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Was ist eigentlich dieses Internet?

Bei der Medienbildung und Digitalisierung an den Schulen kommt Sachsen bisher kaum voran

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Manchmal läuft die Politik der Lebenswirklichkeit über lange Zeit hinterher. Das ist gerade wieder bei der Umsetzung bildungspolitischer Themen zu beobachten. Vor Sachsens Schultoren und auf den Pausenhöfen sind Smartphones, schnelles Internet und digitale Hilfsmittel längst Standard. Doch wer in die Klassenzimmer kommt, betritt digitales Entwicklungsgebiet.

Ankündigungen, das zu ändern, gibt es seit Jahren. Doch passiert ist bisher nicht viel. Vergangenes Jahr sollte es endlich so weit sein. Im Oktober 2017 legte das Ministerium für Kultus die Konzeption »Medienbildung und Digitalisierung in der Schule« vor. Es basiert auf einem Rahmenpapier der Kultusministerkonferenz (KMK), in der alle Bundesländer versammelt sind.

Auf dem hauseigenen Blog des sächsischen Kultusministeriums (SMK) wurde die Konzeption ganz unbescheiden als »Masterplan« be-zeichnet. Mit ihr soll es endlich gelingen, Kinder und Jugendliche im Umgang mit Medien zu sensibilisieren, »um in der digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt selbstbestimmt und verantwortungsbewusst teilhaben zu können«, wie es auf dem Blog heißt. Die Medienbildung soll laut Plan der Landesregierung vor allem über eine Verankerung von Medienbildung im regulären Unterricht gelingen. Dafür sollen Lehrer speziell geschult werden. Ein eigenes Fach ist nicht geplant. Um die Digitalisierung voranzubringen, ist zudem ein deutlicher Ausbau der Infrastruktur – also schnelles Internet und digitale Arbeitsgeräte für Schulen – geplant.

In seinem Grußwort hatte der damalige Kultusminister Frank Haubitz die Konzeption als »fundierte Grundlage für eine verantwortungsvolle Bildungsarbeit« bezeichnet. Auch in der Opposition kommt der Plan an sich bis heute gut an. Die sächsischen Grünen und die Linken loben die Konzeption – aber: »Es fehlt an der Umsetzung«, sagt Grünen-Landesvorstandssprecher Norman Volger. Und auch Juliane Nagel, Landtagsabgeordnete der Linken, sagt, dass das Papier zwar gut klinge, bisher aber wenig Konkretes passiert sei. Die Finanzierung sei zudem noch ungeklärt. »Das Land mogelt sich aus der Verantwortung«, sagt Nagel und rechnet vor, dass rund 60 Prozent der sächsischen Schulen noch kein gutes Internet haben. Sie fordert aber auch, die technische Infrastruktur »vom pädagogischen Ansatz her zu denken« und nicht andersherum.

In der Konzeption wurde eigentlich festgehalten, dass alle Schulen »schnellstmöglich über einen breitbandigen, zukunftssicher ausbaufähigen und im Datenvolumen nicht beschränkten Anschluss an das Internet« verfügen sollen. Bereits 2019 werde es angeblich so weit sein. Bis 2021 sollen zudem alle Schüler, »wenn es aus pädagogischer Sicht im Unterrichtsverlauf sinnvoll ist, eine digitale Lernumgebung und einen Zugang zum Internet« nutzen können. Beide Ziele werden wohl eher schwierig umzusetzen sein. Das Kultusministerium beteuert zwar, dass sich »die Umsetzung im vorgesehenen Zeitplan befindet«. An allen Zielen für 2018 werde aktiv gearbeitet. Gleichzeitig räumt das SMK aber ein: »Der Landtag hat sich in einer Beschlusslage für eine Versorgung der Schulen mit mindestens 50 Mbit/s noch im Jahr 2018 ausgesprochen. Das wird absehbar nicht zu realisieren sein.«

Für die Digitalisierung und Medienbildung an Schulen stehen laut Kultusministerium in den kommenden beiden Jahren vermutlich jeweils 1,3 Millionen Euro zur Verfügung, »für die Landesstrategie Medienbildung jeweils 150.000 Euro, für die Förderung breitbandiger Erschließungen der Schulen insgesamt weitere 12,4 Millionen Euro.« Grüne und Linke werfen der Regierung dennoch eine mangelhafte Finanzierung vor. Der Freistaat habe generell zu viel gespart, sagt der Grüne Volger. Das zeige sich nun auch bei der Digitalisierung an Schulen.

Neben der Infrastruktur wartet eine weitere Mammutaufgabe: die Fortbildung der Lehrer. Sie müssen fit gemacht werden für die neuen Aufgaben und Arbeitsgeräte, die ihren Unterricht ergänzen oder als Hilfsmittel dienen sollen. Der hohe Altersdurchschnitt der Lehrer gestaltet die Aufgabe vermutlich nicht gerade leichter. Die sächsische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ursula-Maren Krause, sieht auf der einen Seite zwar »eine ganze Menge Chancen für individualisierten Unterricht«. Für die Medienbildung fehle es den Lehrern aber oft an Kenntnissen. Eigentlich müssten diese laut Kruse deshalb direkt an den Universitäten zu dem Thema ausgebildet werden. Doch dort fehle es noch an Kapazitäten. Auch beim Thema Datenschutz gebe es noch Handlungsbedarf. Kruse sieht außerdem noch zwei weitere Gründe für die schleppende Digitalisierung: Zum einen sei der ehemalige Kultusminister Haubitz nur sehr kurz im Amt gewesen. Zum anderen richte das Ministerium seinen Fokus derzeit vor allem auf das Thema Lehrermangel.
Juliane Nagel fordert nun ein Konzept auf kommunaler Ebene. Damit es endlich vorangehe, sollten alle Parteien im Stadtrat einen gebündelten Antrag zum Thema vorlegen. »Leipzig soll dann ein Konzept entwickeln oder das vorhandene Papier der SPD unterstützen und dem Freistaat vorlegen«, sagt sie.

Dieser Text stammt aus dem kreuzer, Heft 09/2018. Um ein kreuzer-Abo abzuschließen, klicken Sie bitte hier: https://kreuzer-leipzig.de/abo

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