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»Sonst wäre ich nicht angetreten«

Der Direktor des Naturkundemuseums Ronny Maik Leder über den Jammer von Leipzig, Fachidiotie und das Werden des neuen Museums

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Im Erdgeschoss am Kassenhäuschen begrüßt Ronny Maik Leder die Journalisten in seinem Haus. Dann bittet der Direktor des Naturkundemuseums in sein Büro im ersten Stock. Dorthin geht es über eine Seitentreppe im ehemaligen Schulgebäude. Im Gang passieren die Besucher eine Vitrine mit Tiefseetieren, die vor 120 Jahren die von Leipzig ausgehende Valdivia-Expedition vom Meeresgrund mitbrachte. Eine Tiefseekrabbe scheint zu winken. In Leders mit Aktenschränken gefülltem Büro angekommen, zeigt sich der Biologe im Gespräch routiniert und medienerfahren.

kreuzer: In Ihrer Thüringer Heimat betrieb Goethe Naturstudien. Prägte Sie das oder war es eher ­Indiana Jones?

RONNY MAIK LEDER: Ich glaube, ein bisschen was von beidem. Ich bin im Wald groß geworden. Insofern war es für mich schon immer ganz wichtig, das zu untersuchen. Seit ich das erste Mal klar denken konnte, wollte ich Naturforscher werden. Mein Großvater hatte tolle Bücher im Regal mit Reiseberichten und Darstellungen unserer belebten Natur. Das hat mich fasziniert. Mein Vater war professioneller Sportler, Nordisch-Kombinierter. Da gab es für mich das zweite Standbein: als Skilangläufer auf Olympia hinzuarbeiten.

kreuzer: Dann haben Sie sich entschieden?

LEDER: Im Sport habe ich es recht weit gebracht. Aber die Wissenschaft hat letzten Endes ob-siegt. In der Schule habe ich Biologie am liebsten gemacht, Chemie und Physik. So wurde ich Paläo-Biologe, habe also Biologie und Geologie studiert.

kreuzer: Was macht ein Paläo-Biologe?

LEDER: Er verbindet beides. Das ist das sogenannte Aktualismusprinzip: Man kann die Dinge, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, erst über die heutigen ergründen. Das sind unsere einzigen Anhaltspunkte, das sind alles Indizienprozesse.

kreuzer: Kommen Sie noch zum Forschen?

LEDER: Nicht so viel wie früher. Aber ich bin gerade daran, mit meinem akademischen Ziehvater Professor Arnold Müller ein allumfassendes Werk über die mitteldeutschen fossilen Fischfaunen zu schreiben.

kreuzer: Warum fiel Ihre Wahl des Studienortes auf Leipzig?

LEDER: Das war einfach eine wahnsinnig tolle Stadt. Ein Großteil der Studenten, die sich bewusst für Leipzig entscheiden, tun es deswegen. Ich habe wirklich viel von der Welt gesehen und mich zog es immer wieder hierher. Leipzig ist für mich das Wunschdomizil.

kreuzer: Wann haben Sie das Naturkundemuseum das erste Mal besucht?

LEDER: Erstmals aktiv wahrgenommen habe ich es während meines Studiums. Berührungspunkte gab es durch Ausstellungen und Kooperationen mit der geologisch-paläontologischen Sammlung an der Uni, für die ich lange gearbeitet habe. Ich kannte den Zustand des Hauses und es war für mich ein Jammer, geradezu peinlich für eine Stadt wie Leipzig. Die wichtigste Bildungseinrichtung nach den Schulen, Kindergärten und Hochschulen! Ich habe 2000 das erste Mal darüber nachgedacht, hier Direktor zu werden oder zumindest das Haus mitzuprägen.

kreuzer: Auf das Fernziel haben Sie hingearbeitet?

LEDER: Ich wusste, ich muss im Museumsbereich Erfahrung sammeln, ich musste aber trotzdem auch das Akademische, das Kuratorische, den Sammlungsbereich, den Wissenschaftssektor mit abdecken.

kreuzer: Vermittlung von Wissenschaft hatte es Ihnen früh angetan?

LEDER: Wenn ich die Wissenschaft, die ich betreibe, nicht vermitteln kann, dann habe ich sie selber nicht begriffen. Viele Wissenschaftler sind tief in die Materie vorgedrungen, aber sie können das nicht vermitteln. Hinzu kommt, dass die Wissenschaftswelt sich zunehmend selbst betrügt.

kreuzer: Inwiefern?

LEDER: Der Publikationswahn, das Umschwenken von hochgradig gut funktionierenden Diplom-Studiengängen zu Bachelor-Master. Das war ein Riesenrückschritt. Dieses Wissenschaftssegment kann viel Spaß machen, gerät aber an Grenzen, wenn man Zwängen unterliegt – was an einer Hochschule nie sein sollte. Freiheit der Forschung ist längst nicht mehr gegeben, weil alles von Forschungsgeldern abhängt. Wissenschaft heißt Streit. Da sind wir mittlerweile relativ weit weg. Ich würde in der Hinsicht dafür sorgen wollen, dass solche ethisch-moralischen Grundprinzipien wieder gelebt werden. Das kann man an einem Museum wesentlich besser vermitteln als an einer Forschungseinrichtung.

kreuzer: Sie streiten jetzt wahrscheinlich in der Politik?

LEDER: Gerade Kommunalpolitik ist anstrengend, aber man hat eine tolle Perspektive, weil man wirklich etwas bewegen kann. Man muss subtil arbeiten, sich dreimal überlegen, was man in der Öffentlichkeit sagt. Man sollte trotzdem aufrichtig bleiben. Das zeigt auch die aktuelle Situation: Wir waren immer ehrlich.

kreuzer: Wie haben Sie vom Plan erfahren, das Naturkundemuseum auf die Spinnerei zu ver­legen?

LEDER: Ich habe es aus den Medien erfahren. Ich kannte diese ganze Problematik vom Museum, hatte mich mit dem Masterplan auseinandergesetzt und war damals im Kulturamt schon mal vorstellig. Letzten Endes hat mich das noch stärker dazu bewogen, so einen letzten Puzzlestein zu ergattern, und das hieß, etwas länger in den USA zu arbeiten. Also ging ich nach Florida.

kreuzer: Als Sie vom Plan mit der Spinnerei erfuhren, bewarben Sie sich als Direktor?

LEDER: Ich kannte die Spinnerei sehr gut, war dort regelmäßig zum Skaten. Da habe ich eine gewisse persönliche Bindung und fand das Umfeld sehr spannend. Das war gut bei den ersten Vorstellungsgesprächen, dass ich das kannte und die Perspektiven gesehen habe. Vor allem die Kooperationsmöglichkeiten mit den Künstlern und überhaupt mit allem, was dort passiert.

kreuzer: Die Distanz zum Stadtzentrum störte Sie nicht?

LEDER: Eine Innenstadtlage ist immer zu bevorzugen. Aber damals war der Hintergrund, dass man mit der Halle 7 sehr viel Geld sparen würde.

kreuzer: Was nun nicht mehr der Fall ist. Haben Sie schon eine Alternativlösung für das neue ­Naturkundemuseum?

LEDER: Die Standortfrage ist noch nicht geklärt. Wir haben einige Standorte, die sehr gut sind. Was jetzt aber ein großer Unterschied und entscheidender Vorteil ist: Wir haben wohlweislich mit der Generalplanung nur bis Leistungsphase 2 untersucht. Alles, was wir gemacht haben, können wir vollumfänglich nutzen, ist standortunabhängig.

kreuzer: Was haben die Untersuchungen ergeben?

LEDER: Wir wissen jetzt erstmals, welche Lasteneinträge wirklich zu erwarten sind. Ich habe recht früh festgestellt, dass es so ganz einfach mit der Halle 7 nicht wird. Ich kam mit anderen Voraussetzungen her. Das ist ja ungewöhnlich: Man tritt diesen Job an und kriegt das Korsett 10,1 Millionen, bis 2020 in Halle 7. Eigentlich weiß man erst nach einer Prüfung, was wir brauchen. Die einzige Möglichkeit, das sinnvoll zu untersuchen, war eben die, die wir gewählt haben, um das Risiko zu minimieren, dass Steuergelder verschwendet werden. Wir haben recht schnell festgestellt, dass das Gebäude an sich ungeeignet ist. Wir hätten so viel in die Statik -investieren müssen, da hätten wir eben nicht gespart, ganz das Gegenteil. Das ist ganz weit weg von der Argumentation, wir können das Museum nicht in der Innenstadt belassen, weil das 17 Millionen kosten würde. Und dann gehen wir für 37,5 Millionen da raus.

kreuzer: Hätte man das nicht von Anfang an sehen können, dass die Halle nicht taugt?

LEDER: Man kann niemandem einen Vorwurf machen. Das Amt für Gebäudemanagement hat das damals mit ganz anderen Parametern für eine kulturelle Gemeinbedarfseinrichtung untersucht. Da war das Naturkundemuseum noch gar nicht vordergründig. Das Problem war, es gab keinen Direktor, kein Konzept. Man versuchte, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Aber zu dem Zeitpunkt war das der einzige Weg, das Haus zu erhalten und das durch den Stadtrat zu bekommen. Das hat uns am Leben gehalten.

kreuzer: Ein neues Museum wird also entstehen?

LEDER: Ja, es kommt sehr wohl, nur nicht in Halle 7. Es ist es mir wichtig, das klarzustellen. Wir haben nur wenige finanzielle Mittel für etwas verwendet, das nicht genutzt wird. Das, was wir durch die Untersuchungen wissen, können wir 1:1 in einen neuen Standort übersetzen.

kreuzer: Sie haben schon einen Standort, können den aber noch nicht kommunizieren?

LEDER: Mhm.

kreuzer: Wie lange wird die Standortentscheidung dauern?

LEDER: Es ist nicht zu vage, aber ich bin angehalten von der Stadt, den Deckel draufzuhalten. Wir können wirklich erst informieren, wenn wir Fakten haben. Wir werden es rechtzeitig mitteilen.

kreuzer: Sie haben es trotz des Zustandes geschafft, innerhalb von vier Jahren die Besucherzahlen von 20.000 auf 45.000 zu steigern. Wie macht man das?

LEDER: Ja, noch mehr. Wir bewegen uns wirklich am Limit. Die Fluchtwegsituation ist schon kritisch, aber wir operieren noch im dunkelgrünen Bereich. Dass wir jetzt diese Besucherzahlen haben, liegt vor allem daran, dass wir medial ganz anders präsent sind. Wir warfen die Eventmaschinerie ein Stück weit an. Ich kenne das aus den Staaten. Da habe ich in einem der besten Museen der Welt gearbeitet und kenne das Marketingkonzept dahinter.

kreuzer: Von Leipzig ging die erste deutsche Tiefsee-Expedition aus, in Ihrem Haus lagern Teile von deren Entdeckungen.

LEDER: Ja. Die Wissenschaftshistorie wurde über Jahrzehnte vernachlässigt. Das hat in Leipzig fast schon Tradition. Hier waren einige der größten Wissenschaftler ihrer Zeit tätig. Jede andere Stadt hätte diesen Spitzenleuten ein Denkmal errichtet. Nur hier hat man sich viel stärker auf Kunst und Musik konzentriert. Ich will gar nichts streitig machen, sondern: Es braucht wieder ein gesundes Gegengewicht. Das ist mein oberstes Ziel, den Leipzigern diese wissenschaftlichen Leistungen nahezubringen.

kreuzer: Neben der Musikstadt also auch die Naturforscherstadt?

LEDER: Ja. Hier wurden Nobelpreise gewonnen. Die erste deutsche Tiefsee-Expedition hat in Leipzig begonnen und wurde ausgewertet: 24 Bände sind ein Meilenstein der Wissenschaft. Das ist nur wenigen bewusst. Ich bin als Student immer mal wieder darüber gestolpert. Die Geschichten, die diese Gelehrten erzählen können, wenn man sie lässt, sind faszinierend. Ich glaube, das zieht. Man muss sehr viel mehr dem Storytelling verfallen, gerade im archäologischen Bereich. Nach dem 50. Topf guckt da keiner mehr hin. Man muss die Geschichte des einen besonderen erzählen.

kreuzer: Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

LEDER: Als ich anfing, hatten wir 8,75 Stellen, verteilt auf 10 Mitarbeiter. Jetzt sind wir bei 13,75 Stellen für 15 Mitarbeiter, beantragt habe ich zusätzliche 16 Stellen. Dann kommt man auf das notwendige Niveau, um ein solches Haus betreiben zu können. Das ist ein wichtiges Signal, dass diese ganze Sache nicht nur ein Lippenbekenntnis war. In der Zwischenzeit müssen wir die Bestände aufarbeiten. Was ich in den letzten Jahren hier entdeckt habe an Schätzen!

kreuzer: Zum Beispiel?

LEDER: Wir sind weit weg von einem naturkundlichen Heimatmuseum. Das ist eine international bedeutsame Institution, mit international bedeutsamen Sammlungen. Ich habe zuletzt wieder Präparate von Eduard Poeppig gefunden, der zu seiner Zeit genauso bedeutend war wie Humboldt. Er war nur einfach nicht so medienaffin, sondern eher ein Misanthrop.

kreuzer: Ist Netzwerken einer Ihrer Pläne?

LEDER: Ich war in einem ganz guten Netzwerk verortet und habe, als ich ans Haus kam, dann diese Kontakte reaktiviert. Als zentrale Institution kann das Naturkundemuseum viele Dinge zusammenziehen. Ob das Umweltforschungszentrum oder das Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung, Dazu arbeiten wir intensiv mit allen Wissenschaftsinstitutionen dieser Stadt und auch überregional zusammen, etwa mit dem Museum für Vorgeschichte in Halle.

kreuzer: Die dortige Klimaausstellung hat ja ­gezeigt, wie man fachübergreifend spannend Wissen vermitteln kann.

LEDER: Die haben mich damals in den USA angerufen und ich habe entsprechend Hinweise gegeben. Denn ich hatte in Kamenz schon eine Klimaausstellung gemacht: »Tropenparadies Lausitz, Klimawandel im Tertiär«. Als ich mir dann die Ausstellung angeschaut hatte, sah ich meine Präparate haufenweise wieder. Außerdem kommt die Gruppe Mammut mit Kind und den drei Löwen hierher. Die sollte unbedingt weiter gezeigt werden.

kreuzer: Welche lokalen Funde halten Sie für besonders spannend?

LEDER: Haie, hier lebten früher große Haie. Wir haben Zähne davon in der Ausstellung mit einer Kantenlänge von acht, neun Zentimetern. Aber da hängt ein Zahn in der Vitrine und die Leute verstehen nicht, was dahintersteckt. Wenn ich aber zeige, dass der Hai 15 Meter lang war, entsteht ein Bild im Kopf. Wir haben haufenweise tolle Präparate und Fossilien. Vom Schreckschwein gibt es nur zwei Fundorte in Europa, einer ist der Südraum Leipzigs. Dieser Schweineverwandte war riesig groß und sehr respekteinflößend.

kreuzer: Sie könnten den Dinosaurierkult ablösen?

LEDER: Auf jeden Fall. Die Urviecher aus dem Tertiär sind ähnlich beeindruckend. Mit dem Südraum Leipzig haben wir eine wundervolle Spielwiese, die tolle Welten schafft und die Fantasie beflügelt. Ein Stück weit haben wir das schon mit dem Bergbau-Technik-Park aufgenommen. Dort eröffnete jetzt der Tertiärspielplatz, da habe ich ein wenig fachlich beraten bei den Haien oder einer Seekuh. Kinder fragen immer: »Was ist denn eine Seekuh?« Ich bin in Florida mit Seekühen geschwommen, das ist beeindruckend. Solche Momente hier auch zu generieren, ist wichtig.

kreuzer: In Leipzig können Sie nicht mit Seekühen schwimmen. Was ist hier Ihr Rückzugsort?

LEDER: Mein Heim mit meiner Familie, meinen Kids und meiner Frau, steht an erster Stelle. Ansonsten betreibe ich nach wie vor Skilanglauf. Ich war jahrelang professioneller Sportler.

kreuzer: Sie treten noch bei Wettkämpfen an?

