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Hinterfragen

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Seit 14 Jahren zeigt die Globale globalisierungskritische Filme in Leipzig und lädt zur Diskussion. »Wir wollen informieren und aufklären und Leute auch dazu motivieren, selbst aktiv zu werden«, sagt Mike Nagler, der das Festival leitet.

2003 fanden sich in Berlin eine Handvoll Studenten zusammen und riefen die »Globale« ins Leben. Unter den Initiatoren waren auch Leute aus Lateinamerika, die aus der Idee schließlich ein globales Festival machten, als sie wieder zurück nach Kolumbien oder Brasilien gingen und die Idee der Globale mitnahmen. Seitdem gibt es Festivals in Rio de Janeiro und Bogota, aber auch an vielen Orten in Deutschland, wo es oftmals auf vier fünf Tagen im Jahr konzentriert läuft. Leipzig ist fast von Anfang an dabei, berichtet Nagler. »Ins Leben gerufen wurde es hier von einer Gruppe aus dem Umfeld von Attac Leipzig und dem Eine Welt e.V. 2004.« Man verwarf die Idee eines konzentrierten Festivals zugunsten des ganzjährigen Programms. »Die Globale Leipzig läuft teilweise ein Vierteljahr oder ein halbes. Sie lief auch schon mal das ganze Jahr durch.« So gibt es neben den etwa 43 Filmabenden von August bis November auch immer wieder Globale-Veranstaltungen etwa in Zusammenarbeit mit der Uni Leipzig. Das Ziel ist die politische und ökonomische Bildung auf einer niedrigschwelligen Ebene. »Da geht es uns auch darum, Themen zu finden, die die Leute ansprechen, um darüber ins Gespräch zu kommen, auch darüber, was man machen kann. Wenn es lokal vor Ort Initiativen gibt, die sich damit beschäftigen, ist das umso besser. Wir verstehen uns da als Plattform, als Multiplikator.« Am Mittwoch beginnt die GlobaLE im Clara-Zetkin-Park auf der Wiese zwischen Musikpavillon und Sachsenbrückemit dem Film »System Error«. Einen ausführlichen Text zur Festivalgeschichte und -zukunft gibt es in der Juliausgabe des kreuzer.

»GlobaLE«: 1.8.–27.11., verschiedene Orte
Autakt: »System Error«: 1.8., 20 Uhr, Clara-Zetkin-Park
www.globale-leipzig.de

Film der Woche: Clara, eine alleinstehende schwarze Frau, lebt verarmt in São Paulo und braucht dringend einen Job. Den findet die streng wirkende, gelernte Krankenschwester bei der gut situierten Ana, die ein Kind erwartet und davon und von der Haushaltsführung völlig überfordert ist. Zwar kann die werdende Mutter offenbar auf eine größere Geldsumme zugreifen, seelische Unterstützung von ihrer reichen Familie vom Lande erhält sie aber nicht, wegen der ungeplanten Schwangerschaft wurde sie von ihr verstoßen. Ebenfalls abwesend ist der Erzeuger des Babys, wobei sich die Hintergründe dazu erst allmählich erschließen. Nachdem Ana Clara eingestellt und auch schon damit beauftragt hat, das Kind nach dessen Geburt zu betreuen, behandelt sie sie zunächst meist von oben herab. Trotzdem freunden sich die beiden Frauen, die aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen stammen, irgendwann miteinander an. Eines Nachts wird Clara jedoch Zeugin ungeheuerlicher Vorgänge. »Gute Manieren« ist einer jener Filme, auf die man sich idealerweise völlig unvorbelastet einlassen sollte, selbst wenn Trailer und Plakatmotiv das massiv erschweren. An dieser Stelle soll deshalb nicht mehr zur Handlung verraten werden, auf die Gefahr hin, dass engstirnige Cineasten zur Filmmitte hin womöglich das Kino verlassen könnten. Nur so viel: Wer hier ein Sozialdrama wittert, liegt einerseits goldrichtig, andererseits aber auch daneben. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Gute Manieren«: Luru-Kino in der Spinnerei, ab 26.7., Schaubühne Lindenfels, ab 2.8,. 2cl – Sommerkino auf Conne Island, 3., 7.8.

