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Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Das Luru empfängt einen Meister des deutschen Films: Am Freitag und Samstag ist Regisseur Rudolf Thome zu Gast. Unter seinen 28 Spielfilmen sind einige der stärksten deutschen Werke der Filmgeschichte zu finden. Über einen Zeitraum von 50 Jahren variierte er immer wieder ähnliche Konstellationen, Themen und Orte und dabei entstand fast beiläufig etwas Neues. Ein wenig erinnert er dabei an den Großmeister des japanischen Films Ozu, den Thome sehr schätzt. Es sei auf die Werkschau von Lukas Foerster auf critic.de verwiesen: »Noch einmal – oder, aus der Perspektive einer jüngeren Generation: zum ersten Mal – die Thome-Filme, alle Thome-Filme zu sehen, das ist heute umso richtiger und umso schöner. Schließlich gibt es im deutschen Kino kaum ein anderes Werk, das ähnlich umfangreich wäre, und erst recht kaum einen anderen ähnlich persönlichen, dichten Werkzusammenhang.« Im Luru gibt es zwei Spielfilme Thomes zu sehen mit anschließendem Filmgespräch und den Dokumentarfilm »Überall Blumen« über sein Werk sowie Godards »Die Geschichte der Nana S.«, der seine Arbeit maßgeblich prägte.

»Rudolf Thome im Luru«: 9./10.3., Luru Kino in der Spinnerei, www.luru-kino.de

Film der Woche: Molly Bloom ist eine tragische Figur – das teilt sie mit ihrer Namensschwester in James Joyce‘ »Ulysses«. Einst war sie eine aufstrebende Skiläuferin, doch ein Unfall beendete ihre Karriere. Um ihr Jurastudium zu finanzieren, leitete sie illegale Pokerrunden in L.A., bei denen sich Neureiche und Celebrities tummelten und mit Dollars um sich schmissen. Die Geschichte der selbstbewussten Geschäftsfrau ist irre und in dieser Form nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten denkbar. In ihren Memoiren schrieb sie die Einzelheiten nieder, verheimlichte jedoch einen Großteil der Namen. Hier setzt Sorkins Film an, erzählt ihre »Karriere« in Rückblenden und schildert schließlich den Druck, den die Behörden auf sie ausübten, und den anschließenden Prozess, mit dem sich der letzte Akt der Story befasst. Wie gewohnt liefern die Figuren clevere Dialoge in schwindelerregendem Tempo. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Molly’s Game«: ab 8.3, Cinestar, Cineplex, Regina Plast

Lucky ist ein 90-jähriger Eigenbrötler, Atheist und Freigeist. Er lebt in einem verschlafenen Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und verbringt seine Tage mit bewährten Ritualen – Yoga und Eiskaffee am Morgen, philosophische Gespräche bei Bloody Mary am Abend. Bis er sich nach einem kleinen Unfall seiner Vergänglichkeit bewusst wird. Zeit, dem Leben noch einmal auf den Zahn zu fühlen. Wundervoller Abgang von Schauspiellegende Harry Dean Stanton, der sich hier 91-jährig ein schauspielerisches Denkmal setzt. Herrlich kauzige Figuren auch in den Nebenrollen, wo David Lynch über seine Schildkröte Roosevelt philosophieren darf.

»Lucky«. ab 8.3., Passage

 

Weitere Filmtermine der Woche

Câinele japonez – Der japanische Hund
Costache Moldu, ein alter Mann, verliert nach einem Hochwasser seine Frau, sein Haus und sein ganzes Hab und Gut. Da taucht unerwartet sein Sohn Ticu aus Japan auf, zum ersten Mal nach 20 Jahren. – Romanian Film Days, mit Vorfilm
9.3., 21 Uhr, UT Connewitz

Die Affäre Tanase
1982 standen sich der frisch gewählte französische Präsident François Mitterrand und der rumänische Diktator Nicolae Ceauçescu in einer Spionageaffäre gegenüber, die aus einem Kriminalroman hätte stammen können – einem Konflikt hinter den Kulissen zwischen den Geheimdiensten der beiden Staaten, der DST und der Securitate, mitten im Kalten Krieg.
9.3., 19 Uhr, UT Connewitz

Bronnt Industries Kapital vertonen »Arsenal«
Das britische Ensemble Bronnt Industries Kapital um Guy Bartell vertont den russischen Stummfilm »Arsenal«, der sich mit dem Bürgerkrieg in der Ukraine 1918 auseinandersetzt.
R: Alexander Dovzhenko, D: Semyon Svashenko, Nikolai Nademsky, Amvrosy Buchma, UdSSR 1929, 92 min
10.3., 21 Uhr, UT Connewitz

In this World: Postcards from Ukraine
Ein Querschnitt der neuen Generation in der Ukraine, von den Separatisten-Lagern in Lugansk bis zu den Blockposten in Mariupol und Krim, von den reichen Gütern in Charkhiv bis zum Maidan-Platz in Kiew. – Filme immigrierter Regisseure, anschl. Publikumsgespräch mit dem Regisseur
10.3., 18 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Mafia Women
Die verdeckte Ermittlerin Bela versucht die Mafiagruppe Mokotow zu infiltrieren und muss dafür das Vertrauen des Mafiabosses Padrino und seiner Tochter Fur gewinnen. Alles wird kompliziert, als Bela auf Padrinos eifersüchtige Ehefrau und die geheimnisvolle Nanny trifft – und schon bald haben die Frauen in der Unterwelt von Warschau das Sagen. – Polnisches Kino
10.3., 17 Uhr, Cineplex (OmU)

Als wir träumten
Andreas Dresens gelungene Adaption des Nachwende-Leipzig-Romans von Clemens Meyer. – Best of Schauburg
11.3., 20 Uhr, Schauburg

Kauf mich
Katya ist eine fleißige Studentin und hat gute Chancen auf eine akademische Karriere, träumt aber von einem Leben als Model. Sie bewirbt sich bei einer Agentur und geht nach Dubai, um dort an einer Modeshow teilzunehmen. Dort muss sie feststellen, dass sie stattdessen an einen Zwangsprostitutionsring geraten ist und den örtlichen Scheichs als Escort-Dame dienen soll. Nach einer Weile gelingt ihr gemeinsam mit ihrer Leidensgenossin Liza die Flucht zurück nach Moskau, wo Katya zu Liza und deren Mitbewohnerin Galya in eine kleine Wohnung zieht. Die beiden Frauen geben sich hemmungslosem Konsumrausch hin und verdienen ihr Geld, indem sie mit reichen Männern ausgehen. – Russisches Kino in OV
11.3., 17 Uhr, CineStar, 17.30 Uhr, Cineplex, 19 Uhr, Regina Palast

Morgen
Ein Supermarkt-Wachmann in einer Kleinstadt an der rumänisch-ungarischen Grenze trifft auf einen türkischen Mann, der versucht, die Grenze illegal zu passieren. – Romanian Film Days
12.3., 19 Uhr, UT Connewitz (OmU)

Felicia, Înainte de toate – Felicia über alles
Felicias Abreisetag nach dem jährlichen zweiwöchigen Besuch bei ihren Eltern in Bukarest ist wie immer sehr hektisch und sie verpasst ihren Flug. Beim verlängerten Aufenthalt offenbaren sich die Probleme, mit denen sie seit 19 Jahren zu kämpfen hat. – Romanian Film Days
12.3., 21 Uhr, UT Connewitz (OmU)

Quod Erat Demonstrandum
Rumänien, 1984. Die Entscheidung eines Mathematikers, einen Beitrag in einer amerikanischen Universitätspublikation zu veröffentlichen, ohne die Genehmigung der kommunistischen Obrigkeit einzuholen, löst eine Kette von Ereignissen aus, die das Leben der Menschen in seinem Umfeld verändern wird. Preisgekrönter Independentfilm. – Romanian Film Days
13.3., 20 Uhr, UT Connewitz (OmU)

Glasauge
Die russische Avantgardistin Lilja Brik, die der radikalen Linken Kunstfront (LEF) angehörte und von Pablo Neruda einmal als »Muse der Russischen Avantgarde« bezeichnet wurde, kreierte 1929 diesen Hybrid aus Experimental- und Dokumentarfilm, eine halbdokumentarische Parodie auf das »bourgeoise Kino«. – Ballet Mécanique
14.3., 20 Uhr, Luru Kino in der Spinnerei

Der Hauptmann
Krasse Geschichte um einen Fahnenflüchtigen am Ende des Zweiten Weltkriegs, der in die Rolle eines Hauptmanns schlüpft und seine sadistische Ader entdeckt. Mit starken Darstellern und kraftvollen Bildern inszeniert, hallt die Kriegsgeschichte lange nach. Premiere in Anwesenheit von Regisseur Robert Schwentke, Hauptdarsteller Max Hubacher und Produzent Frieder Schlaich
14.3., 20 Uhr, Passage Kinos

Kiki
Junge Queers of Colour finden sich in New York City in der KIKI-Szene zusammen. Beim Entwickeln und Proben von vielschichtigen Performances und Moves finden sie Freundschaften und die Möglichkeit, eigene Identitäten und Einzigartigkeit zu entwickeln. – anschl. Gespräch mit SchwarzRund, Aktivistin, VJ und Autorin, Frauenkampftag
14.3., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der Nato

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