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Leipziger Filmfestspiele

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Die Spiele haben begonnen: Seit Donnerstag läuft sie, die 68. Berlinale. Für Leipzig ist das in diesem Jahr dreifach interessant. Mit »In den Gängen« ist in diesem Jahr ein in Leipzig produzierter, gedrehter und geschriebener Stoff im Internationalen Wettbewerb zu sehen. Mehr zu Thomas Stubers Adaption einer Kurzgeschichte von Clemens Meyer erzählt er im großen Interview im aktuellen kreuzer. Bärenkonkurrenz kommt von »3 Tage in Quiberon« über das legendäre Interview von Romy Schneider 1981, der von den Leipziger Produktionsstätten Departures Film und Rohfilm produziert wurde. Außerdem ist der ungarische »Touch me not« im Wettbewerb zu sehen, den Rohfilm Productions koproduzierte. Wer das Rennen macht, erfahren wir am 24.2.

Film der Woche: Die stumme Elisa arbeitet als Putzkraft in einem streng geheimen Laboratorium. Dort wird eines Tages eine seltsame Meereskreatur eingeliefert, die gefährlich zu sein scheint. Elisa geht heimlich aber völlig vorurteilsfrei auf den Kiemenmann zu und entdeckt dabei, dass er nicht nur intelligent ist, sondern auch Gefühle empfinden kann. Die politische Situation in Zeiten des Kalten Krieges spitzt sich immer weiter zu, weswegen Elisa bald einen Weg finden muss, um die Kreatur aus den Fängen der skrupellosen Wissenschaftler und Militärs zu retten. Guillermo del Toro hat in fantastischen nostalgischen Settings eine vergangene Ära wieder zum Leben erweckt, um sie auf ebenso altmodische Weise als Hintergrund für eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zu nutzen. Außenseiter stehen bei ihm dabei in mehrfacher Hinsicht im Mittelpunkt der Ereignisse, neben dem schrägen Liebespaar sind das auch noch Octavia Spencer als nicht auf den Mund gefallene dunkelhäutige Kollegin und Richard Jenkins als missverstandener bester Freund. Für all diese Figuren schlägt das Herz des Filmemachers, der sich selbst als Seelenverwandten dieser Eigenbrötler versteht und sie deswegen auf die charmanteste Weise zu Helden seiner märchenhaften Monstergeschichte macht. Ausführliche Kritik von Frank Brenner im aktuellen kreuzer.

»Shape of Water – Das Flüstern des Wassers«: ab 15.2., Passage Kinos

Alles beginnt normal: Luna ist ein typischer Teenager. Sie hängt Abends mit ihren Freundinnen ab und kommt mal wieder weit nach der abgesprochenen Uhrzeit nach Hause. Ihr Vater erwartet sie schon, die Standpauke ist vorprogrammiert, schließlich will die Familie am nächsten Tag frühzeitig in die Ferien aufbrechen. Doch als sie in dem entlegenen Haus am See ankommen, trifft kurz darauf eine Gruppe russischer Gangster ein und erschießt Lunas Mutter und die kleine Schwester und schließlich auch ihren Vater. Luna kann entkommen, landet jedoch im Kofferraum eines Fremden, der sich als Freund ihres Vaters vorstellt. Auf der Flucht vor den Killern erfährt das Mädchen, wer ihr Vater wirklich war. Die wahre Geschichte, nach der ein russisches Ehepaar jahrelang von der eigenen Tochter unerkannt als Spione in Deutschland lebte, bläst der afghanischstämmige Regisseur Khaled Kaissar zu einem düsteren Reißer auf. Sein Regiedebüt gibt sich radikal und schonungslos, verfällt aber zunehmend in bekannte Genremuster. Natürlich steckt hinter all dem eine Verschwörung, die bis in höchste Geheimdienstkreise der BRD reicht. Der von Lisa Vicari (gerade in der Netflix Serie »Dark« zu sehen) überzeugend verkörperte Wandel vom unschuldigen Teenager zur Einzelkämpferin täuscht nicht über die Schwächen des generischen Drehbuchs hinweg.

