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»Grenzen sind generell überbewertet«

The Cat Empire über Metalkids auf Reggaekonzerten und die Schattenseiten Australiens

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Bläser und Offbeats klingen bei strahlender Sonne durch den Arthur-Bretschneider-Park. Sommer in Leipzig und The Cat Empire liefern am Mittwochabend auf der Parkbühne Geyserhaus den passenden Soundtrack. Also alles in bester Harmonie, oder? Jamshid Khadiwhala, alias DJ Jump, über die Relevanz und Irrelevanz musikalischer und realer Grenzen und warum das Bild vom sonnigen Australien hinkt, auch wenn es perfekt zum Sound von The Cat Empire zu passen scheint.

kreuzer: Leipzig ist für euch ja vertrautes Terrain. Was ist das Besondere hier?

JAMSHID KHADIWHALA: Konzerte in Deutschland sind für uns immer etwas besonderes und zugleich ein wenig verstörend. Die Leute drehen hier bei Konzerten völlig ab. Ich habe es noch nirgendwo anders erlebt, dass Menschen zu unserer Musik moshen und pogen. Anscheinend verirren sich hier gerne mal Metalkids auf unsere Konzerte, um zu feiern. So ganz kann ich auch nicht erklären, was da passiert, aber es ist toll, weil du von der Bühne aus richtig spüren kannst, was für ein Gemeinschaftsgefühl im Publikum herrscht.

kreuzer: Musikalische Genre scheinen also bei euch irrelevant zu sein. Wenn man Beschreibungen eurer Musik liest, ist da zwischen Jazz, Ska, Reggae, Funk, Latin bis hin zu Hip-Hop, Klezmer und Rock so ziemlich alles dabei. Geht es euch darum, bewusst die üblichen Grenzen hinter euch zu lassen?

KHADIWHALA: Es geht uns weniger darum, Grenzen einzureißen. Wir wollen verschiedene Aspekte von dem, was uns gefällt in einem positiv aufgeladenen Gesamtkontext präsentieren. Wir versuchen da nichts zu forcieren. Aber Grenzen sind generell überbewertet. Wir machen einfach das, worauf wir Bock haben. Das ist ein ganz natürlicher Prozess.

kreuzer: Jetzt seid ihr seit Jahren regelmäßig in Europa unterwegs, wo Grenzen und Abschottung immer mehr in den Fokus rücken. Wie ist das für euch als tourende Band? Bekommt ihr davon überhaupt etwas mit?

KHADIWHALA: Die aktuellen Entwicklungen überall auf der Welt sind uns natürlich bewusst, auch wenn man auf Tour relativ abgeschottet lebt und wir oft nur zwischen Bus und Venue pendeln. Ich denke auch nicht, dass die Menschen, die wir auf unseren Konzerten treffen einen positiven Blick auf diese Entwicklung haben oder gar Teil davon sind. Wir sind zwar keine politische Band im klassischen Sinne, aber jeder von uns hat einen klaren Standpunkt und daraus entsteht der Rahmen, in dem wir unsere Musik präsentieren. Das betrifft uns auch zuhause. Ich persönlich bin ja ebenfalls vor Jahren nach Australien eingewandert, auch wenn ich glücklicherweise nicht vor Krieg und Leid fliehen musste. Dementsprechend schockiert bin ich, wenn ich jetzt mit ansehen muss, wie die Regierung mit Geflüchteten umgeht.

kreuzer: Du meinst die großen Sammelzentren im Pazifik? Aktuell fordern ja auch einige Politiker in Europa, sich in diesem Punkt an Australien zu orientieren.

KHADIWHALA: Ja, es ist beschämend, dass es solche Lager gibt. Menschen aufgrund ihrer Herkunft als Bedrohung zu sehen ist für mich absolut unverständlich. Es ist ja auch das genaue Gegenteil dieses Bilds eines weltoffenen, lebensfrohen Australiens, das die meisten Menschen haben. Aber das trifft auf so viele Orte auf der Welt zu.

kreuzer: Aber ist dieses Bild von Australien als entspanntes Paradies nicht genau das, was ihr mit eurer Musik verbreitet?

KHADIWHALA: Das stimmt schon, auch wenn das gar nicht unsere Intention ist. Wir wollen definitiv kein falsches Bild von Australien mit unserer Musik vermitteln. Aber auch wenn wir nicht einfach den Soundtrack für deinen nächsten Surfurlaub liefern wollen, haben wir es nicht in der Hand, wie es bei den Hörern ankommt. Ich kann jetzt natürlich nur für die Musik sprechen, weil ich die Texte nicht schreibe. Und da wird vermutlich jeder für sich seine eigene Interpretation ziehen. Wir spielen auf dieser Tour auch bereits ein paar neue Songs vom kommenden Album und sind wirklich gespannt, wie die beim Publikum ankommen. Auch da wird wohl jeder etwas anderes wahrnehmen. Ich bin gespannt darauf.

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