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Drinnen und draußen

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Das kurze sommerliche Intermezzo war die willkommene Gelegenheit für die Leipziger Kinos, die Klappstühle und Rollleinwände wieder nach draußen zu verlegen. Nach dem schlechtesten Besucherschnitt seit mehr als zwanzig Jahren geht das Kino eben raus, wenn die Leute nicht reinkommen wollen. Klappt garantiert, wie die vollen Sitzreihen am vergangenen Wochenende zeigten. Nun gibt es also wieder Draußen-Kino bei jedem Wetter im Sommerkino auf der Feinkost und bei sommerlichen Temperaturen auch am Luru auf der Spinnerei. Einen Einblick in die Programmhighlights geben wir im neuen kreuzer, der ab Samstag überall zu haben ist. Im aktuellen Heft findet ihr außerdem ein Interview mit der Leipziger Produzentin Frauke Kolbmüller, deren wundervolle Beziehungskomödie »Maybe, Baby!« am Donnerstag Premiere in Anwesenheit der Regisseurin Julia Becker und der Produzentin in der Schauburg feierte.

Film der Woche: Joe ist ein Getriebener. Seine dunkle Vergangenheit trieb ihn erst durch die Hölle seiner gewalttätigen Kindheit, dann durch irgendeinen Krieg und lässt ihn auch in der Gegenwart nicht los. Heute beseitigt der Ex-FBI-Agent als brutaler Auftragskiller zwielichtige Gestalten für schattenhafte Figuren. Als er ein minderjähriges Mädchen aus einem Pädophilenring befreien soll, wird der Auftrag persönlich. Die Flashbacks in seine schmerzhafte Vergangenheit nehmen überhand. »A Beautiful Day« trägt – trotz des deutschen Verleihtitels – nur wenig Schönheit in sich. Der Hard-Boiled-Rachethriller für das Arthouse-Publikum bietet einen tiefen Blick in menschliche Abgründe. Unter der abstoßenden Schale steckt ein zärtlicher Kern, zu dem es sich lohnt, vorzudringen. Vielfach wurde Lynne Ramseys Film mit Martin Scorseses Meisterwerk »Taxi Driver« verglichen. Parallelen zu De Niros Soziopath sind vorhanden, »A Beautiful Day« ist aber mehr Genrefilm als Großstadtballade. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»A Beautiful Day«: ab 26.4., Regina Palast

Gigantische Raumschiffe bewegen sich durch das All. Fast wähnt man sich in einem neuen Film der Star Wars-Saga. Die vertrauten Gesichter von Thor, Loki und »Hulk« Bruce Banner machen aber gleich klar, dass wir uns im Marvel-Universum befinden. Doch die Helden liegen in Ketten. Die Zeiten sind nicht gerade gut für Superhelden, denn der übermächtige Thanos ist von seinem Thron herabgestiegen, um die Welt zu beherrschen. Nicht alle werden diese Auftaktsequenz von »Avengers: Infinity War« unbeschadet überstehen – so viel sei verraten. Die Regie-Brüder Anthony und Joe Russo, die es schon in den »Captain America«-Filmen vermochten, die abgehobenen Superhelden zurück auf den Boden zu befördern, reißen ihren Figuren und den Zuschauern gleich zu Beginn den Boden unter den Füßen weg. Fortan ist alles möglich in den folgenden zweieinhalb Stunden Laufzeit. Wie seine beiden Vorgänger führt der offiziell dritte Film der »Avengers« einen Großteil der Superhelden zusammen, die zuvor in ihren eigenen Filmen im Mittelpunkt standen. Es gibt ein Aufeinandertreffen der egozentrischen Iron Man und Doctor Strange, deren Schlagabtausch zu den unterhaltsamen Highlights des Films zählen, und ein Wiedersehen zwischen Black Widow und dem Hulk, dem Superheldenpaar der ersten beiden Teile. Der Kanon ist aber Teamwork: Nur gemeinsam wird es den Einzelgängern gelingen, den scheinbar unüberwindbaren Gegner zu bezwingen. Das ist eine recht simple, aber effektvoll inszenierte Botschaft. Der lilafarbene Hühne Thanos, der einst New York in Schutt und Asche legte und von den Avengers nur mit Mühe zurückgeschlagen werden konnte, ist auf der Jagd nach den sechs Infinity-Steinen, die ihm Macht über Leben und Tod verleihen können. Mit ihnen will er seine Vorstellung von einem Gleichgewicht in das Universum bringen. Ihm gegenüber steht nahezu das komplette Personal der Avengers, mit Ausnahme von Ant-Man und Hawkeye. Neu im Team sind auch die »Guardians of the Galaxy«, die wie schon in ihren eigenen Filmen auch hier für den nötigen Humor sorgen, und der afrikanische Superheld Black Panther, in dessen Heimat Wakanda der fulminante Showdown stattfindet. »Avengers: Infinity War« ist voll und ganz Spektakel: mitreißend, actionreich und überlebensgroß. Die Tricktechnik setzt Maßstäbe: Der Bösewicht kommt aus dem Computer und fügt sich dennoch nahtlos in die Riege der bekannten Figuren ein. Die Schauplätze verteilen sich durch das gesamte Marvel-Universum und bieten viel Abwechslung. Immer wieder wird das Team getrennt und die Handlung springt von einem dramatischen Moment zum nächsten. Auch hier hat man eindrucksvoll vom »Krieg der Sterne« gelernt. Für die angeschlagenen Kinos dürfte der potenzielle Kassenschlager die erhoffte Erleichterung bedeuten. »Avengers: Infinity War« eröffnet fulminant den Blockbuster-Sommer.