»Luna«: ab 15.2., Cineplex, UCI

Flimmerzeit_Jahresende_2017

 

Weitere Filmtermine der Woche

chai. China Filmfestival
Zum fünften Mal bringt das »chai. China Filmfestival« chinesische Produktionen und Filme, die sich mit dem Land auseinandersetzen, nach Leipzig. Mit dabei ist auch der Berlinale-Wettbewerbsfilm »Have a nice day«, eine irrwitzige, handanimierte Gangstergeschichte. Im Chinabrenner gibt es außerdem eine Sondervorführung mit Trinkzwang.
»chai. China Filmfestival«: 14.–17.2., Cinémathèque in der Nato

Shorts Attack: Sex und Wahnsinn
In 10 Kurzfilmen werden Bildklassiker aus den Museen wiederbelebt, Klischees der Anmache getestet, Beziehungen hinterfragt und auch Unterdrückungmechanismen thematisiert. Mal findet der Sex neue Wege, mal ist die Lust schnell erreichbar. Mal sind Drogen mit im Spiel, doch meist zeigt sich, dass unbändige Sehnsucht und wilde Leidenschaft das große Kino des Lebens sind. – Kurzfilmabend
Cineplex: 16.02., 20 Uhr, UT Connewitz: 22.02., 20 Uhr

Arielle – Die Meerjungfrau
Der Disney-Klassiker über die Meerjungfrau Arielle und ihre Unterwasser-Freunde verzaubert auch heute noch die ganze Familie.
R: John Musker, Ron Clements, USA 1989, Anim, 82 min
18.2., UCI Kinowelt Nova Eventis / Saale Park 15 Uhr
CineStar Leipzig 14:00

Eis – Lyod
Die ehrgeizige und talentierte Eiskunstläuferin Nadeschda steht kurz vor dem Höhepunkt ihrer Karriere, als sie eine schwere Verletzung aus der Bahn wirft. Doch anstatt aufzugeben kämpft sich sich in die Welt des Sports zurück. – Russisches Kino
R: Oleg Trofim; D: Aglaya Tarasova, Alexander Petrov, R 2017, OF, 113 min
Cineplex: 18.02.,17:30 Uhr
CineStar 18.02., 17 Uhr
Regina Palast 18.02., 17 Uhr

Königin von Niendorf
(D 2017)
Die kleine Lea aus Brandenburg verbringt ihre Sommerferien ohne ihre Freundinnen, die sie sowieso immer seltsamer findet, zuhause auf dem Land, wo sie mit dem Fahrrad herumfährt und eine Freundschaft zu einem Aussteiger, dem Musiker Mark aufbaut. Eines Tages beobachtet sie eine Gruppe Buben dabei, wie sie im Dorf Schabernack anrichten. Die Zehnjährige ist von der Bande und ihren gemeinsamen Streifzügen und Projekten fasziniert und hofft, sich ihnen anschließen zu können. Doch bei der Jungstruppe sind Mädchen eigentlich nicht erlaubt. So muss Lea erst eine Reihe Mutproben bestehen, um die Halbstarken von sich zu überzeugen. Bald zeigt sich, dass sie den Buben in Sachen Schneid in nichts nachsteht. – Am 18. Februar in Anwesenheit der Regisseurin Joya Thome und der Hauptdarstellerin Lisa Moell.
R: Joya Thome; D: Lisa Moell, Denny Sonnenschein, Salim Fazzani, D 2017, 67 min
Passage Kinos: 18.02., 15 Uhr

