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Bilder der Allmacht

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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Und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht…

Andreas Kötzing beschäftigt sich schon länger mit dem Verhältnis von Politik und Film, insbesondere im Kalten Krieg. Mit »Bilder der Allmacht« gibt er nun einen Sammelband heraus, in dem die Darstellung der Stasi in Film und Fernsehen analysiert wird. Am 22. Januar stellt er sein Werk im Gespräch mit Knut Elstermann vor. Im Anschluss gibt es den Krimi »Schwarzer Samt«, der 1963 in Leipzig entstand. Ein ausführliches Interview mit Andreas Kötzing findet ihr im aktuellen kreuzer.

»Bilder der Allmacht. Die Staatssicherheit in Film und Fernsehen« – Buchvorstellung und Filmvorführung: 22.1., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Film der Woche: Zain ist vermutlich erst zwölf Jahre alt – sein exaktes Alter kennen weder er selbst noch seine Eltern – doch sein Leben ist bereits ein Scherbenhaufen. Wegen einer Messerattacke sitzt er im Jugendknast und was genau er getan hat, erfährt man erst in Rückblenden. Den Rahmen dafür bildet ein Prozess, den Zain selbst angestrengt hat: Er will seine Erzeuger dafür verklagen, dass sie ihn in diese trostlose Welt gesetzt haben. Den überwiegenden Teil der Handlung nimmt jedoch ein, wie der Ausreißer von der illegal in Beirut lebenden Rahil aufgenommen wird und sich liebevoll um deren einjährigen Sohn Yonas kümmert. Die Elendsviertel, aber auch den Alltag in Zains Familie, zeigt der Film stets aus dem Blickwinkel des Jungen, betreibt dabei aber glücklicherweise keinen cineastischen Armutstourismus. Stattdessen gelingt Regisseurin Nadine Labaki mit Hilfe von Laiendarstellern ein ebenso aufwühlender wie zärtlicher und beinahe dokumentarischer Blick auf die Außenränder der Gesellschaft. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Capernaum – Stadt der Hoffnung«: ab 17.1., Passage Kinos, Schauburg

Carlos »Yuli« Acostas Geschichte beginnt im Kuba der späten Siebziger Jahre. Der junge Carlos ist ein begeisterter Tänzer. Allerdings benutzt er die Moves nur dazu, um sich auf den Straßen zu behaupten. Eines Tages zieht ihn sein strenger Vater an den Ohren aus einem weiteren Battle und schleift ihn zur renommierten Ballettschule in Havanna. Wenn er mit dem »Arsch wackeln« will, dann soll er es hier tun. Mit diesen Worten zwingt ihn sein Vater dazu, die kommenden Jahrzehnte zu schuften, damit er eines Tages zu den Besten gehört. Doch Yuli braucht lange, bis er die Begeisterung fürs Ballett entdeckt und sein immenses Talent annimmt. Die Sehnsucht nach der Heimat, seiner Familie und der Liebe seines Vaters macht ihn zu einem Rastlosen. Die Stationen auf seinem Weg setzte Acosta selbst in Bewegung um. Zwischen der Bühne und dem Leben schneidet die spanische Regisseurin Icíar Bollaín immer wieder hin und her. Ein starkes Künstlerporträt, das Yulis Leben und seine Leidenschaft mit der Kunst des Filmemachens Ausdruck verleiht. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Yuli«: ab 17.1., Passage Kinos

Kaum eine Wahl hat die Öffentlichkeit so stark beschäftigt wie die von Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Als einer der wenigen, die das Ergebnis vorhergesagt haben, offenbart Oscar®-Preisträger Michael Moore die Umstände und Mechanismen, die zur Machtergreifung des umstrittenen Kandidaten geführt haben. Im Fokus seiner Kritik steht dabei nicht nur der Präsident selbst, sondern vor allem auch das Versagen der Demokraten.

Furchtlos, provokativ und hochgradig unterhaltsam seziert Michael Moore die politischen und gesellschaftlichen Prozesse bis zu Donald Trumps Amtseinführung und prangert soziale Ungleichheit an. Dabei bleibt er nicht bei der Frage, wie es dazu kommen konnte, sondern ruft alle Amerikaner zu politischem Engagement und Widerstand auf. »Fahrenheit 11/9« feierte seine umjubelte Weltpremiere beim Toronto International Film Festival.

