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Hotspot oder Baustelle

Künstler erheben Vorwürfe gegen die Residenz Pilotenküche – die wittert Rufmord

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Noch bis Ende September läuft die Abschlussausstellung der Residenz Pilotenküche. Die Hälfte der Künstler und Künstlerinnen, die dort ihre Werke präsentieren sollten, hat sich aber bereits vorzeitig aus dem Programm verabschiedet. Vorwürfe an die Organisation werden laut. Diese sieht sich zu Unrecht in der Kritik.

»Das ist keine professionelle Residenz.« »Wir bezahlen eine teure Wand auf einer Baustelle.« »Es gab keine Küche und nicht mal einen Drucker haben sie uns zur Verfügung gestellt.« Die Vorwürfe klingen hart, die drei Künstler gegenüber dem kreuzer an die Pilotenküche erheben. Sie waren Teil des 36. Durchgangs des dortigen Residenzprogramms, dessen Abschlussausstellung bis 25. September zu sehen war. Die Arbeiten der Künstler und die von vier weiteren fehlen allerdings. Denn von ursprünglich 14 Ausstellenden haben sich sieben (die Zahl stammt von den Künstlern, der Chef der Pilotenküche behauptet, es waren fünf) vorzeitig aus dem Programm verabschiedet oder wurden herausgeworfen. »Sie sind nur gut in der Werbung«, meinen die drei Künstler, die ihre Namen nicht veröffentlichen möchten beim Treffen mit dem kreuzer. Darum sprechen sie hier mit einer Stimme. Sie fühlen sich, sagen sie, als ob sie einer Marketingmasche auf den Leim gegangen seien. Immerhin hätten sie 1200 Euro pro Person für das dreimonatige Programm bezahlt.

Residenzprogramme stellen Künstlern Raum und Arbeitsmittel zu Verfügung. Dies soll das schöpferische Wirken unterstützen, weil die Künstler sich um möglichst wenige Sachen sorgen müssen. Es gibt institutionell geförderte Residenzen oder eben selbstorganisierte, wie Magdalena Cichon erklärt. Sie ist Programmkoordinatorin der Pilotenküche. »Residenzen liegen in Hotspots wie Berlin, Leipzig, New York, wenn ich mir diese Auflistung erlauben darf. Wir arbeiten selbstorganisiert und achten sehr auf die Kosten. Andere Residenzen nehmen das Dreifache. Circa die Hälfte der Kosten benötigen wir für die Miete, dann wird noch mein bescheidenes Gehalt bezahlt. Pro Monat sind rund 1.800 Euro übrig, von denen dann Strom, Druckkosten und sonstiges zu tragen sind. Kaputte Dinge müssen davon auch ersetzt werden.« Dass man damit keine großen Sprünge machen kann, versteht sich. Aber ob man so mit internationalen Standards mithält?

Die Werkstatt der Pilotenküche sei gut ausgestattet, sagt Cichon, die hier in Teilzeit arbeitet. Werkzeug wie Hammer und Stichsäge sei vorhanden. Aber: »Drucker und Projektor stellen wir nicht mehr zur Verfügung. Die sind mehrfach kaputtgegangen. Wir können das nicht mehr ersetzen.« Die Künstler verstehen das nicht, immerhin haben Vorgänger den Schaden verursacht. »Im Vertrag steht doch, dass Verursacher auch haften. Was hat das mit uns zu tun? Warum können wir nicht arbeiten?« Zugang zu den Arbeitsräumen hätten die Künstler rund um die Uhr gehabt. Allein das Arbeitsgerät sei halt nur dann zugänglich, wenn auch sie oder eine andere Teilzeitkraft anwesend seien – das sind eben nur ein paar Stunden. Das müssten die Künstler verstehen.

»A place for rebellion is approved by the king«: Das letzte Kunstwerk, das die Künstlerin Sasha Nikitina hinterließ – um ihrem Vertrag nachzukommen. Sie nennt es Konzeptkunst, die Pilotenküche Sachbeschädigung

Die Kritik an der fehlenden Küche vor Ort weist sie zurück: »Es ist eine Teeküche, wir dürfen aus Brandschutzgründen keine Kochmöglichkeit anbieten.« Eine Baustelle sei das Studio auch nicht: »Es ist eine stillgelegte Fabrik. Andere Etagen werden ausgebaut, aber da haben wir als Mieter keinen Einfluss drauf. Die Pilotenküche ist sicher. Da gibt es keine offenen Leitungen oder so. Das hat Martin Holz alles selbst renoviert, der bringt da viel Wissen mit.« Martin Holz, den Namen des Direktors, nennt Cichon ziemlich oft. »Die Kritik, dass Martin Holz zu oft weggewesen war, übersieht, dass er das erste Mal in vier Jahren im Urlaub war.« Oder: »Bei der Abschlussausstellung hatte Martin Holz wieder die Hauptarbeit.« Die Künstler beschreiben Holz als aufbrausend und schwierig. »Da war er fast nie. Und wenn er mal da war, dann schrie er viel.« »Er ist eher so der totalitäre Typ.«

