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Ernst genommen

2019 wird wieder gewählt – im März auch fürs Leipziger Jugendparlament

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Noch vor den Kommunal- und Landtagswahlen finden 2019 im März die Wahlen für das Jugendparlament statt. Dessen erklärtes Ziel ist es, die Interessen aller Jugendlichen in Leipzig zu vertreten.

Neues Rathaus, Sitzungssaal 260: Die hohe Decke des Zimmers ist mit braunen Ornamenten verziert, ein großer weißer Tisch und die hellen Leuchter schaffen eine Büroatmosphäre. Hier tagt der Jugendbeirat der Stadt Leipzig. Acht Jugendliche nehmen an diesem Mittwochabend an der einen Seite des Tisches Platz. An der 
anderen sitzen Stadträte der verschiedenen Fraktionen. Gemeinsam stimmen sie über Anträge des Jugendparlaments ab. Es ist eine kurze Sitzung. Die Jugendlichen stellen die Mehrheit des Beirates und führen durchs Protokoll. Eine Stadträtin der Freibeuter stellt die Idee eines Mehrgenerationenspielplatzes vor – der Antrag wird vom Jugendparlament unterstützt. Dagegen fällt der Vorschlag der Grünen für eine Discgolf-Anlage bei den Jugendlichen durch.

Seit 2015 gibt es das Jugendparlament der Stadt Leipzig. Alle zwei Jahre können Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren die Kandidaten für das zwanzigköpfige Parlament wählen. Die Sitzungen sind öffentlich. Beschlüsse, die hier gefasst werden, gehen über den Jugendbeirat als Anträge in den Stadtrat. Das ist eine Besonderheit. Anders als viele der anderen rund 600 deutschen Jugendparlamente können die Leipziger Jugendlichen im Parlament Reden halten und Anträge stellen.

William Rambow ist 22 und Sprecher des Jugendparlamentes. Der gebürtige Leipziger wird in diesem Jahr für die Linken in den Wahlkampf gehen. In welchem Stadtteil, ist noch offen, aber Rambow hat im Jugendparlament seine Lust an der Politik entdeckt. »Ich habe viele Kompetenzen hier gelernt, die ich an der Schule nicht gelernt habe«, erzählt der Politikstudent. Im Rückblick, sagt er, hätte er sich für 
seinen Gemeinschaftskundeunterricht in der Schule gewünscht, Kommunalpolitik intensiver zu behandeln. »Das ist einfach näher an der Lebensrealität von Jugendlichen dran. Da kann man auch Menschen zu einladen und begreifen, wie demokratische Prozesse ablaufen«, sagt er. Ähnliche Erfahrungen wie er haben auch andere Jungparlamentarier gemacht. Tina Trompter ist 17 und macht gerade ihr Abitur. Neben ihrer Arbeit im Jugendparlament der Stadt ist sie aktives Mitglied der CDU. Wie Rambow möchte auch sie sich dieses Jahr für die Kommunalwahlen aufstellen lassen. Die Chancen stehen da noch schlecht. Aber die Abiturientin hat ihren Spaß an der Politik, ähnlich wie ihr Kollege, längst entdeckt. Am Rande der Sitzung des Jugendbeirates erzählt sie von den langen Prozessen, die ein Antrag oft braucht, bis er im Stadtrat angekommen ist – aber auch von den 
Erfolgserlebnissen, wenn einer der Anträge angenommen wird. Etwas, das öfter geschieht, als man vielleicht meinen könnte. So gehen die neuen Trinkwasserbrunnen oder die Einrichtung einer Beschwerdestelle für Menschen, die in Asylunterkünften leben, auf Anträge des Jugendparlamentes zurück.

Noch vor den Kommunal- und Landtagswahlen finden im März die Wahlen für das Jugendparlament statt. Rambow wird dann nicht mehr dabei sein. Mit seinen 22 Jahren ist er zu alt. Maximilian Protzner dagegen will noch einmal zur Wahl antreten. Der 20-Jährige studiert Politikwissenschaft und ist Parlamentsmitglied der ersten Stunde. Er weiß, dass die Wahlen vermutlich wieder nur von einigen 
wenigen wahrgenommen werden – die Wahlbeteiligung bei der ersten Wahl lag bei 4,2 Prozent. Dementsprechend gering ist die Vielfalt. »Meine Mutter kommt aus Großbritannien«, sagt Rambow, »damit bin ich wahrscheinlich die migrantischste 
Person im Parlament.« Neben dem Migrationsanteil ist auch der Anteil an Jugendlichen, die nicht vom Gymnasium kommen, sehr gering. Ein Wermutstropfen für ein Parlament, dessen Aufgabe und erklärtes Ziel es ist, die Interessen aller Jugendlichen in Leipzig zu vertreten.

Nach einer guten Viertelstunde ist die Sitzung des Jugendbeirates vorbei. Die anwesenden Stadträte und die Jugendlichen verabschieden sich voneinander. Der Umgangston ist respektvoll. Die Jugendlichen haben sich ihren Platz im Ratsbetrieb erkämpft. »Wir werden jetzt ernst genommen«, sagt Protzner. Ein Eindruck, den
seine Kollegen bestätigen.

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