»Avengers: Infinity War«: ab 26.4., Regina Palast, Cinestar, Cineplex

Die Handlung setzt in der Steinzeit ein, als ein Meteor den Höhlenmenschen die Idee zum Fußballspielen eingibt. Einige Generationen später werden Dug (in der deutschen Fassung gesprochen von Friedrich Mücke) und sein Stamm von Menschen des Bronzezeitalters aus ihrem geliebten Tal verdrängt. Ein gegeneinander ausgefochtenes Fußballmatch soll darüber entscheiden, ob die Steinzeitmenschen ihr Tal zurückbekommen oder für den Rest ihres Lebens für die Bronzemenschen in der Mine schuften müssen. Im Vergleich zu anderen Aardman-Filmen ist »Early Man« leider etwas formelhaft geraten. Auch das Sujet des Fußballs ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Trotzdem bietet auch der siebte abendfüllende Film der Animationsschmiede wieder kurzweilige und vergnügliche Unterhaltung, die die ganze Familie begeistern kann. Denn wie nicht anders zu erwarten, wurde auch hier wieder viel Liebe und Witz in die Details gesteckt. Da gibt es es nicht nur unzählige Anspielungen auf die Welt des Fußballs, außerdem sorgen etliche tierische Nebenfiguren für spaßige Einlagen. Und auch die liebevolle Handarbeit ist spürbar, was dem Film Seele und Charme verleiht. Ausführliche Kritik von Frank Brenner im aktuellen kreuzer.

»Early Man – Steinzeit bereit«: ab 26.4., Passage Kinos, Regina Palast, Cinestar, Cineplex, Schauburg

Maria ist Mitte dreißig. Ihre Beziehung zu Sascha ist eingeschlafen. Mittlerweile haben sie nur noch an ihren fruchtbaren Tagen Sex, aber Maria weiß nicht, ob der allgegenwärtige Kinderwahn in ihrem Freundeskreis überhaupt etwas für sie ist. Bis sie sich sicher ist, geht sie halt mit Lukas fremd. Der stellt weder Fragen noch Anforderungen. Als Sascha mal wieder zu einem Geschäftstermin verreist, nutzt Maria die Gelegenheit, um mit ihrem Lover in die Tiroler Alpen abzuhauen. Doch in der familiären Ferienwohnung wartet eine Überraschung auf sie. Der Beginn einer quirligen Independent-Komödie abseits der Stangenware. Julia Becker gibt mit »Maybe, Baby!« ihr Regiedebüt und hat den Stoff nach eigenem Drehbuch inszeniert und auch gleich die Hauptrolle übernommen. Herausgekommen ist eine rundum gelungene, erfrischende deutsche Komödie. Interview und ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Maybe, Baby!«: ab 26.4., Schauburg, Premiere in Anwesenheit des Filmteams am 26.4., 20 Uhr, Schauburg

