und 12. Januar 1945 begannen die Nazis, die inhaftierten sächsischen Widerstandskämpfer und Antifaschisten im Hof des Dresdner Landgerichtes hinzurichten. Die Männer waren vorher teilweise jahrelang eingesperrt und wurden brutal gefoltert, vermutlich von Typen wie dem oben genannten »Wamser«. Unter den Hingerichteten: Georg Schumann, Arthur Hoffmann, Georg Schwarz – und Wolfgang Heinze, nach dem die Straße in Connewitz benannt ist, die ein Neonazimob genau 71 Jahre später angriff.   

Die Schlichtheit ihrer Sprache sollte uns nicht über die Schwere ihrer Taten hinwegtäuschen. Gewalt braucht keine Worte. 300 Männer waren in Connewitz unterwegs, bewaffnet mit Äxten, Totschlägern, Messern, Zaunlatten, selbst gebastelten Bomben. Was soll man mit solchen Leuten machen? Was wäre passiert, wenn es nicht die Polizei gewesen wäre, die als Erste vor Ort war, sondern eine Gruppe der Antifa, ihrerseits kampfbereit?

Die besondere Qualität des Überfalls auf Connewitz besteht nicht nur in seiner Gewalttätigkeit, sondern seiner Heimtücke. Für die Anwohner kam der Angriff aus dem Nichts, die Neonazis selbst tarnten sich mit einem Anti-Legida-Banner, um zum Tatort zu gelangen. Den Sicherheitsbehörden, vor allem den Geheimdiensten, dürfte die Planung und Mobilisierung zum 11.1. aber eigentlich nicht entgangen sein. Ankündigungen, Verabredungen und Unterhaltungen gab es in den internen Chats, den privaten und halböffentlichen Kommunikationsforen der Szene ausreichend. Das ist ein Resultat unserer Recherche zum 11.1.2016, die wir ab Seite 14 präsentieren. Schon vorher, nämlich in den Tagen vom 7. bis 12. Januar dieses Jahres, veröffentlichten wir die Resultate auf Twitter – unsere Tweets dazu wurden insgesamt fast 900.000 Mal gelesen.

Für Aufsehen sorgte auch ein anderer Beitrag in diesem Heft, den wir vorab online veröffentlichten: Lars Tunçays Bericht über die internen Probleme der Sächsischen Kulturstiftung. Dort ist vor allem der Direktor umstritten. Nach unserem Beitrag berichteten auch andere Medien – und, so heißt es aus Dresden, der sächsische Ministerpräsident fühlte sich offenbar bemüßigt, dem Stiftungsdirektor eine Beendigung seines Engagements in Jahresfrist anzuempfehlen.

So viel Politik! Auch im kreuzer gab es Wahlen, allerdings ging es hier nur um das tollste kreuzer-Titelblatt des Jahres 2017. Gewonnen hat die pixelige Leipzig-Grafik aus dem Dezember, auf Platz 2 landete ein tanzender Polizist – und Platz 3 teilten sich die beiden Dudes vom Lindenauer Markt.

Eine gute Lektüre wünscht

Andreas Raabe

chefredaktion@kreuzer-leipzig.de

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