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Stabil draufzahlen

Zehn Cent mehr für die Einzelfahrt, wie immer eben. Sind die jährlichen Preiserhöhungen des MDV ein Naturgesetz?

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Auf die Preisschraube am Ticketautomaten ist Verlass: Seit 1. August kostet die Einzelfahrt 2,70 Euro – ein Plus von 10 Cent, für die Vierfahrtenkarte sind es 40 Cent mehr. Seit Jahren steigen die Ticketpreise um genau dreieinhalb Prozent. Die Leipziger Verkehrsbetriebe bitten so Fahrgäste für Investitionen und steigende Betriebs- und Personalkosten zur Kasse. Ein notwendiges Übel?

Die Preiserhöhungen für Bus und Bahn sind mittlerweile Formsache: Im März treffen sich die Betriebe des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds, schlagen mit Blick auf ihre Haushalte eine Preissteigerung vor und schreiben im März und August eine Pressemitteilung dazu. Dreieinhalb Prozent mehr für das LVB-Ticket, der Investitionen und Betriebskosten wegen, lautet die Formel für Leipzig seit 2013.

Prozente aus dem Nirgendwo

Auf Nachfrage zur routinierten Preiserhöhung wird es kompliziert: die Leipziger Verkehrsbetriebe verweisen auf den Verkehrsverbund, der für die Preispolitik zuständig sei. Der MDV wiederum empfiehlt die Lektüre der Finanzplanung der Leipziger Kollegen. Die würden ja schließlich den jährlichen Mehrbedarf in der Versammlung der 19 Verkehrsbetriebe anmelden. Beide Presseabteilungen bieten immerhin eine Art Grundkurs in Sachen Zuständigkeiten an – Man wisse, dass der öffentliche Nahverkehr kein Gewinnerthema sei.

»Die Ticketpreise sind eine wichtige Finanzierungssäule und die einzige flexibele.«
Marc Backhaus, Pressesprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe

Gestiegene Energie- und Benzinpreise, »kundenwirksame« Investitionen und Personalkosten werden also seit Jahren vom Fahrgast mitbezahlt. Genauso lange glühen Anfang August die Kommentarspalten, regelmäßig wird im Stadtrat zum Thema gestritten. Backhaus‘ Faustregel zur Finanzierung der LVB klammert nämlich die Politik aus. Die Fraktion Bündnis ’90/Die Grünen und auch die Linkspartei erklären die Preissteigerungen mit der Kürzung von Zuschüssen 2009.

Man muss nur wollen

Der Stadtrat bewies 2009, wie flexibel die Finanzierung der Leipziger Verkehrsbetriebe ist: Damals wurden die Zuschüsse schrittweise von 52 auf 45 Millionen Euro im Jahr 2012 gekürzt. Seither müssen die LVB auf sieben Millionen Euro jährlich verzichten, bei steigenden Fahrgastzahlen, Investitionen und Betriebskosten. Heiko Oswald, beteiligungspolitischer Sprecher der SPD im Stadtrat, begründet das auf Nachfrage mit Millionenverlusten der Leipziger Wasserwerke in den Jahren vor 2009. Die hatten bei windigen Finanzwetten 400 Millionen Euro verzockt, auch zu Lasten der LVB. Denn die Wasserwerke zahlten eben jene gekürzten 52 Millionen Euro, die jährlich an die Verkehrsbetriebe fließen.

»Wir wollen an den Vertrag, der den Bedarf der LVB regelt, und die Zuschüsse auf 50 Millionen Euro erhöhen. Die jährliche Preiserhöhung ist nur ein Symptom dafür, dass die LVB mehr Geld braucht. Die Erhöhung nur zu begrenzen, stößt bei uns natürlich auf wenig Begeisterung.«
Franziska Riekewald, verkehrspolitische Sprecherin der Leipziger Linkspartei

Riekewald meint den aktuellen Vorschlag der Sozialdemokraten: Der Oberbürgermeister soll die zuständigen Gremien anweisen, keine Haushaltsplanung der LVB zu genehmigen, die mehr als zwei Prozent Preissteigerung vorsieht. Für die nötigen Investitionen sollen Zuschüsse von sechs Millionen seitens der Stadt sorgen. Im September könnte der Stadtrat darüber beschließen. 

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