Die Künstler hätten gar nicht das Gespräch gesucht, entgegnet Cichon. Erst nach eineinhalb Monaten habe die Gruppe einen Beschwerdebrief formuliert. »Davor gab es kein Zeichen, dass sich die Künstler nicht wohlfühlen bei uns.« Sie habe den Eindruck, dass die Kritik an den Arbeitsmitteln nur einen anderen Punkt kaschieren soll: Den Streit ums Geld. Denn es geht auch um eine – je nach Lesart der Streitparteien – Anzahlung oder Kaution. Im auf englisch verfassten Vertrag steht das Wort »deposit«, das beides heißen kann. Die Künstler hätten genau gewusst, dass das ein nicht rückzahlbarer Vorschuss sei, so Cichon, und das auch so unterschrieben. Auch eine schriftliche Stellungnahme von Martin Holz, die sie dem kreuzer nachreicht, wiederholt diese Sichtweise. Die Künstler sehen das allerdings anders. »Mit den anderen legitimen Forderungen oder Kritikpunkten hätten wir umgehen können«, sagt Cichon. »Wir stellen uns immer der Kritik. Aber die Beschwerde enthielt eben auch diese Lüge.«

Nachdem die Pilotenküche zwei Künstler wegen verleumdenden Verhaltens rausgeschmissen und eine Künstlerin verwarnt hatte, zogen nun auch andere die Reißleine. Sieben von 14 Künstlern haben die Residenz vorzeitig verlassen. Sie bezeichnen die Atmosphäre als vergiftet, einige suchen anwaltlichen Rat. Rufmord hingegen fürchtet die Pilotenküche. Die Leinwand zwischen beiden Parteien ist zerschnitten, ein Mediator ist nicht in Sicht.

In einer vorherigen Version haben wir geschrieben, dass die Austellung bis zum 30. September zu sehen ist. Sie war aber nur bis zum 25. September zu sehen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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25 Kommentare

  1. Thomas Schrader | 28. September 2018 | um 10:45 Uhr

    Martin Holz ist nicht nur Direktor sondern Eigentümer der „Residenz“-Firma. Die Pilotenküche ist kein eingetragenen Verein. Die Stipendiaten sind selten aus gut betuchtem Hause. Teilweise sparen sie lange um an diesen Programm teilzunehmen. Der oben genannte monatliche Gewinn ist sein Gewinn und wird auch für die Tilgung seiner in den vergangenen Jahren entstanden Schulden verwendet. Dafür bedient er sich aller drei Monate unwissenden ausländischen Künstlern, denen er ein Programm suggeriert, welches beste Kontakte und Kooperationen zu Leipziger Kultur und Kunstorganisationen besitzt. Auf der Internetseite finden sich unzählige Logos, unter anderem das des MdBK und des Japanischen Hauses e. V.. Tatsächlich gibt es aber bei den meisten keine wirkliche Partnerschaft, lediglich die Logos wurden getauscht und man folgt sich gegenseitig auf Facebook. Dies ist eine Täuschung.
    Wenn es eine Partnerschaft gebe, wäre diese ebenfalls zu hinterfragen. In wieweit darf ein MdBK für ein privates Unternehmen werben?
    Darf man es überhaupt Stipendium nennen oder ist es einfach eine Dienstleistung. Wo und woher ist das angebliche Stipendium, das den Teilnehmern angeblich 50% des Programms finanziert?

    Hotspots? Leipzig ist nicht New York. Mieten und Strukturen sind hier noch bezahlbar, daher ist die Aussage: „Andere Residenzen nehmen das Dreifache“ etwas vermessen.
    Die Problematik der Pilotenküche auf Teeküche, Hammer und Stichsäge zu reduzieren ist einfach.
    Es gibt viele Dinge im Verborgenen, schwer fassbare, laute und leise Vorwürfe. Einschüchterungen, das man verklagt wird, wenn man seine Erfahrung im Sozialen Netzwerken äußert. Vertragsklauseln, die den Betroffenen verbieten, sich öffentlich zu äußern. Vorfälle und Kritik, die bereits in den vorhergehenden 35 Programmen geäußert wurden oder auftraten. Ein Stipendiat aus Indien wird wohl kaum nach den drei Monaten einen deutschen Anwalt beauftragen. Er wird die Kosten und auch die überraschenden Kosten ( „deposit“) tragen. Eine deutsche Rechtsberatung kostet und der „Marketingmasche auf den Leim gegangen seien“ ist Beschämung genug. Martin Holz spielt damit und wird als Eigentümer seiner Firma Kritik immer von sich weisen und von „kriminellen Machenschaften der Stipendiaten“ sprechen, weil er weiß, dass es funktioniert. Er ist nicht „Volkswagen“, aber was die können, kann er schon lange.