Krieg und Frieden (Teil 1 + 2)
(UdSSR 1966; 35 mm) – Schauwert-Sonntag
Die ersten beiden Teile der vierteiligen Tolstoi-Verfilmung aus der UdSSR.
R: Sergei Bondartschuk; D: Sergei Bondartschuk, Ljudmila Saweljewa, UdSSR 1966
Luru-Kino in der Spinnerei: 18.02., 11:30 Uhr

Deckname Jenny
Jennys Bande will nicht mehr zuschauen: Flüchtlinge an den Zäunen Europas, eingesperrt in Lagern. Doch als Jennys Vater deren militante Ambitionen zufällig herausfindet, muss er sich seiner eigenen Vergangenheit stellen. Der Deckname Jenny und dessen klare Zuordnung verschwimmt plötzlich umso mehr, je gefährlicher es für alle Beteiligten wird. – Am 1./2. und 19./20.2. mit anschließendem Filmgespräch mit Regisseurin Samira Fansa
R: Samira Fansa; D: Sarah Graf, Ulf Peter Schmidt, David Schellenberg, D 2017, 108 min
UT Connewitz: 19., 20.2., 20 Uhr

Die Toten der Paulinerkirche
Im Mai 1968 wurde die Leipziger Universitätskirche St. Pauli trotz vieler Proteste und Unmut in der Bevölkerung gesprengt. Der Film zeichnet die Ereignisse nach und versucht das Rätsel um die Toten der Paulinerkirche zu lösen.
R: Detlef Urban, D 2008, Dok, 43 min
Paulinum der Universität Leipzig 20.2., 18 Uhr

Skwos Sljosy / Lachen durch Tränen
Die erbärmlichen Bedingungen der im ghettoisierten Schtetl lebenden Juden während des Zarenregimes. Der Stummfilm lässt die Kritik am »Alten« in Form einer Farce, einer sozial engagierten, tragikomischen Satire ablaufen, die viel Wert auf die Schilderung des alltäglichen Lebens und seiner Durchdringung von kulturellen und religiösen Phänomenen des Jüdischen legt. – Ballet Mécanique #19, UdSSR-Spezial
R: Grigori Gritscher-Tscherikower, UdSSR 1928
Luru-Kino in der Spinnerei: 21.02., 20 Uhr

Call me by your name
(F/I/USA/BRA 2017) – Preview, anschl. »Queer Beer« im Pivo
Der Roman »Ruf mich bei deinem Namen« von André Aciman erzählt vom Erwachsenwerden und dem sexuellen Erwachen des 17-jährigen Elio in einem heißen italienischen Sommer in den achtziger Jahren. Regisseur Luca Guadagnino und Autor James Ivory machten daraus eine der berührendsten Liebesgeschichten der letzten Jahre, die bei uns am 1. März startet. Die Kinobar und die Passage Kinos präsentieren Ende Februar Previews.
R: Luca Guadagnino, D: Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg, F/I/USA/BRA 2017
Kinobar Prager Frühling: 23.02., 20:30 Uhr

Der Junge mit dem Fahrrad
Der 11-jährige kaum zu bändigende Cyril hat nur eine Idee im Kopf: Er möchte seinen Vater Guy wiederfinden, der ihn vorübergehend in einem Kinderheim untergebracht und keine Telefonnummer hinterlassen hat. Als er sogar aus dem Heim ausbricht, um den Kontakt zu seinem Vater wieder herzustellen, lernt er durch Zufall Samantha kennen, die einen Friseursalon unterhält und ihn an den Wochenenden bei sich zuhause aufnimmt. Cyril erkennt aber noch nicht, dass Samantha genau die Liebe für ihn empfindet, die er bräuchte, um seinen Zorn zu besänftigen, zeigt sich wenig dankbar und ist von seinem ursprünglichen Plan auch nicht abzubringen. Berührende Tragikomödie der Brüder Dardenne (»Zwei Tage, eine Nacht«).
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne; D: Cécile de France, Thomas Doret, Jérémie Renier, B/F 2011, 87 min
Lindenauer Kirchencafé 23.02., 19:30 Uhr

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