LEDER: In der Seniorenklasse. Wettläufe sind Pflichttermine. Beispielsweise im Thüringer Wald bei den Landesmeisterschaften bin ich gern dabei und will immer aufs Treppchen. Wenn ich Zweiter bin, werde ich sackig. Im Sommer mache ich Skirollern und Mountainbiken. Diese große Leidenschaft teile ich mit meiner Frau.

kreuzer: Skirollern, also Langlauf auf Rollen, kann man in Leipzig? Macht das denn Spaß ohne Gefälle?

LEDER: Am Markkleeberger See gibt es eine Weltcup-Strecke, eine großartige Runde mit ordentlich Gefälle. Das ist das Tolle an Leipzig, dass eigentlich für alles, was man möchte, etwas da ist.

kreuzer: Wenn Sie ein zweiter Platz ärgert, kann man der Verwaltung eigentlich nur raten, dass Ihre Museumsvision kommt.

LEDER: Sonst wäre ich nicht angetreten. Diese Stadt braucht ein großartiges Naturkundemuseum. Wir beklagen uns, dass wir keine Ingenieure haben, dass Naturwissenschaften ausbluten. Dann bezahlt sie richtig, bildet gut aus und zieht eure Kinder entsprechend heran. Ich bin geprägt worden durch solche Häuser. Als Pimpf war ich das erste Mal im Meereskundemuseum Stralsund – das sind prägende Momente. Wir haben hier Potenzial für das, was man als gelernter DDR-Bürger polytechnischer Unterricht nennt. Für jeden Bedarf ist etwas vorhanden, das ist wirklich einmalig.

kreuzer: Das gilt für Sie auf allen Bereichen?

LEDER: Klar, auch für die Kultur. Es gibt nicht nur Oper und Gewandhaus. Es ist auch eine freie Szene, es gibt Skaterhallen, die suburbane Kultur prosperiert. Kultur hat einen hohen Stellenwert. Bei aller Jammerei darf man nicht vergessen, dass diese Stadt verdammt viel Geld in Kultur steckt.

kreuzer: Wozu auch der Zoo zählt. Profitieren Sie von ihm?

LEDER: Es gab mal die Idee, dass wir uns im Zoo einnisten. Das wäre ein Fehler gewesen, denn wir bedienen andere Felder. Der Zoo zeigt die belebte Welt mit belebten Tieren. Bei uns stehen die Tiere still, man kann Studien am Objekt betreiben. Ein Zoo ist eine Konsumzentrale, und deswegen funktioniert das mit dem gastronomischen Angebot wunderbar. Ein Naturkundemuseum ist ein Lernort.

kreuzer: Ist es ungewöhnlich, dass mit ­Kocmoc eine Leipziger Agentur die Umsetzung der ­Museumskonzeption betreut?

LEDER: Ich wollte jemanden aus der Region, da es vieles vereinfacht und mehr Herzblut mitspielt. Aber es war ein europaweites Ausschreibungsverfahren. Ich war im Endeffekt froh, dass sich Kocmoc mit Abstand am besten präsentiert haben vor dem unabhängigen Gremium.

kreuzer: Wird es das angekündigte Mammut-­Hologramm in jedem Fall zu sehen geben?

LEDER: Momentan ist bei drei Metern Höhe Schluss. Fürs Mammut bräuchten wir drei Meter fünfzig, das bekommen wir schon hin. Ich möchte damit die ganze Geschichte erzählen: Die aus der Nähe von Borna stammenden Knochen sind eines der vollständigsten Mammutskelette, die je gefunden wurden. Es hat im Grassi-Museum gestanden und war in der zentralen Halle das Objekt schlechthin. Im Krieg ist es zerstört worden bis auf einige wenige Reste, die wurden zusammengekehrt. Unterkiefer, Vorderfuß und Hinterfuß kamen zu uns.


Biografie
Ronny Maik Leder wurde 1977 in Ilmenau geboren, wuchs in Zella-Mehlis auf, entschied sich gegen Olympia für ein Studium der Geologie und Paläontologie; bis 2014 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Geologisch-paläontologischen Sammlung der Uni Leipzig. Seit Ende 2016 arbeitet er als Direktor des Naturkundemuseums.

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