Die Schicksale zumeist afrikanischer Frauen und Männer, die aus ihren krisengeschüttelten Herkunftsländern ins verheißungsvolle Europa flüchten wollen, und die irritierenden Verflechtungen von Asyl-, Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik waren in den vergangenen Jahren schon mehrfach Gegenstand aufwühlender Dokumentationen. Von Gianfranco Rosis Berlinale-Gewinner »Seefeuer« über Lisei Caspers’ »Gestrandet« bis hin zu Ai Weiweis »Human Flow«. Markus Imhoof, der zuletzt 2012 mit dem vielbeachteten Bienenfilm »More Than Honey« von sich reden machte, hat sich des komplexen Themengemenges nun auf ungewöhnlich persönliche Weise angenommen. Die einzelnen Doku-Segmente unterbricht Imhoof immer wieder mit unaufdringlichen Erzählpassagen, in denen das traurige Schicksal der kleinen Giovanna aktuelle Entwicklungen spiegelt. Dabei ist sein Film niemals belehrend, stattdessen überlässt er es dem Verstand und den Herzen der Zuschauer, die inhaltlichen Verknüpfungen zwischen damals und heute herzustellen. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Eldorado«: ab 26.4., Passage Kino

 

Weitere Filmtermine der Woche

Fetisch Karl Marx

Marx als Pop-Ikone auf einem T-Shirt, »Das Kapital« als UNESCO-Weltkulturerbe: Vergangenheit und wirkungslos? Können wir mithilfe von Marx die Welt erkennen, gar verändern? Der Film untersucht anlässlich des 200. Geburtstags von Marx dessen heutige Relevanz. – Arte-Filmpremiere 
26.4., 18 Uhr, Haus des Buches

Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus
Die Geschichte der Kunst- und Architekturschule Bauhaus und die Einflüsse der Schule auf die heutige Architektur und Raumplanung. – Premiere in Anwesenheit von Regisseur Niels Bolbrinker
26.4., 18.30 Uhr, Passage Kinos

Citizen Animal
Tatjana, Oliver und ihre vierjährige Tochter Bonnie reisen durch Europa, um für die Rechte von Tieren zu kämpfen. – Zum Filmstart am 27. April anschließendes Filmgespräch mit Oliver Kyr und Pfarrer Dr. Ulrich Seidel in der Kinobar Prager Frühling.

27.4., 17 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Farewell Halong
Duc Ngo Ngoc setzte sich bereits in dem charmanten Kurzfilm »Obst und Gemüse« mit seinen vietnamesischen Wurzeln auseinander. Für seinen ersten Langfilm reiste der ehemalige Student der Weimarer Bauhaus-Uni zurück in die Heimat und begleitete eine Familie von den schwimmenden Dörfern ans Festland. Die Zwangsumsiedlung hinterlässt Spuren, die der 29-Jährige behutsam einfängt. Am 27.4. ist er im Cineding zu Gast.
27.4., 19.30 Uhr, Cineding

Slemani – Inside Iraqi Kurdistan

Die kurdische Stadt Slemani ist das kulturelle Zentrum der kurdischen Gesellschaft im Nordirak. Die Bewohner der Stadt erzählen von ihrer Wahrnehmung der vergangenen und gegenwärtigen Situation. – vorab Kurzfilm
27./28.4., 22 Uhr, Cineding (OmeU)

Hellraiser
Pinhead kehrt zurück: Der Horror-Klassiker aus dem Jahr 1987 in bester Qualität – und in der erst kürzlich freigegebenen ungeschnittenen Fassung!
27.4., 22.45 Uhr, Cineplex, Cinestar

Shorts Attack: Familienkoller
Die liebe Familie: Es gilt, Mütter zu bewältigen und Kindheitserinnerungen, die Eltern erscheinen schon mal als Monster, oder, wenn es um Sohnemanns große Liebe geht, als ziemlich kompliziert. 8 Filme in 90 Minuten.
27.4., 21 Uhr, UT Connewitz

Anstoß auf 4.000 Metern – Fußball in den Anden
Das Frauen-Fußballteam von Churubamba, einem kleinen Dorf in den Anden, auf dem Weg zur Andenmeisterschaft. – Kick it like a feminista, anschl. Queerparty

28.4., 20.30 Uhr, Frauenkultur

Karmazovi – The Karamazovs 

Eine tschechische Theatergruppe will in Polen das Dostojewski-Stück »Die Brüder Karamasow« aufführen. Doch bei der Probenarbeit treten neben den Schicksalen der Figuren immer deutlicher die der Akteure hervor. – mit Einführung von Jun.-Prof. Anna Artwinska (Universität Leipzig) im Rahmen des 8. Arbeitstreffens der Lektoren des Tschechischen als Fremdsprache

