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Torgau’s Calling

Zeit wird’s fürs In-Flammen und so. Inklusive Mockau-Metal

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Werben muss man fürs In-Flammen-Open-Air nicht wirklich, oder? Wer da hingehört, hat davon schon gehört. Für alle anderen ist das Festival sicherlich eh Perlen vor die Säue. Ich sag nur Napalm Death, Cannibal Corpse, Impaled Nazarene … Musikalisch wird es sehr fett werden, stimmungstechnisch sowieso. Wir werden an dieser Stelle berichten.

Eines sei aber noch lobend erwähnt: Zeit werden endlich auf dem In Flammen zu sehen sein. Sie wissen schon, diese drei Herren in Turnschuhen, Kapuzi und den einen oder anderen Rummelsnuff-Aufnäher. Diese Nebelmaschinen verliebten Typen mit ihrer seltsam prächtigen Mischung aus Black, Sludge, Doom und weiß der Geier. Dass sie in kleinen Gemäuern den Putz wegkärchern, haben sie schon lange bewiesen. Neulich im UT Connewitz überraschten sie auch die Fans, die eigentlich wegen Illdisposed gekommen waren. Es war verblüffend, wie das brave Trio die Leute mit Ungewöhnlichem bei der Stange hielt. Es wurde sogar getanzt. Seit Kurzem kann die Band übrigens als Komplett-Leipziger durchgehen. Man munkelt sogar, dass Drummer Win von Chemnitz in die direkte Nachbarschaft von Fur und Flakmann gezogen ist. So sind Zeit also Kiezplayer und spielen Mockau-Metal. Schade, dass Soko Leipzig abgesetzt ist, mit den Jungs hätte man eine tolle Folge namens »Die Kinder von Mockau-Post«.

Als ob sie diesen kleinen Seitenhieb geahnt haben, rächten sich Zeit schon im Vorfeld am Autor dieser Zeilen. Denn ihre jüngste Veröffentlichung ist so gar nicht nach meinem Geschmack. Da doomt es nur noch so vor sich hin, herrscht ein Mäandern in Endlosschleife. Die Lauscher sind aufs Möbiusband verfrachtet, das sich schwer dahinschleppt und schleppt, und schleppt. Die EP wird ihre Fans finden, aber das völlige Fehlen der sonst so feinen Zeit-Rezeptur – Tempowechsel, Brüche, fieses Krakele, mal ein Groove, Schlagzeugstakkato – ist meins nicht. Ich kann die beiden Titel ehrlich gestanden gar nicht auseinanderhalten. Vielleicht ist das auch nur ein Song, der gesplittet wurde. Immerhin konsequent heißen die Titel »Abgestandenere Gedanken« und »Stillerer Stand«, und noch folgerichtiger ist, dass sie acht und 14 Minuten lang sind. Mehr Trend zum Grindcore möchte man da anraten.

Um dem Text noch eine positive Wendung zu geben: Es ist nicht alles schlecht, was stinkt. Wussten Sie zum Beispiel, dass in Südostasien die Frucht Durian als Delikatesse gilt, obwohl ihr Geruch nicht der beste ist? Kenner lobpreisen das cremefarbene Fruchtfleisch, das in einer oval-olivfarbenen Riesen-Kastanie schlummert, als mannagleich und die Durian als Königin des tropischen Obstes. Weniger Begeisterte vergleichen ihren Geruch mit dem Gefühl, einer toten Oma einen Zungenkuss geben zu müssen. Wie eine überreife Biotonne oder faule Eier überwältige sie die Wahrnehmung. Und manche meinen, mehrfach getragene Wandersocken herausriechen zu können sowie den muffig-alten Schweiß, den vergessene Turnbeutel in den Fundbürolagern ausströmen – weshalb man die Durian auch »Stinkfrucht«, »Baumkäse« oder »Frucht der Extreme« nennt. Ihr ist sogar ein eigenes Festival gewidmet. Welche Musik dort gespielt wird, ist nicht überliefert. Die Durian würde also auch gut aufs Festival der Extreme passen. Leider ist sie in Europa nicht zu haben. Airlines verweigern den Transport. Menno.

In Flammen: 12.-14.7., Torgau, Entenfang

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