  2. Gaba S. | 2. Oktober 2018 | um 11:00 Uhr

    Sasha Nikitina ist eine Frau. Bitte korrigieren. (Kenne sie persönlich).
    Martin Schrader bringt die Sache gut auf den Punkt. Als die Pilotenküche noch in der Spinnerei war, gaben sie übrigens Kontakte zu Spinnerei Galerien vor. Ja, bestimmt haben sie sich mal gegrüsst…Zugkräftige Werbung der Firma Pilotenküche mit einem sehr subjektiven Verständnis von Wahrheit.

  3. Magda | 10. Oktober 2018 | um 13:28 Uhr

    Das Narrativ David gegen Goliath ist so eingängig, dass sich ein Umstand leichter vermittelt, wenn er ihm angepasst wird. Künstler eignen sich besonders gut dazu, zu heroischen Einzelkämpfern stilisiert zu werden, die Missstände anprangern. Leider ist das Narrativ hier auf eine Situation angewendet worden, bei der der Vergleich absolut unpassend und destruktiv ist.
    Die Pilotenkueche ist kein turbokapitalistischer Konzern, der Künstler um des eigenen Profits willen ausbeutet. Sie ist ein sich selbst finanzierendes Residency-Projekt von Künstlern für Künstler, das es nur durch ein übermenschliches Maß an Opferbereitschaft und Selbstausbeutung der Leitung in den letzten Jahren geschafft hat, die Kosten so niedrig zu halten, dass sich auch vergleichsweise weniger wohlhabende Künstler die Teilnahme leisten können, und das bei einem umfangreicheren Service als andere Programme gleichen Modells in Leipzig, Berlin oder international. Da werden die Konsultationen, Atelierbesuche usw. und sogar die Ausstellungsteilnahme dann extra in Rechnung gestellt. Und ja, Klopapier, Reparaturen, Strom, Flyer, FB-Kampagnen, Gebühren für Partner, für Residency-Plattformen, neue Möbel, Werkzeuge und Elektrogeräte (es wird unglaublich viel geklaut und kaputtgemacht), Transporte, Nachzahlungen etc. kosten an die 1800€ monatlich. Dabei zählen die vielen Stunden unbezahlter Arbeit des gesamten Teams gar nicht mit.
    Klar ist es tragisch, wenn die Erwartungen einzelner Teilnehmer nicht erfüllt werden und diese daraufhin, anstatt über mögliche Lösungen gemeinsam mit der Pilotenkueche nachzudenken, zu kriminellen Mitteln greifen. Genau das ist aber im August in der Pilotenkueche passiert. Einige wenige nutzten Beschwerdepunkte der anderen aus, heizten in internen Mails die Stimmung auf, und brachten schließlich alle zu einem destruktiven Schritt: Um die Anzahlung zurückzubekommen, konstatierten die Künstler in einem Beschwerdebrief, sie hätten nicht gewusst, dass diese nicht rückzahlbar sei. Genau das hatten alle aber im Vorfeld mehrfach schriftlich bestätigt. Damit konfrontiert, drohten zwei daraufhin mit schlechter Presse, sollten sie das Geld nicht gezahlt bekommen. Sämtliche Lösungsvorschläge blockten sie ab und konstatierten offen, ihrer Unzufriedenheit sei nur mit Geld beizukommen. Die Verträge dieser Personen wurden gekündigt. Drei andere Künstler verließen aus eigenem Entschluss die Residency.
    Mit dem größeren Teil der Residenten fuhr die Pilotenkueche mit dem normalen Programm fort, mit Konsultationen, Atelierbesuchen, der finalen Ausstellung, während sich gleichzeitig der legitimen Beschwerdepunkte angenommen, gegenseitig Vertrauen wieder aufgebaut und der Versuch seitens eines oder mehrerer der terminierten Teilnehmer abgewendet wurde, der Pilotenkueche auf andere Weisen zu schaden. Leider war der Flyer, der Namen enthält, auf die die Pilotenkueche zur Werbung gern verzichtet hätte, da schon längst in Druck gegeben.
    Es ist hier einfach eingetreten, was Einzelne angedroht haben: die Pilotenkueche öffentlich zu diskreditieren. Es ist schade, dass sich der Kreuzer dazu hat instrumentalisieren lassen.