»Fahrenheit 11/9«: ab 17.1., Passage Kinos, Schauburg

Sie wollen einfach nur raus. Weg von ihrem festgefahrenen Leben. Das Angebot ist reizvoll: Ein mysteriöser Typ im Internet bietet einen Ausweg, einen Pfad zurück zu den Wurzeln. So treffen sich fünf Wildfremde im Wald. Alle sind um die zwanzig. Was sie zurücklassen, darüber schweigen sie. Das ist eine der Regeln, die der Fremde aufgestellt hat. Lediglich die letzten 24 Stunden im Leben von Glocke (Matti Schmidt-Schaller) erleben wir zu Beginn mit. Wie er einen Luxuswagen in die Luft jagt, vor der Polizei flieht, von seinen Freunden verraten wird und fliehen muss. Er ist unser Einstieg in die Reise mit ungewissem Ausgang. Zu Beginn sind die Fünf vorsichtig, folgen den Hinweisen des Fremden und legen schließlich ihre Schutzmauern ab. Da ist Judith (Milena Tscharntke), in die sich Glocke verliebt, Steffi (Matilda Merkel), deren Tattoos, das blaue Auge und ihre Einstellungen von einer Flucht aus der rechtsextremen Szene zeugen, der finanziell besser gestellt Elias (Tom Gronau) und Paule (Enno Trebs), die gute Seele der Gruppe. Sie genießen die Freiheit, das unbeschwerte Leben im Wald, doch als sich herausstellt, dass einer von ihnen nicht die Wahrheit sagt, kehrt sich die Stimmung um.
Der schnell geschnittene Auftakt zieht uns in die Story, die gesellschaftskritische Rede, die Glocke den Polizisten hält, legt die Haltung des Regisseurs und Co-Autors Philipp Hirsch dar. Er hat eine Message und erreicht damit viele, die mit der Welt in der wir leben nicht mehr klarkommen. Doch dann kippt sein Film. Offensichtlich hat er sich für sein Debüt zu viel Vorgenommen. Motive des Horrorfilms tauchen auf, die Parallele zu »Herr der Fliegen« ist überdeutlich, die Handlungen der Figuren werden dagegen immer unschlüssiger. Zudem sind die jungen Darsteller bisweilen selbst überfordert von der Situation. Ein Film der guten Ansätze, von denen wenige aufgehen.

»Raus«: 17.–19., 22./23.1., Schaubühne Lindenfels

Weitere Filmtermine der Woche

The Last Movie 


Ein amerikanisches Filmteam kommt in ein Indio-Dorf in Peru, um dort die Geschichte von Billy the Kid zu verfilmen. Die Einheimischen sind von dem Treiben der Filmleute und besonders vom Stunt-Koordinator Kansas beeindruckt, der sich wie ein General verhält. Als einer der Schauspieler bei den Dreharbeiten tragisch ums Leben kommt, wird das Projekt abgebrochen. Nach dem Abzug des Teams imitieren die Indianer eigene Dreharbeiten. Dabei verschwimmen Realität und Simulation zusehends. Wiederaufführung des Films von 1971 von und mit Dennis Hopper in restaurierter Fassung.


17., 20.1., 21 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei (OmU)

Russisches Kino 


Russisches Kino im Original ohne Untertitel – diesmal mit »T-34«, einem Kriegsdrama, am 18. Januar im Cinestar und am 19. Januar im Cineplex und »VIP Polizist«, einer Geschichte über den jungen Ermittler Grischa am 20. Januar im Cineplex.
18.1., 22.30 Uhr, Cinestar, 19./20.1., 17.30 Uhr, Cineplex (OF)

Wide Queer World Vol. 3
– Film & Diskussion
18.1., 20 Uhr, Ost-Passage Theater

Polnisches Kino 


Polnisches Kino in der Originalfassung mit englischen Untertiteln, diesmal mit dem Sportlerdrama »Underdog«.


19.1., 17 Uhr, 20.1., 20 Uhr, Cineplex

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins 


Beziehungsreigen in der Zeit des Prager Frühlings 1968. Kongeniale Umsetzung des Erfolgsromans von Milan Kundera. – Literatur und Film


22.1., 19.30 Uhr, Haus des Buches

Herbert-Achternbusch-Werkschau

Mit Pyramiden 


Dokumentarfilm von Renate Sami im Rahmen der Herbert-Achternbusch-Werkschau.
23.1., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Hick’s Last Stand 


Hick ist es nach seinem misslungenen ersten Versuch im Film »Atlantikschwimmer« gelungen, in die USA zu reisen. Nun ist er unterwegs durch die vielen verschiedenen Landschaften der »Great Nation«.
23.1., 21 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Original Bitterfeld.
Ein Tag vor 125 Jahren 

24 Stunden Bitterfeld. Der Film zeigt einen beliebigen Tag im Chemiestandort Bitterfeld und Umgebung. – Am 23. Januar mit anschließendem Filmgespräch mit dem Regisseur Marcus Hansbach.
23.1., 18.30 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Filmriss Filmquiz

Filmalarm im StuK! Die beliebte Rateshow rund um alles was flimmert im Quizkeller! Die unterhaltsamen Rateshow rund um Film an jedem vierten Donnerstag im Monat im StuK. Ihr wisst, welche Farbe Marty McFlys Jacke hat? Wer zuerst schoss, Han Solo oder Greedo? Wie die ersten Worte von „Apocalypse Now“ oder die letzten von „2001“ lauten? Ihr könnt alle 50 Schattierungen von Grau aufzählen? Ihr buchstabiert den Handlungsort vom Murmeltiertag im Halbschlaf? Ihr bringt aus dem Stand alle Star Wars Teile in die chronologisch richtige Reihenfolge? Dann seid ihr hier genau richtig!
24.1., 20.30 Uhr, StuK

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