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Spätbau

Leipzigs Schulen stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, nun will die Stadt investieren

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Es ist nicht gerade eine Neuigkeit, dass in Leipzig viele Kinder zur Welt kommen. 6.589 Einjährige lebten Mitte 2017 in der Stadt. Leipzig wächst mit seinen Kindern. Zu den jahrelang steigenden Geburtenzahlen in der Messestadt kommen die Zugezogenen. Absehbar war das schon vor ein paar Jahren. Immer neue Rekorde meldeten die Statistiker. Und klar war damit auch: Eine entsprechende Infrastruktur muss her.

Gemeint sind vor allem Kitas und Schulen. Bei den Krippen stand Leipzig ab 2013 wegen der gesetzlichen Garantie auf einen Betreuungsplatz sowieso unter Zugzwang. Also begann das große Bauen, auch bei den Kindergärten gab es Bewegung. Inzwischen hat sich die Situation verbessert, auch wenn sie weiterhin sehr angespannt ist.

Doch nun kommt die nächste Aufgabe auf die Stadt zu. Die Schulen sind bereits richtig voll, doch die Zahl der Schüler und Klassen an Leipziger Bildungseinrichtungen steigt immer weiter. Zur Einschulung im vergangenen Herbst wurden bereits 18.115 Grundschüler gezählt, für 2020 prognostiziert die Stadt noch einmal gut 2.000 Grundschüler zusätzlich.

Die große Frage ist: Wo sollen die Kinder und Jugendlichen alle unterrichtet werden? Denn ähnlich sieht es auch bei Oberschulen und Gymnasien aus. Dort setzt die Welle bloß mit ein paar Jahren Verzögerung ein. 

»An den Schulen ist der Babyboom längst angekommen«, sagt Petra Elias vom Stadtelternrat. »Die Schulen werden immer voller.« Zwar erwarte sie im laufenden Jahr erste Erleichterungen durch Investitionen in Gebäude, aber: »die nächsten Jahre werden immer auf Kante genäht sein«.

Das hat auch die Stadt erkannt. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) kündigte deshalb jüngst große Investitionen an: 130 Millionen Euro will die Kommune im laufenden Jahr in Schulen und Kitas stecken, das ist immerhin mit Abstand der größte Investitionsposten. Das Geld wird in den Bau und die Sanierung der Gebäude gesteckt. Doch Jung sagt auch: »Bis 2030 brauchen wir 80 neue Schulen.« Zwei von ihnen sollen immerhin im laufenden Kalenderjahr fertig werden. In den kommenden zehn Jahren sollen jeweils 100 bis 150 Millionen Euro für Bildungseinrichtungen ausgegeben werden. Vom Baubeschluss bis zum ersten Unterricht an einer neuen Schule vergehen in der Regel fünf Jahre.

Im Mittelpunkt steht dabei der Ausbau bestehender Einrichtungen. Zudem sollen vorhandene Schulen erweitert und alte, die nicht mehr genutzt wurden, reaktiviert werden. Den Bau neuer Schulen nennt Jung trotz großen Bedarfs eine »Ultima Ratio«.

»Verdichtung statt Neubau ist das Motto der Stadt«, sagt denn auch Petra Elias vom Stadtelternrat. Es werde ganz klar auf Schulerweiterungen gesetzt. Sie sieht allerdings das Risiko, dass die Bildungseinrichtungen zu groß werden. »Übersichtliche Schulen sind besser«, dort könne auch Integration leichter gelingen. »Wenn die Schulen vollgestopft sind, muss außerdem die Infrastruktur stimmen«, mahnt Elias. Damit meint sie etwa Toiletten, Essensräume oder Lehrerzimmer. Zudem sind viele Leipziger Schulen stark sanierungsbedürftig.

In den Nullerjahren waren die Schülerzahlen noch eingebrochen, Bildungseinrichtungen wurden deshalb teilweise nicht mehr genutzt. Im Jahr 2005 gab es in der Stadt nur knapp 11.000 Grundschüler, also rund die Hälfte der für 2020 prognostizierten. Doch die Kehrtwende deutete sich an. »Man muss nur logisch mitdenken«, sagt Johannes Gosch, Vorsitzender des Stadtschülerrates. Es sei immer zu spät gehandelt worden, die aktuelle Generation von Schülern müsse das nun ausbaden. Gosch wirft den Verantwortlichen »Fehler bei der Schulplanung« vor. Nun werde es dauern, bis alles ausgebaut ist. Zudem seien die wenigen Turnhallen und die teilweise sehr alte technische Ausstattung an den Schulen problematisch.

Laut Amt für Jugend, Familie und Bildung liegt die durchschnittliche Kapazitätsauslastung derzeit bei 91 Prozent an den Grundschulen, ähnlich sieht es an den Oberschulen (95 Prozent) und den Gymnasien (92 Prozent) aus. Trotzdem sieht man dort noch Spielraum, steigende Schülerzahlen sollen unter anderem durch eine »stärkere Auslastung der Kapazitäten an vorhandenen Schulen« abgefangen werden. Dem widerspricht Petra Elias, die Auslastung liege in allen Schulen bei über 100 Prozent. Fraglich ist dabei jeweils, wie Auslastung und Kapazität berechnet werden.

Zu den vollen Schulen kommt der Lehrermangel. Dem will Sachsen nun mit Verbeamtungen entgegenwirken, wie das Kultusministerium kürzlich bekannt gab. Allerdings plant man in Dresden auch, Lehrermangel durch Kürzungen im Sport- und Kunstunterricht sowie bei der zweiten Fremdsprache auszugleichen.

Doch zumindest das Raumproblem liegt bei der Stadt, die für die Gebäude zuständig ist. Petra Elias vom Stadtelternrat ist froh, dass nun investiert wird. Doch sie sagt auch, dass eine seriöse Zukunftsplanung für die Stadt schwierig ist. Denn noch sei unklar, ob nach dem Boom nicht wieder ein Einbruch der Schülerzahlen komme.

Dieser Text stammt aus dem kreuzer, Heft 04/2018. Um ein kreuzer-Abo abzuschließen, klicken Sie bitte hier: https://kreuzer-leipzig.de/abo

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