  4. The 36 Round | 11. Oktober 2018 | um 16:37 Uhr

    In response to Magda’s comment,

    It is true that before coming, we did sign a re-version of the original contract, where the „deposit“ to save our place was finally changed to a non-refundable „deposit“. This was changed a little more than 3 months before the beginning of our residency. The change was made because there was problem with the previous round for the same reason. Surely everyone agreed and did sign the new contractual agreement, not only because there was little to no time to argue this point (they would only refund the „deposit“ 3 months prior to the beginning of the residency if „withdrawal“ takes place from the program. The modified contract was sent on late March, 3 months and 10 days away from the beginning of the program) but also because there where high expectations to be part of an international art residence program.
    So lets be clear about one thing, we did ask for the deposit back not for the unclearness of the contract, but for the unfulfillment of the services on the PK side.
    – The building was still under construction. There was constant jackhammering, drilling, trucks coming and going, etc. This was never mention in the PK description of the program
    -The was an a „workshop“ space described in the „what we provide“ description, as well as a „dark room“. Well, in a our first meeting we found out that the „workshop space“ was unusable due to humidity. Solutions? non
    – Was there any list of providers such as, photolabs, printing services, 3d printing, Graphic art printing studio, etc…? That is a „101“ for an artist during an art residency. When asked, we got evasive answers or no response at all
    -We even asked for a basic printer and projector in our first week. We were told that in previous rounds they had broken printers on and on, so that was „why“ there wasn’t a printer anymore (the contract states that if you break something you need to replace it). We finally got one once half of the residents where out…
    -The „kitchen“ also described as one well, wasn’t even close to become one…
    – We saw more the „house master“ of the building than the director of the program…
    – Our mid show, well that is another whole comment on its own… a really bad experience on its own
    So facts are facts. And a rationalized, and always well intended, complaint letter written and signed by all the international artist, it is not a criminal act nor a conspiracy by some machiavellic artists, it is simply a statement that should not be blindsided if you truly want to improve the program for the future to come.
    Resuming, our residency simply didn’t happened to half of the crew. Two where unlawfully kicked out, and 5 not 3 as Magda mentioned, left the residency.
    We can always show proof of our experience and even provide our „complaint letter“ if needed…

    The 36 Round

  5. Ulrike Lux | 16. Oktober 2018 | um 15:04 Uhr

    Ich muss an dieser Stelle noch einmal auf den eigentlichen Artikel zu sprechen kommen.
    Bereits beim ersten Lesen konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor Tobias Prüwer sich zwar noch kein umfassendes Bild von der Sachlage gemacht hatte, sich allerdings von vornherein auf die Seite der drei Künstler schlug. Dies spiegelt sich formal und stilistisch wider: in der Einleitung geben die wörtlichen Zitate der Künstler die Leitlinie vor, während Martin Holz, ohne dass dieser namentlich genannt wird, bei seiner ersten Erwähnung bereits diskreditiert erscheint, indem er als „der Chef der Pilotenküche“ lediglich etwas (noch dazu eher Nebensächliches) „behauptet“. Auch die saloppe Formulierung, dass zwei Künstler „rausgeschmissen“ worden seien, suggeriert Willkür seitens der Pilotenkueche (ja, mit ue) – und dass danach „nun auch andere (Künstler) die Reißleine (zogen)“, bescheinigt erneut Letzteren den Versuch, eine bedrohliche oder schädliche Entwicklung zu bremsen oder zu stoppen (vgl. wikipedia.org/wiki/Reißleine).
    Als langjährige Leserin des kreuzer hatte ich die Gelegenheit, viele gute Artikel von Herrn Prüwer zu lesen, diesmal bin ich enttäuscht.

  6. Kay Brudy | 16. Oktober 2018 | um 15:17 Uhr

    Um es gleich klarzustellen und in dieser Hinsicht keine Angriffsfläche
    zu bieten: Ich bin sehr gut mit Martin Holz befreundet. Warum ist das
    so? Als Betreiber der Galerie bipolar kam ich mit ihm vor mehr als zwei
    Jahren über diese institutionelle Schiene in Kontakt und schnell hat
    sich eine für beide Seiten äußerst befruchtende Kollaboration
    entwickelt. Bei den vielen Ausstellungen, die wir als Galerie
    ausgerichtet haben, waren diejenigen mit der Pilotenkueche stets am
    meisten von großer Professionalität, inspirierendem Teamgeist sowie
    uneigennütziger Aufopferungsbereitschaft geprägt. Dies gilt für alle
    Runden, mit denen ich direkt als Galerist zu tun hatte. Über diese
    Zusammenarbeit entwickelte sich rasch eine persönliche Freundschaft.
    Deshalb kann ich auch sagen, dass Martin Holz nichts ferner liegt, als
    mit einer „Marketingmasche“ Kunden zu fischen. Mal ehrlich: Warum sollte
    er das auch tun? Die Bewerber*innen stehen ja Schlange. Die Warteliste
    ist lang, und sie wird niemals kürzer.

    Auf die (juristischen) Interna bezüglich „deposit“ etc. werde ich hier
    nicht eingehen, da ich darüber nichts weiß, und das hätten die anderen
    Kommentator*innen besser auch getan. In diesem Zusammenhang verweise ich
    auf den Beitrag von Magda, die als Mitarbeiterin über tatsächliches
    Insiderwissen verfügt. Im postfaktischen Zeitalter hingegen ist es
    leicht, eine unwahre, oder zumindest hier nicht belegte Behauptung
    aufzustellen, wie zum Beispiel Gaba S. es tut: „Als die Pilotenküche
    noch in der Spinnerei war, gaben sie übrigens Kontakte zu Spinnerei
    Galerien vor.“ Woher wissen Sie das, Frau (oder Herr) S., wo steht das?
    Ähnliches gilt in noch viel größerem Ausmaß für Herrn Schrader:

    „Tatsächlich gibt es aber bei den meisten keine wirkliche Partnerschaft,
    lediglich die Logos wurden getauscht und man folgt sich gegenseitig auf
    Facebook. Dies ist eine Täuschung.“
    Woher stammt diese Information, und warum wird sie nicht belegt?

    „Es gibt viele Dinge im Verborgenen, schwer fassbare, laute und leise
    Vorwürfe. Einschüchterungen, das man verklagt wird, wenn man seine
    Erfahrung im Sozialen Netzwerken äußert. Vertragsklauseln, die den
    Betroffenen verbieten, sich öffentlich zu äußern. Vorfälle und Kritik,
    die bereits in den vorhergehenden 35 Programmen geäußert wurden oder
    auftraten.“
    Legen Sie Ihre Insiderquellen offen, Herr Schrader, sonst tun Sie das
    gleiche wie Trump und Co.

    Und dann der Schlusssatz: „Er ist nicht „Volkswagen“, aber was die
    können, kann er schon lange.“

    Sicher wäre Ihnen, Herr Schrader, nach kurzem Überlegen selbst klar
    geworden, dass jemand, der über eine solche kriminelle Energie,
    Niedertracht und Gewissenlosigkeit verfügt, wie ein VW-Manager, sich
    wohl kaum ausgerechnet ein „Business“ aussuchen würde, um seine
    Schäfchen ins Trockene zu bringen, wie eine Artist Residency, wo man
    sich täglich (auf ein Kalenderjahr gerechnet) mit über 50
    Individualist*innen aus aller Welt und deren Bedürfnissen
    auseinanderzusetzen hat. Ihrem Argument, die Teilnehmer seien „selten
    aus gut betuchtem Hause“ und müssten teilweise lange für die Teilnahme
    sparen (das ist sicher so), halte ich entgegen: Auf welchem Wege wird
    ein dreimonatiger Auslandsaufenthalt in einer so attraktiven Stadt wie
    Leipzig denn noch günstiger zu verwirklichen sein, als mit ca. 1.200
    Euro? Und das inklusive vielfältigster Ausstellungsmöglichkeiten und
    Künstler*innenkontakten. Niemand wird gezwungen, sich für dieses
    Programm zu bewerben, und dennoch tun es so viele. Natürlich kann es bei
    solchen Konstellationen niemals vollkommen konfliktfrei zugehen, und
    niemand wird so naiv sein, vom Gegenteil auszugehen.
    Aber die Versuche, diese fantastische Institution, welche seit vielen
    Jahren die Leipziger Kunstszene ungemein bereichert, und darüber hinaus
    Martin Holz als Person wegen einiger individueller Unstimmigkeiten so in Misskredit
    zu bringen, möchte und kann ich nicht unkommentiert stehen lassen.

