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Interaktionen im Hotel Seeblick

Nach der Wiedereröffnung ist in der Kneipe auf der Karli vieles beim Alten

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»Die Karte ist nicht ganz aktuell«, sagt die Kellnerin zur Begründung, warum sie keinen Lammburger servieren kann. Der lässt sich nun gar nicht mehr bestellen, auch wenn er in der Karte noch geführt wird – nach der Wiedereröffnung sei man noch nicht dazu gekommen, sie anzupassen. Die von Geschäftsführer Marc Walenta in der LVZ angekündigte Runderneuerung in allen Bereichen hat hier wohl noch nicht ganz gegriffen.

Ganz frisch sind dagegen die Blumensträußchen auf den Toiletten. Der Service scheint beim ersten Besuch bekannte Kontinuitäten fortzuführen: Außer uns gibt es noch einen anderen Tisch. Die zwei Kellnerinnen befassen sich jedoch eine ganze Weile mit sich und dem Besteck, bevor Gruß und Karte den Tisch erreichen. Ganz anders gestaltet sich das beim zweiten Besuch: Dasselbe Personal lässt niemanden mit trockener Kehle oder auf leeren Tellern sitzen, der Ton ist liebenswürdig bis heiter und niemals servil.

Als vor reichlich zehn Jahren die Trendwelle der Burger nach Leipzig schwappte, gehörte das Seeblick zu den Ersten mit pfiffigen Ideen zwischen zwei Brötchenhälften. Wie gehabt kommen die Burger wahlweise mit Pommes oder mit einem bunten Salat auf den Teller. Bill, The Goat – der Rindfleischburger mit Ziegenkäse, Bacon und Feigensenf – fällt üppig aus, ist aber nicht so übertrieben bestückt, dass man Gefahr liefe, beim Essen komplett seine Würde zu verlieren. Der Salat ist knackig, das Orangen-Lauch-Dressing gut abgeschmeckt. Zum Nachtisch gibt es Rhabarber-Erdbeer-Tarte mit luftigem Teig und reichhaltiger Füllung, die nicht zu süß und nicht zu sauer ausfällt.

Die Tafel vor dem Freisitz offeriert auch Apfel-Crumble mit Vanilleeis (vegan). Boulette mit Kartoffelpüree und Spiegelei ergänzt das Angebot an Herzhaftem, das neben den Burgern Klassiker wie Makkaroni mit Jadgwurstsauce, Shepherd’s Pie oder Käse-Kräuter-Spätzle umfasst. Die Namen der Frühstücksgedecke variieren sprachlich den Zutaten entsprechend – Colazione bedeutet Tomaten-Parmesan-Aufstrich, Sur La Mer französischen Käse, Sjøblikk hausgebeizten Lachs. Die erwähnten trockenen Kehlen können sich über eine wohlüberlegte Auswahl freuen, die von Pils und Weißbier über Hugo, Sekt, Weine aus Rheinhessen, Sizilien, Chile und dem Saale-Unstrut-Gebiet bis zu einer Vielzahl von Gins reicht. Die Spirituosen lassen sich sinnvoll zu Martinez, April Rain, Horse’s Neck oder El Presidente kombinieren. Es mag vorkommen, dass auch hier die Verheißungen der Karte mit den vorhandenen Getränken nicht überstimmen. Das erweitert die Interaktionsanreize mit der Kellnerin. Und das ist doch eigentlich ganz schön.

Hotel Seeblick, Karl-Liebknecht-Str. 125, 04275 Leipzig, Tel. 2 25 39 52, Mo–Fr ab 9, Sa/So ab 10 Uhr,
Frühstück Mo–Fr 9–16, Sa/So 10–16 Uhr; 3,20–7,50 €, Hauptspeisen 7,50–13,50 €

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