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Rechte Kampfsportler auf dem Unigelände

Das Imperium Fight Team trainiert auf dem Sportcampus – zum Missfallen von StuRa und Unileitung

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Rechte Kampfsportler nutzen anscheinend den Leipziger Sportcampus als Trainingsgelände. Nachdem der Studierendenrat in einem offenen Brief ein Hausverbot für die Gruppe gefordert hatte, zeigt diese dort demonstrativ erneut Präsenz.

Es ist eine düstere Vorstellung, die der Studierendenrat der Universität Leipzig erweckt: Ein »rechter Kampfsportverein, dessen Mitglieder sich offen in rechtsradikalen Hooligan Gruppen bewegen«, soll an der Universität anscheinend einen »Freifahrtschein« besitzen. Diese Annahme leitet der StuRa aus einem am 7. Mai veröffentlichten Instagram-Post des Imperium Fight Teams ab, das Sportler der Gruppe auf dem Sportcampus der Universität in der Jahnallee zeigt. Die Bildunterschrift weist auf ein vorangegangenes »Sprinttraining« hin. »Danke an die Uni für die Möglichkeit«, kommentierte zudem der auf dem Foto abgebildete Christopher »Joker« Henze und legt den Eindruck nahe, die Nutzung sei mit der Universitätsleitung abgestimmt.

Auch wenn der Kommentar des Kampfsportlers anderes suggeriert, betont der Pressesprecher der Universität Leipzig, Carsten Heckmann, dass es »keine Anfrage oder Genehmigung« für die Nutzung der Sportanlage gab und die mutmaßliche Nutzung der Laufbahn durch das Imperium Fight Team der Universität missfalle. »Auch wenn das Gelände offen zugänglich ist, heißt es nicht, dass man dort einfach trainieren darf«, führt er aus.

Inwiefern nun mit klaren Konsequenzen zu rechen ist, sei nach aktuellem Sachstand noch nicht abzusehen, jedoch stellt Heckmann unmissverständlich fest: »Wir sind dran!« Innerhalb der Universitätsleitung seien bereits Gespräche anberaumt worden, auch die Kanzlerin der Universität Leipzig, Birgit Dräger, habe sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt. Dabei ist das Imperium Fight Team der Universitätsleitung keineswegs unbekannt. »Mit dieser Gruppierung haben wir ja bereits Erfahrungen«, merkt Heckmann an und verweist auf Ereignisse im Jahr 2015. Damals sollte die zweite Ausgabe der »Imperium Fighting Championship« in der Ernst-Grube-Halle auf dem Sportcampus stattfinden. Nachdem öffentlich wurde, an wen die Universität ihre Räume vermietet hatte, wurde der Vertrag seitens der Universität gekündigt. Die »Imperium Fighting Championship« musste sich einen anderen Austragungsort suchen.

Aus dem damaligen Wirbel scheint die Universität Leipzig gelernt zu haben. »Hätten wir einen entsprechenden Nutzungsantrag erhalten, wäre dieser abgelehnt worden«, da man kein Interesse daran habe, dass das Gelände von Menschen genutzt wird, die nicht für die von der Universität Leipzig vertretenen Werte stehen, stellt Pressesprecher Heckmann fest. Dass dies bei den Mitgliedern des Imperium Fight Teams eindeutig der Fall ist, scheint unstrittig. Fanforscher Robert Claus führt Imperium als Paradebeispiel für Kampfsport als rechte Erlebniskultur an, mehrere Kämpfer des Teams werden sich demnächst als mutmaßliche Täter des Angriffs auf Connewitz am 11. Januar 2016 vor Gericht verantworten müssen. »Die Verstrickungen des Vereins und seiner Mitglieder in der rechten Szene sind zahllos«, stellt dementsprechend auch der StuRa in seinem offenen Brief fest. Er fordert die Kanzlerin der Universität auf, ein Hausverbot für die Gruppe auszusprechen, die mit ihrem öffentlichen Posting offen zur Schau stelle, mit welcher Sicherheit davon ausgegangen werde, »keine Konsequenzen tragen zu müssen«.

Diesen Eindruck zwischen Sorglosigkeit und bewusster Provokation hat das Imperium Fight Team nun noch einmal unterstrichen. Fünf Tage nach Veröffentlichung des offenen Briefs hat das Kampfsportteam nachgelegt und ein weiteres Bild gepostet, das die Mitglieder auf der blauen Laufbahn zeigt; in nahezu einheitlicher Teamkleidung klar als Gruppe erkennbar und auffallend gut gelaunt. Erste Beschlüsse seitens der Universitätsleitung könnten allerdings bereits im Laufe der Woche fallen.

Update 11.09: Heute hat die Universität Leipzig in einem offiziellen Statement bekanntgegeben, dass das Imperium Fight Team auf dem Gelände der Universität nicht willkommen ist und zudem eine Verschärfung der Hausordnung angekündigt, um solchen Fällen besser begegnen zu können.

Mehr zum Imperium Fight Team auf kreuzer-leipzig.de:

Rechte Freefighter lassen im Kohlrabizirkus die Fäuste sprechen: https://kreuzer-leipzig.de/2016/08/03/das-imperium-schlaegt-zurueck/
Hooliganismus-Forscher Robert Claus im Interview: https://kreuzer-leipzig.de/2018/08/29/chemnitz-hooligans-interview-claus/

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