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Gegen die Gentrifizierung – aber wie?

Beim Recht-auf-Stadt-Forum wurden Wege gegen Verdrängung und hohe Mieten diskutiert

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Am Wochenende traf sich die stadtpolitische Bewegung zum Recht-auf-Stadt-Forum im Leipziger Osten. Vorher hatten tausend Menschen gegen Mietsteigerung und Entmietung demonstriert.

Maria Kantak war bisher keine Aktivistin. Jetzt aber wehrt sie sich gegen ihre geplante Entmietung. Sie berichtet am Freitagnachmittag den 1.000 Teilnehmern der Demonstration »Leipzig für Alle« über die Versuche ihres Vermieters, sie und ihre Familie zum Auszug zu bewegen, um lukrativere Ferienwohnungen errichten zu können: »Wir wurden heimgesucht von der Baustelle Gentrifizierung.« Zusammen mit anderen Betroffenen organisiert Kantak die Demonstration und fordert, dass Wohnen keine Ware, sondern ein Menschenrecht sein sollte. Der Protestzug endet am Rabet im Leipziger Osten. In den Stadtteilen dort können die Menschen noch günstig wohnen, aber Entmietungen und Spekulationskäufe häufen sich. Stella Faudert vom Leipziger Netzwerk »Stadt für Alle« erklärt, dass sich der Leipziger Osten in den vergangenen Jahren stark verändert hat. »Es gibt eigentlich keinen Leerstand mehr, der Mietmarkt interessiert sich sehr für diesen Stadtteil und die Mieten werden für die Menschen hier zunehmend unerschwinglich.« Für die Organisatoren des vierten Forums der Recht-auf-Stadt-Bewegung wichtige Gründe, die Veranstaltung an verschiedenen Orten des Viertels zu organisieren.

Gentrifizierung muss niemandem mehr erklärt werden

Auf dem winzigen Hof des Ostpassagentheaters sucht das Leipziger Orga-Team unter Schirmen Schutz vor der Sonne. Weitere Menschen sitzen auf dem Bordstein und versorgen sich mit Eis aus dem nahegelegenen Supermarkt. Zum diesjährigen Forum treffen sich 200 Aktivisten aus verschiedenen deutschen Städten. Es geht um Weiterbildung, Erfahrungsaustausch und Vernetzung. »Wir sind offen für Besucher, aber tatsächlich spricht das Forum vor allem stadtpolitisch Erfahrene an. Das Wort Gentrifizierung müssen wir hier niemandem mehr erklären«, erläutert Faudert. Sie freut sich vor allem auf den Austausch: »Ich finde es wichtig, dass wir voneinander lernen können, beispielsweise wie Pressearbeit organisiert werden kann oder wie eine gelungene Mietberatung aussieht.« Auch gehe es darum, weitere stadtpolitische Themen wie selbstverwaltete Infrastruktur auf die Agenda zu setzen. Der einende Themenkomplex bleibt jedoch Aufwertung und Verdrängung in seinen verschiedenen Facetten.

Diese Dauerbrenner bestimmen auch den kritischen Stadtrundgang durch den Leipziger Osten. Vor einem Eckhaus am Ende der Neustädter Straße begrüßen Hausbewohner die Besucher und berichten von Entmietungsversuchen durch den neuen Besitzer. Sanierungsmaßnahmen mit anschließender Mietsteigerung würden angekündigt sowie Mietverträge nicht vergeben werden.

Kein Grund zu resignieren

Der Rundgang endet auf einer Brache an der Eisenbahnstraße. Die Grünfläche hat sich seit ein paar Jahren als Treffpunkt von Anwohnern etabliert. Eine Tischtennisplatte wurde aufgestellt, eine Sandkiste gebaut, Müll wird entsorgt. Vor Kurzem jedoch wurde dieses gut 1.000 Quadratmeter große Grundstück für knapp eine Million Euro versteigert. »Bei dem Kaufpreis lohnt sich nur noch der Bau teurer Eigentumswohnungen«, sagt einer der Aktivisten. Der Verkauf sei aber kein Grund zu resignieren. Der Ort bleibe weiterhin ein Platz der politischen Auseinandersetzung mit drängenden stadtpolitischen Themen. Oder wie Maria Kantak am Ende ihrer Rede formulierte: »Die Frage ist nicht ob, sondern wie wir uns der Gentrifizierung entgegenstellen.

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