Das Marvel Cinematic Universe wächst um ein neues Abenteuer rund um den charmanten Scott Lang, der dank seines Anzugs die einzigartige Fähigkeit besitzt, gigantisch groß zu wachsen oder winzig klein zu schrumpfen. Unmittelbar nach den Ereignissen von »The First Avenger: Civil War« versucht Scott Lang (Paul Rudd) mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen als Superheld und Vater zurechtzukommen. Er bemüht sich, sein Privatleben mit seinen Aufgaben als Ant-Man zu vereinbaren, doch dann wird er von Hope van Dyne alias Wasp (Evangeline Lilly) und Dr. Hank Pym (Michael Douglas) mit einer dringenden neuen Mission beauftragt. Scott muss noch einmal in den Anzug schlüpfen und lernen, zusammen mit seiner genialen Mitstreiterin Wasp im Team zu kämpfen, um Geheimnisse aus der Vergangenheit aufzudecken.

»Ant-Man & the Wasp«: ab 26.7., CineStar, Cineplex, Regina Palast

Im Los Angeles der Zukunft kommt es zur Eskalation: Die Bürger der Stadt liefern sich mit der Polizei Straßenschlachten und inmitten des Chaos treiben die gefährlichsten Gangs der Stadt ihr Unwesen. Die Wunden ihrer blutigen Auseinandersetzungen lecken sie in L.A.s exklusivstem Members Club, dem »Hotel Artemis«. Doch selbstverständlich sind sich die Top-Kriminellen gegenseitig alles andere als grün: Sprengstoff für einen Showdown der Superlative und Plot für einen aberwitzigen Action-B-Movie mit Starbesetzung.

»Hotel Artemis«: ab 26.7., Cineplex, Regina Palast

Weitere Filmtermine der Woche

Auf der anderen Seite
Geschichte von sechs Menschen, deren Leben zwischen Deutschland und der Türkei auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden sind. Akins zweiter Film der Trilogie »Liebe, Tod und Teufel« die 2004 mit »Gegen die Wand« begann und 2014 mit »The Cut« beendet wurde. – Filme mit Freunden, im Garten, bei schlechtem Wetter im Pöge-Haus
27.7., 21 Uhr, Pöge-Haus

Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming
Eine nach Rache für ihren ermordeten Vater strebende Frau heuert einen Revolverhelden an, doch der ist ganz anders, als sie sich ihn vorgestellt hat. Western-Comedy-Romanze mit Jane Fonda.
27.7., 21.45 Uhr, Moritzbastei-Sommerkino

Napoleon Dynamite
Absurde Independent-Komödie um Highschool-Loser Napoleon, der sich mit seinem Bruder und seinem fiesen Onkel herumplagen muss und nebenbei einen neuen Kumpel zum Schulsprecher avancieren lassen möchte.
27.7., 21.30 Uhr, Open-Air-Kino in der Spinnerei

3 Chinesen mit dem Kontrabass
Paul findet nach durchfeierter Nacht die Leiche seiner Freundin in der gemeinsamen Wohnung. Sogar sein bester Freund Max glaubt, er habe sie im Rausch umgebracht. Dennoch greift er tatkräftig zu, um das corpus delicti verschwinden zu lassen – mit Knochensäge und Getreidemühle. Schöne schwarze Komödie.
28.7., 21.45 Uhr, Moritzbastei-Sommerkino

The Big Lebowski
Bowlingfanatiker Jeffrey Lebowski alias »Der Dude« wird mit einem Millionär gleichen Namens verwechselt. Als dessen Frau entführt wird, wird der Alt-Hippie in ein absurdes, hochkomisches Krimidrama hineingezogen, das zu den besten seiner Art gehört. Der Abend mit White Russian unterm Sternenhimmel über der Spinnerei gehört schon zum jährlichen Ritual. Auch diesmal gibts den Kultklassiker der Coen-Brüder in 35 mm im Luru open air.
28.7., 21.30 Uhr, Open-Air-Kino in der Spinnerei

