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Bauhaus begründet Auftrittsverbot für Feine Sahne Fischfilet mit historischen Aussagen

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Im Rahmen der Konzertreihe zdf@bauhaus sollte die Punkband Feine Sahne Fischfilet in Dessau auftreten. Nachdem rechte Gruppierungen Proteste angekündigt hatten, verbot die Stiftung Bauhaus den Auftritt der Band. Man wolle nicht zum Austragungsort politischer Agitation werden. Dabei wurden auch historische Aussagen bemüht – und wesentliche Aspekte der Geschichte des Bauhaus ausgeklammert.

Bereits seit 2011 vermietet die Stiftung Bauhaus ihre berühmte Aula für Konzerte für die Reihe »zdf@bauhaus«, bei der unter anderem Künstler wie Sido, Kettcar oder Fehlfarben aufgetreten sind. Mit Blick auf das für den 06. November angekündigten Konzert der Punkband Feine Sahne Fischfilet will die Stiftung nun allerdings von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und hat das ZDF aufgefordert, das Konzert abzusagen. In einer Pressemitteilung erklärt man, »politische extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft – auf der auch das historische Bauhaus beruht – spalten und damit gefährden.«

Das offizielle Statement der Stiftung schließt mit einem Zitat aus einer Presseerklärung des Bauhaus aus dem Jahr 1920: »Zu den wiederholten Beschuldigungen einer radikal-politischen Parteinahme im Bauhaus haben die Leitung und der Meisterrat schon mehrfach mit der Erklärung Stellung genommen, dass jede politische Tätigkeit im Bauhaus von jeher untersagt war.«

Mit der Verwendung dieses Zitats zeichnet die aktuelle Stiftung ein Bild, nach dem die Institution Bauhaus ein Ort fernab politischer Streitigkeiten sei, der sich neutral abseits des Geschehens stelle und sich dem politischen Diskurs entziehe. Was dabei unter den Tisch fällt: Auf diese Aussage aus der Frühphase des Bauhaus folgten politische Entwicklungen, denen sich das Bauhaus nicht mehr entziehen konnte. 1925 zog das weiterhin als links und internationalistisch geltende Bauhaus aufgrund des politischen Drucks im von rechten Kreisen regierten Weimar erst an den Standort Dessau. Dort wurde die Schule 1932 durch die NSDAP geschlossen wurde.

Die nüchterne Formensprache des Bauhaus galt den Nazis als entartet, die Schule selbst als jüdisch oder bolschewistisch. Ein Großteil der ehemaligen Schüler und Lehrer musste unter den Nationalsozialisten das Land verlassen, im inneren Exil arbeiteten oder wurde ins KZ deportiert – wie beispielsweise der Leipziger Franz Ehrlich, der am Dessauer Bauhaus studierte, 1935 ins KZ Buchenwald deportiert wurde und dort die Beschriftung »Jedem das Seine« am Tor entwarf.

In einem ersten Gespräch mit dem kreuzer zeigte sich ein Mitglied von Feine Sahne Fischfilet vor allem aufgrund dieser historischen Entwicklung enttäuscht über die Absage. Ein offizielles Statement der Band soll allerdings erst in den nächsten Tagen folgen, bis dahin möchte man sich mit Aussagen zurückhalten. Auch die für die Programmgestaltung verantwortliche Produktionsfirma TVT war bisher nicht zu einem Statement bereit.

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