28.4., 20 Uhr, Polnisches Institut (OmeU)

Danton 

Früher deutscher Tonfilm über den Kampf des französischen Revolutionärs Danton und seines Gegenspielers Robespierre. – Fragment Festival Büchner
29.4., 18 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Detektiv Conan – The Crimson Love Letter
Detektiv Conan kann gerade noch verhindern, dass sein Kollege Heiji Hattori und dessen Freundin Kazuha Toyama, die er schon seit Kindheitstagen kennt, einem Anschlag zum Opfer fallen. Offenbar wurde der Fernsehsender Nichiuri TV, bei dem die beiden gerade Gast waren, von Terroristen als Ziel ausgewählt, darauf deuten jedenfalls einige Indizien hin. Unklar ist hingegen die Motivation des Täters, der den Anschlag auch nicht im Vorfeld angekündigt hatte. Da taucht plötzlich eine Frau namens Momiji Ooka auf, die behauptet, schon seit frühester Kindheit mit Heiji verlobt zu sein. Schnell stellen der und Conan jedoch fest, dass Momiji kurz vor dem Attentat am Tatort gesichtet wurde. Kann es sein, dass sie etwas damit zu tun hatte? Und können Conan und Heiji den Fall rechtzeitig aufklären?

29.4., 12 Uhr, Cinestar

Russisches Kino: »Trener – Coach«
(R 2018; OF) 
Russisches Kino im Original ohne Untertitel, am 29. April mit »Trener – Coach « (R 2018; OF) im Cineplex: Yuriy Stoleshnikov ist der größte russische Fußballstar, er wird von allen bewundert und schwimmt im Geld. Doch dann verschießt er in einem wichtigen Spiel den entscheidenden Elfmeter und steht plötzlich ganz alleine da.

29.4.,17.30 Uhr, Cineplex (OF)

Zoomania 

Witzige, turbulente und sehr clevere Fabel über eine geordnete Gesellschaft der Tiere, in der alle in friedlicher Koexistenz leben, bis einige Tiere plötzlich wild werden. Ein Fuchs und eine Häsin tun sich zusammen, um den Fall zu lösen. – Kinderkino
29.4., 11 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Taxi Teheran
Der iranische Regisseur Jafar Panahi wurde in seiner Heimat mit einem Arbeitsverbot für die nächsten 20 Jahre belegt und dreht trotzdem weiter. »Taxi Teheran« ist ein überraschend heiteres Werk, eine Taxifahrt durch Teheran mit allerlei illustren Gästen. Der halbdokumentarische Film erhielt auf der Berlinale 2015 den Goldenen Bären. – Am 30. April zeigt das ConActionCafé, ein Begegnungsort für Menschen mit und ohne Fluchtbiografie im Schauspielhaus, den preisgekrönten Film bei freiem Eintritt.
30.4., 19 Uhr, Schauspielhaus/Garderobenfoyer

Wege zum Ruhm
Anhand einer Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg macht Stanley Kubrick auf nahezu unerreichte Weise den ganzen Wahnsinn des Krieges spürbar. Ein zeitloses Meisterwerk. – Fragment Festival Büchner
30.4., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmU)

Wild 

Auf dem Weg zur Arbeit hat Ania eine seltsame Begegnung. Mitten im Park steht sie einem Wolf gegenüber. Sie sehen sich direkt in die Augen – und etwas passiert zwischen ihnen. Kurzentschlossen nimmt Ania den Wolf mit in ihre Plattenbauwohnung. Preisgekrönte, ungewöhnliche Begegnung zweier Einzelgänger. – Based on Büchner – Fragment Festival Büchner
1.5., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Zer
Die Suche nach dem Ursprung eines Liedes, das seine Großmutter vor ihrem Tod singt, führt Jan von New York in die kurdischen Dörfer der Region Dersim – und tief hinein in sein eigenes, unbekanntes Erbe. Dabei kommen traurige und lange verborgene Wahrheiten ans Licht. – im Rahmen der Vortragsreihe »Türkei, Dersim, Völkermord – Von 1923 zu 1938 zu heute. Kontinuität der Unterdrückung« an der Uni Leipzig
30.4., 20 Uhr, Cineding

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