Startseite / Stadtleben / Editorial 12/2018

Editorial 12/2018

Das neue Heft ist da!

Größeres Bild

An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Dezember-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe berichtet von einigen personellen Veränderungen im kreuzer-Hafen und davon, was das neue Heft zu bieten hat.

7.784 Menschen starben im letzten Jahr in Leipzig. Das sind 21 Tote pro Tag oder wenn man so weit rechnen will: Alle 67 Minuten gibts einen neuen Toten in Leipzig-City, rund um die Uhr. Sehen wird man sie kaum, die Verblichenen, ebenso wenig die Zeichen ihrer letzten Reise. Der Tod wird gut versteckt in unseren Breiten, in unserer Zeit – und trotzdem ist er alltäglich. Doch wie geht eine Stadt mit ihnen um, all den Toten und den Trauernden? Was ist die Infrastruktur des Todes in Leipzig? Das waren die Ausgangsfragen unserer Geschichte über Tod und Sterben in Leipzig. Franziska Reif und Tobias Prüwer haben die Ergebnisse ihrer langen Recherche in unserer Titelstrecke ab Seite 16 aufgeschrieben. Sie haben nicht nur in Amtsstuben, Krankenhäusern und Trauergruppen gefragt, sondern auch mit Juna und Norwin zusammen beobachtet, wie Kinder Bekanntschaft mit dem Ende des Lebens machen und lernen, über den Tod zu sprechen. Aber wer weiß schon, was danach noch alles passiert? Am Ende ist nur eines sicher: So richtig tot ist man erst, wenn Frau Schlegel im Standesamt ihre Enter-Taste drückt. Exitus.

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Das ist auch so ein ewigdeutscher Spruch, den keiner mehr hören kann – der aber ebenso universelle Wahrheit besitzt wie jener mit der Wurst. Und so geht es auch beim kreuzer: Mit dieser Ausgabe verlassen uns hier in der Redaktion gleich drei altgediente Reckinnen und Recken: Juliane Streich, die seit zehn Jahren die Musik- und seit sieben Jahren zusätzlich die Onlineredaktion leitet, wird in Zukunft noch mehr Bücher schreiben und tolle Geschichten recherchieren. Olaf Schmidt, seit zwölf Jahren Chef des kreuzer-Literaturressorts, wird Feuilleton-Redakteur bei der Wochenzeitung Der Sonntag. Lucas Grothe, Redakteur für Kinder und Familie, nimmt sich in Zukunft mehr Zeit für ebendiese. Uns Übriggebliebenen werden sie fehlen. Aber sie sind ja nicht gestorben. Zum Glück! Frau Streich und Herr Grothe werden weiter für den kreuzer schreiben, große Geschichten vorzugsweise. Und Herr Schmidt? Ob er wirklich vom kreuzer lassen kann, werden wir ja noch sehen. Im Namen der gesamten kreuzer-Mannschaft danke ich euch dreien von ganzem Herzen! Und grüße euch mit Xzibit: »X to the Z and we all in the family.«

Und der Anfang? Ja, den gibt es auch. Am allerdeutlichsten in unserer neuen Onlineredaktion, die auf der Website www.kreuzer-leipzig.de ab sofort eine Schippe Journalismus drauflegt: Dort sind Nadja Neqqache und Aiko Kempen damit beauftragt, den kreuzer-Stadtjournalismus verstärkt auch im Internet zu betreiben. Wir investieren hier nämlich gerade, getreu dem Motto: Give a hippie much money and everything can happen. Einiges davon wird sich in Zukunft auch im Heft niederschlagen, wie diesmal schon auf Seite 30: Dort berichtet Kempen darüber, wie die Leipziger Justiz offenbar versucht, das ganze Ausmaß des Neonaziüberfalls auf Connewitz vom 11. Januar 2016 von der Öffentlichkeit fernzuhalten – eine Recherche, die zuerst bei kreuzer-online erschien.
Nadja Neqqache ist Absolventin der Leipziger Journalistik und hat in der Zentralredaktion der Funke Mediengruppe in Berlin volontiert. Neqqache ist zudem Grimme-Preisträgerin 2016 – zusammen mit dem Kollektiv von Straßengezwitscher. Aiko Kempen, Literaturwissenschaftler und Musiker mit 23 Tourneen in 24 Ländern, arbeitet seit vielen Jahren als freier Journalist vorwiegend für Vice Online und ist in Leipzig in der Erwachsenenbildung tätig. Liebe Nadja, lieber Aiko, herzlich willkommen auf dem Boot! Wenn ihr nicht weiterwisst, fragt euch einfach: Was hätte Neil Young getan? Mach ich auch immer so.

Ja, und zu guter Letzt berichte ich von einem, der sich letztens fast eingepinkelt hat. Aber nur fast. Mit solcherart Bildsprache nämlich bewarb sich ein gewisser Kay Schier um die vakante Stelle in der kreuzer-Musikredaktion: »Als ich die Ausschreibung derselben bemerkte, habe ich vor Freude beinahe eingepinkelt nicht lange gezögert, denn der kreuzer begeistert mich mit seinem anspruchsvollen Journalismus, seit ich vor vier Jahren nach Leipzig gekommen bin. Besagter Posten wäre mein momentaner Traumjob.« Na, was soll man dazu sagen? Herzlich willkommen an Bord, Kay!

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich eine gute Lektüre und ein geruhsames Weihnachtsfest, bleiben Sie bloß zu Hause (s. S. 48). Und nie vergessen: Es gibt Tage, da verspeist man den Bären, und es gibt Tage, da wird man vom Bären verspeist.

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare