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Im Wandel

Die Direktorin des Grassi Museum für Völkerkunde zieht gen Köln

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Nach nur dreieinhalb Jahren in Leipzig wechselt Nanette Jacomijn Snoep auf den Direktorenposten im Rautenstrauch-Joest Museum Köln. Dabei sind die neugestalteten Dauerausstellungen, ihr großes Leipziger Projekt, noch nicht einmal eröffnet.

Snoep trat Anfang 2015 in Leipzig unter dem Stichwort »Museum im Wandel« an. Damit sollte das Völkerkundemuseum »auf Diskurse reagieren, Raum für kritische Auseinandersetzungen schaffen.« Die von ihr bevorzugten Kooperationspartner – Kunsthochschulen, Universitäten, Künstler und Musiker, »die sich mit den Sammlungen und Dauerausstellungen auseinandersetzen«, trafen den Nerv der Zeit – und das, was so allgemein unter »postkolonialer Perspektive« verstanden wird. Bereits in ihren Museumsstationen zuvor stellte Snoep eher nach künstlerischen denn nach ethnologischen Kategorien aus. Diese Herangehensweise brach mit den hier bekannten Regeln und führte zu einigen Konflikten im Haus.

So sind beispielsweise die von ihr geplanten postkolonial aufgearbeiteten Dauerausstellungen immer noch nicht zu sehen. Daher verwundert ihr schneller Abgang Richtung Köln. In einem Beitrag auf Facebook schrieb Snoep am Mittwochabend: »Bis zu meinem Abschied haben wir in den kommenden 6 Monaten aber noch einiges vor.«

Bei näherer Betrachtung fiel vor allem bei den Projekten mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst auf, dass es zwar durchaus neue Sichtweisen auf Sammlungen von Kunstschaffenden geben kann, aber eben auch die wissenschaftliche Analyse keine zu unterschätzende Rolle in der Museumsarbeit einnehmen sollte. Zu viel Gebastel und Erstauntes standen den Fakten und einer institutionskritischen Sichtweise gegenüber.

Snoep schaffte es durch diese Arbeitsweise allerdings, dass binnen weniger Monate das Publikum zu den Eröffnungen deutlich jünger und anders wirkte als zuvor.

Die Niederländerin kam vor dreieinhalb Jahren aus Paris zum Leipziger Grassi Museum für Völkerkunde, das zusammen mit dem Dresdner Museum für Völkerkunde sowie dem Völkerkundemuseum in Herrnhut als Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen zu den Staatlichen Kunstsammlungen gehört. Deren Generaldirektorin Marion Ackermann gab am Dienstag zu Protokoll, dass »eine äußerst kreative und für die Themen unserer Zeit sensible Kollegin« die Sammlung verlässt. Ackermann hob besonders hervor, dass im Oktober 2017 menschliche Gebeine aus dem Dresdner Museum an Vertreter des Ursprungslandes Hawaii zurückgegeben wurden.

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