  7. sahra | 16. Oktober 2018 | um 20:02 Uhr

    Leider muss ich in Teilen dem Thomas Schrader zustimmen. Eine „Pilotin“ erzählte mir unter Tränen ihre Enttäuschung über das Program und die scheinbaren Kooperationen und das sie eben auch aggressiv von Martin Holzer angegangen wurde. Sie war verängstigt und eingeschüchtert. Bei dem Gespräch mit Martin Holzer war ich natürlich nicht dabei aber ich sehe keinen Grund ihr nicht zu glauben.
    Mich hat damals eigentlich auch nur verwundert, warum es kein Verein ist. In Deutschland ist es steuerlich nun mal günstiger für ein Residencyprogramm und, das weiß ich aus eigener Arbeit, man bekommt sehr sehr selten finanzielle Zuwendungen oder uneigennützige Unterstützung von dritten Geldgebern.
    Die „Pilotin“ hat Deutschland übrigens verlassen und will nicht namentlich genannt werden. Eben weil sie Angst hat, dass was nachkommt.

  8. tom | 16. Oktober 2018 | um 20:10 Uhr

    Ich finde eigentlich nicht, dass der Autor voreingenommen darüber berichtet. Frau Chichon kommt sehr ausführlich zu Wort und kann zu Allem Stellung nehmen.
    „Rufmord hingegen fürchtet die Pilotenküche. Die Leinwand zwischen beiden Parteien ist zerschnitten, ein Mediator ist nicht in Sicht.“

  9. tom | 16. Oktober 2018 | um 20:31 Uhr

    also, wenn ich jetzt mal kurz artist in residence leipzig/ pilotenkueche google kommt mir schon der Eindruck, dass das mit dem deposit mal so mal so ausgelegt wird. ich wäre auch iritiert…..

    http://www.bbk-berlin.de/con/bbk/front_content.php?idart=2614&refId=203

    „- deposit / caution money: 400 EURper artist to hold the place in the program, notrefundable by short cancellation,payback after finishing the program“

    http://www.residencyunlimited.org/opportunities/open-call-for-pilotenkueche-leipzig-2018/

    Costs: 400,00 € / month + 400,00 EUR deposit

    http://artrubicon.com/20543/pilotenkueche-international-artist-residency-leipzig-rolling-admissions/

    deposit / caution money: 400 EUR per artist to hold the place in the program, not refundable by short cancellation, payback after finishing the program correctly

  10. Kay Brudy | 16. Oktober 2018 | um 20:40 Uhr

    Leute, ich mache hier nicht den Deutschlehrer, aber schaut doch mal: Es heißt Pilotenkueche, nicht Pilotzenküche, und der Mann heuißt Martin Holz und nicht Holzer. Wir sind hier nicht bei youtube. Diese Debatte ist gut, aber so macht ihr euch noch unglaubwürtdiger…

  11. Sahra | 16. Oktober 2018 | um 23:46 Uhr

    Lieber Kay Brudy,

    doch, das ist Deutschlehrer!

    Ich nehme die Minuspunkte in Rechtschreibung an. ( ….ist halt immer nur der Martin gewesen)

    Im Inhalte Punkte ich dann wohl aber. („die Debatte ist gut“?)

  12. Fisch | 17. Oktober 2018 | um 08:49 Uhr

    Zu Round 36

    Sollte es wirklich so geschehen sein, dass die Round 36 erst kurz vor Antritt darüber informiert wurde, dass das „deposit“ nicht zurückgezahlt wird, dann ist das höchst bedenklich. Die Wohnung ist gekündigt, das Zimmer in LE gemietet, der Flug gebucht….die Freundin verlassen.
    Wenn es so ist, wurde da von der Pilotenkueche Mist gebaut. Juristisch ist das sicherlich ok, aber sauber ist das nicht.
    Wenn das mit dem „deposit“ bereits in Runde 35 stattfand, dann könnte man schon von einem Vorsatz sprechen.

    Please, provide your „complaint letter“. Now it’s a public discussion, then it would certainly be interesting.

  13. Jens | 17. Oktober 2018 | um 09:45 Uhr

    Lieber Herr Brudy,

    mit „Trump und Co“ verdrehen Sie da etwas. Leider wurde Christine Blasey Ford nicht geglaubt, da sie nach 30 Jahren nicht den Blutalkoholspiegel Kavanaughs nachweisen konnte und die Freunde Kavanaugh, aus welchen Gründen auch immer, nicht gegen ihn aussagen wollten.
    Ergo ist es nicht geschehen und Kavanaugh unschuldigt?
    Da in einem simplen Kommentarforum die Belege für den Mist in der Pilotenküche nicht erbracht werden, ist es nicht geschehen und Martin Holz in allen Punkten unschuldig?

