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Editorial 05/2018

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Mai-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

Also, ich hatte auch mal meinen ganz speziellen Karl-Marx-Moment, an dem einem klar wird, wie bedeutend dieser bärtige Typ doch ist, der in meiner Kindheit natürlich allgegenwärtig war – aber eben nur als bärtiger Typ auf irgendwelchen Bildern.

Ich war, noch bevor ich nach Leipzig kam, Fotograf bei der Dorfzeitung in Güstrow. Als ich dann beschloss, wegzuziehen und die nächsten Jahre als armer Student zu fristen, wollte ich noch eine letzte Tour mit meinem Auto machen, weil ich es dann ja verkaufen musste. Also setzte ich mich in meinen weißen Polo und fuhr nach Italien. Eigentlich wollte ich bis Sizilien fahren, kam aber nur bis Florenz. Na ja, auf jeden Fall machte ich den Fehler, auch nach Pisa zu fahren, um mir diesen Turm anzugucken. Pisa ist aber eine sehr hässliche Stadt. Darum fuhr ich schnell davon und bestieg den höchsten Berg der Toskana, der an der Strecke zwischen Florenz und Pisa liegt.

Als ich da so den Waldweg entlangschlenderte, bemerkte ich, dass überall am Wegesrand offenbar frisch verschossene Schrotpatronenhülsen lagen. Ich hörte zwar keine Schüsse, bekam aber trotzdem Angst: Irgendeiner ballert hier wild im Wald rum. Vorsichtig ging ich weiter. Da kam mir ein Mann entgegen, wildes Haar, langer Bart, dreckige und zerschlissene Kleidung. Und ein langes Schrotgewehr in der Hand. Der Mann rief nach mir. Mir rutschte das Herz in die Hose. Er kam näher, mir sehr nahe und redete auf mich ein. Ich verstand kein Wort, bemerkte aber, dass er irgendeinen Sprachfehler haben musste oder stotterte, auf jeden Fall irgendwie verrückt war und ein Gewehr hatte (außerdem kaum Zähne).

Jedenfalls gehörte er zu den Menschen, die es nicht verstehen, was es bedeutet, wenn man die Sprache des anderen nicht versteht. Dass man dann nämlich wirklich nichts versteht, egal wie laut und langsam der andere einem was erzählt. Schließlich fing ich an, ihm nur noch auf Deutsch zu antworten, statt immer wieder »Non capisco«, »Non parlo italiano« zu stammeln. Dann fiel bei ihm der Groschen und er rief laut: »Ahhh, tedesco! Carlo Marxo! Hahaha! Carlo Marxo!! Carlo Marxo!!!« Dabei schlug er mir kräftig auf die Schulter, lachte laut, deutete auf seinen Bart und ich wusste, dass ich an diesem Tag nicht erschossen werden würde. Karl Marx hatte mich gerettet.

Aber Sie wollten ja lesen, was in diesem Heft steht und wo es sich besonders lohnt, reinzuschauen. Überall! Ja, da gucken Sie, nicht wahr?

Schließlich gibt es so einige Neuigkeiten zu verkünden: Leider verlässt uns Politikredakteurin Sarah Ulrich, die schon im letzten Heft und in diesem von Kinder- und Familienredakteur Lucas Grothe vertreten wurde. Ebenjenem Lucas Grothe übrigens, der selbst gerade erst als kreuzer-Redakteur begonnen hat. Grothe hat einen Journalistik-Master nebst Volontariat in Leipzig absolviert. Außerdem neu an Bord ist Sandra Schubert, die in der Bildredaktion die Fäden zieht und ihre Kompetenzen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst erworben hat.

Ich wünsche der stets schlau analysierenden Frau Ulrich nur das Allerbeste für ihre weiteren Wege in der spannenden Welt des Journalismus. Herrn Grothe und Frau Schubert: Tüchtig Mast- und Schotbruch sowie immer einen Bierflaschendurchmesser Wasser unterm Kiel! Anker auf und äußerste Kraft voraus! Und im nächsten Heft gibt es wieder neue Neuigkeiten, die sich in diesem schon andeuten.

Bleiben Sie gespannt!

ANDREAS RAABE

PS: Schauen Sie mal rein in des Kollegen Prüwers neuestes Werk »Welt aus Mauern«, in dem es um alle Arten von Mauern geht, auch jene in den Köpfen, und über das die überregionalen, gar internationalen Großkritiker uneins sind: Ist es Kulturgeschichte oder politische Streitschrift? Ich weiß es auch nicht!

Tobias Prüwer: Welt aus Mauern. Berlin: Wagenbach 2018. 152 S., 12,90 €

Eine kurze Vorschau des aktuellen Heftes gibt es hier http://www.kreuzer-leipzig.de/epaper_uploads/kreuzer_05-2018/

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