Here we come – Breakdance in der DDR
Breakdance ist die Heimat der DDR B-Boys der 80er. Trotz Staatspolizei, Diktatur und Sozialismus gehen sie ihren eigenen Weg. Erst von allen verurteilt und ausgegrenzt, entwickelt sich Breakdance zu einer wichtigen Jugendkultur in der ehemaligen DDR. Der Film erzählt diese Geschichte und was bis heute davon überlebt hat.
29.7., 18 Uhr, Stadtgeschichtliches Museum/Neubau

Itzhak Perlmann – Ein Leben für die Musik
Dokumentation über den berühmten Geiger Itzhak Perlmann von dem behauptet wird er bete mit der Violine. – EinBlick
29.7., 13 Uhr, Passage Kinos

Seventy-Seven Days
Chinesisches Abenteuer-Drama über Yang, der sich entschließt die auf 5.000 Meter Höhe gelegene Qiangtang-Wüste in Tibet zu durchqueren, nachdem er von der im Rollstuhl sitzenden Lan Tian dazu ermutigt wurde. – Chinesisches Kino
29.7., 11 Uhr, 30.7., 17.30, 20 Uhr, Cineplex

Psycho
Alfred Hitchcocks Suspense-Klassiker nach dem Roman von Robert Bloch. Beklemmend inszenierter, stilbildender Psycho-Horror-Thriller in dem Anthony Perkins den Motel-Besitzer Norman Bates verkörpert, der mit einem Tranchiermesser im Auftrage von »Mutti« weibliche Gäste perforiert. Der berühmte Mord unter der Dusche gehört zu den am häufigsten kopierten und zitierten Szenen der Filmgeschichte. – mit Vorfilm
29.7., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island (OmU)

Wind River
Der Fährtenleser Cory ermittelt mit der FBI-Agentin Jane im Mordfall einer 18-jährigen. Düsteres Thrillerdrama in einem trostlosen Indianerreservat, dicht inszeniert und mit glänzend aufspielenden Darstellern.
29.7., 21.20 Uhr, Sommerkino im Scheibenholz (OmU)

Die Verlegerin
Steven Spielberg rekonstruiert die Ereignisse um die Enthüllungen des Vietnamkriegs, die zu Beginn der Siebziger der Washington Post zugespielt werden und einen Erdrutsch auslösen. Spannend inszenierter Politthriller der alten Schule.
29.7., 17 Uhr, Regina Palast (OmU)

Fairy Tail: Dragon Cry
Basierend auf dem Manga von Hiro Mashima reist Natsu Dragneel mit seinen Freunden auf das Inselkönigreich Stella, wo sie dunkle Geheimnisse aufdecken, neue Feinde treffen und wieder einmal die Welt retten. – Anime Special
31.7., 20 Uhr, Cineplex, Cinestar

Mommy
Regie-Genie Xavier Dolan erzählt in »Mommy« vom Heranwachsen eines schwer erziehbaren Jungen und der innigen Beziehung zu seiner Mutter, die der 15-Jährige mit seinen extremen Wut- und Gewaltausbrüchen in den Wahnsinn und in den Ruin treibt. Das auch fomal radikale Drama ist eine ätzende Abrechnung mit der Vorstadtidylle. Dafür gewann der damals 25-jährige Dolan den Jurypreis in Cannes.
31.7., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island (OmU)

Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem
Da er seine Mutter schon lange nicht mehr gesehen hat und seine Wäsche dringend gewaschen werden muss, kehrt der gefürchtete Doc Snyder nach langer Zeit in seine Heimatstadt zurück. Dummerweise verliert er bei einem Postkutschenüberfall den Wäschesack. Western-Komödie von und mit Helge Schneider.
31.7., 21.45 Uhr, Moritzbastei-Sommerkino

Wunder
Auggie ist humorvoll, schlau und liebenswert, hat eine tolle Familie und ist dennoch seit seiner Geburt ein Außenseiter. Denn er hat aufgrund eines Gendefektes ein stark entstelltes Gesicht, das es unmöglich erscheinen lässt, dass er auf eine reguläre Schule geht. Einfühlsame Adaption des gleichnamigen Romans von R. J. Palacio.
31.7., 21.20 Uhr, Sommerkino im Scheibenholz

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