    Die Pilotenküche sucht einen neuen Direktor. Was auch immer da war, ich wünsche dem Projekt damit alles Gute und hoffe, dass dieser Neuanfang genutzt wird.

  14. The round 36 | 17. Oktober 2018 | um 11:56 Uhr

    We leave at your disposal the letter of complaint that we sent to Martin Holz.

    To the director of PILOTENKUECHE International Art Program
    Dear Martin Holz,

    The artists of the 36th round of the PILOTENKUECHE International Art Program have decided to put forward our concerns regarding the current coordination and further development of our round.

    After eight weeks in the Program we have come together because we are unhappy and we expect change to have a better relationship between the parts: PILOTENKUECHE International Art Program (as service provider) and the Artists of the 36th round (as clients and guests of the Program). Based on this experience, below is a list of grievances that Artists agree on:

    The building premises are not complete and the studio is not ready to host professional artists. The overall condition of the Studio and equipment below sufficient.

    We have not received an inventory of existing equipment. Examples of basic multidisciplinary studio equipment are: a printer, a scanner, enough cutting matts, easels, cutting tools, jars, tapes, HB pencil and other utilities. At the time of our application to the program it was stated that there are basic tools and workshop space available.

    The program does not provide appropriate technical support committed with the accepted projects. Selecting and accepting a group of international guests, who explicitly come from different backgrounds, requires more responsibility from the Program. There has been poor planning ahead to address the intellectual, practical and social needs of artists who work in diverse disciplines.

    The Program does not care enough about the security or stay of their guests and their works. We expect more engagement and hospitality to make this a pleasant and fruitful stay. The data in the welcome letter is outdated.

    For the following exhibitions we want more professional set up. This item applies to installation, better presentation of the artworks and better lighting as well as creating a better press strategy to involve your Partners and colleagues from the Leipzig community.

    We are encouraged to access the studio 24hs but there are not enough facilities for us to do so.

    The kitchen is lacking. There are not enough plates, glasses and cutlery to eat nor a simple food heating utility.

    The deposit conditions were not clear to the artists. All of us had present that this money was to „hold the place in the program“ and that it was going to be refunded. For all the above we consider that a refund of the deposit would be the right thing to mediate the situation, since we consider that we have invested a significant amount of money in a space that does not offer the necessary, that does not even meet basic needs such as an appropriate kitchen (point 2 of item 3.4.2 of the contract).
    The nature of this letter rests upon the common standard of us as a group regarding creativity, collaborative practice and hospitality. Our thoughts on resources are that, when provided, communal goods (be these tools or network) facilitate personal growth of the Artist through experimentation and lively discourse. We want to work in an environment that fosters hospitality rather than indifference. Our aim is to enhance the remaining time we have at PILOTENKUECHE International Art Program so that in the end we make the best possible exhibition for our round.

    We believe firmly that change is necessary and that presenting our concerns and discontent will focus our efforts of creating a communal space for experimental collaboration and discourse between the participants, as well as with the greater Leipzig arts and culture community.

    We will expect you, as the director of PILOTENKUECHE International Art Program, to have a meeting with the Artists on August 28th at 10am in the studio located in Franz-Flemming-Straße 9 to address the items presented in this letter.

    Yours sincerely, Artists of the PILOTENKUECHE International Art Program, 36th round.

    Arabella Hilfiker,
    Chelsea Markuson, ppp
    Curtis Welteroth,
    Jing Tan,
    Josefina Maro,
    Jui-Pin Chang,
    Lily Cummins,
    Maya Perry,
    Nathan J Brooker,
    Patricio Guillamon,
    Salvador Marino,
    Zoe Trilnick Farji

  15. Els kling | 17. Oktober 2018 | um 13:02 Uhr

    Funny to see how clearly your „letter of complaint“ reveals your attempt at blackmailing the project into paying money to you.

    Even funnier (and sad) how you pretend to still be representing „36 round“ when really behind this comment there is just a few self proclaimed „saviors of the art“ left, who are mad that they don’t have their shit together..when someone else does. (re: jealousy, envy)

    It is always easy, as history teaches, to turn against someone as a group, not allowing to address problems individually and avoiding conversation up until a point when the atmosphere is threatening enough to scare someone into a mental breakdown – threatening to destroy their reputation – if they wont pay people amounts of money that would endanger the ongoing of a project they built from scratch.

    Just to mention: a significant amount of artists get full funding to participate in residencies like pilotenkueche. Sounds like a good deal to take funding money AND scare residency directors into paying money to you, which you get on top of funding – of course. Nice scheme. Has been done many times before (:

    All in all, excellent job, my guy.

  16. Kay Brudy | 17. Oktober 2018 | um 14:01 Uhr

    Lieber Jens,

    Thomas Schrader tritt hier aber nicht als Opfer auf, wie etwa Christine Blasey Ford, sondern als Außenstehender, der im engeren PK-Umfeld niemandem bekannt zu sein scheint. Herr Schrader „verteidigt“ hier auch nicht eine bestimmte Person, nicht einmal ein bestimmtes Verhalten, weil er dies mangels näherer Kenntnisse auch gar nicht kann. Und mit Verlaub, auch aus Respekt vor den vielen Opfern sexueller Gewalt, geht es hier schon gar nicht um ein verabscheuungswürdiges Kapitalverbrechen. Wollen Sie nun ernsthaft Herrn Holz in diese Nähe rücken? Das ist bizarr!

  17. Zoe | 17. Oktober 2018 | um 15:26 Uhr

    Answer to Magda and Kay:
    Simple as, the article referes to the unfourtunate experience of round 35 too. Facts be told, the building is unfinished, why do you give for garanted any artist Who travéls half the world would feel comfortable like that? Squathouse wannabe style? Why are museums tickets not prepaid? You Accept and receive 14 participants bit have less than 5 glasses and plates?? If we all got thirsty at the same time we couldnt drink. Thats just miserable. The welcome barbacue was miserable. Martín pretending to not understand english is miserable.

    For all the ethos and concept expressed on the website, this experience lacks humanity and It just lacks in general. It was just sad and depressing. If Kay says PK did so well for the scene, my experience as a pilot was bad. Saying PK or Martín Holz was repelent to the local scene.

    Kay, i d like to shed some light on the shadow of M. Holz, as you accused Thomas Schrader of not quoting their source. Well, after presenting a unanimously signed letter of unhappiness and concerns some randomly selected artísts rceived a „formal warning“ in which we were accused with out proofs. Our lawyers literally laughed when they read that email.

    It is simple, clients were unhappy. PK acted as if we were in debt to them when in fact we (any artist of any round) are employing them.

  18. Jens | 18. Oktober 2018 | um 10:59 Uhr

    Lieber Herr Brudy,
    mich hat eigentlich nur ihre „Trump-Keule“ genervt. Scheinbar taucht sie irgendwann in jedem Forum auf, wenn es darum geht mal wieder „Fakenews“ zu rufen. Und scheinbar ist jede Information heute „Fakenews“, kommt halt auf den Blickwinkel an. Können Sie sich eigentlich auch vorstellen, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.
    Die Runde 36 ist ja nun glaube ich beendet. Die Streitparteien haben sich getrennt. Man könnte die Kritik in Teilen also aufgreifen, um zu verhindern, dass es wieder so eskaliert.

    ….und vielleicht sollten Sie aufhören, hier jeden anzugehen, der sich kritisch zu Martin Holz äußert. Nicht das sie ihre Glaubwürdigkeit verlieren.

    Ich persönlich würde mich nämlich schon freuen, wenn es mit der Pilotenküche weiter geht.

  19. Heinz | 18. Oktober 2018 | um 16:48 Uhr

    Liebe Redaktion des Kreuzers,

    für mich entstehen durch den Artikel und diese vielen Kommentare in Hinblick auf die Pilotenküche viele Fragen. Wohl habe ich auch das Gefühl, dass die meisten Kommentatoren, nicht müßig den Text mit Narrativen und Allegorien zu füllen, Freunde und Anhänger der einen oder anderen Streitpartei sind.

    Bis zu diesem Artikel war ich der Meinung, die Pilotenküche ermöglicht Künstlern aus dem Ausland ein Stipendium. Nun, das ist wohl ein Irrtum und wohl auch nicht üblich.

    Dessen ungeachtet würde mich interessieren, ob die Pilotenküche nun ein Verein ist oder nicht. Gibt es nun ein Stipendium, wenn auch zur Hälfte, und wer finanziert dies? Auch die Diskussion um die Förderer und Logos, gerade das MdBK, machen mich neugierig. Was ist das für eine Geschichte mit nicht zurückgezahlten Kautionen? Oder sind dies alles aus der Luft gegriffene Behauptungen und es geht in diesem Disput wirklich nur um Räumlichkeiten und Werkzeug?

    Ich würde mir wünschen, sie könnten diesen Fragen aus ihrer Position heraus nachgehen. Im Artikel kamen, wie bereits erwähnt, beide Kontrahenten zu Wort. Ich hoffe, sie finden die Zeit dies aufzugreifen und ihre Recherche kann mir etwas Gewissheit über die Pilotenküche geben.