Startseite / Film / Oscar für Leipzig

Oscar für Leipzig

Die Kinostarts der Woche im Überblick

Größeres Bild

Und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht…

Die Oscars rollen an: Auch wenn die Nominierungen in diesem Jahr kaum Spannung versprechen, nach wie vor ein Moderator fehlt und die Verantwortlichen bei der Academy sowieso jede Gelegenheit nutzen, um ihre Veranstaltung zu diskreditieren – wir sitzen in der Nacht zum Montag trotzdem wieder mit dem Tippzettel davor und fiebern mit. Bis dahin habt ihr noch die Gelegenheit, viele Nominierte in den Leipziger Kinos zu sehen: Mit zehn Nominierungen führen »The Favourite – Intrigen und Irrsinn«, den es noch im Luru-Kino in der Spinnerei, der Schaubühne Lindenfels und in den Passage Kinos zu sehen gibt, gleichauf mit »Roma«, den ihr im Luru-Kino in der Spinnerei nachholen könnt, den Oscarreigen an. Mit acht Oscarnominierungen hat auch »Vice – Der zweite Mann« gute Chancen, der in dieser Woche in den Passage Kinos und im Regina Palast startet. Gewinner der Herzen für den besten Animationsfilm ist Wes Andersons »Isle of Dogs – Ataris Reise« (Kinobar Prager Frühling, 24.2., 16 Uhr), die animierten Kurzfilme gibt es in der Kinobar zweimal am Sonntag zu sehen. Und wer Glenn Closes großartige Leistung in »Die Frau des Nobelpreisträgers« bewundern will oder den hoffnungsvollsten Aspiranten für den besten nichtenglischsprachigen Film, »Capernaum – Stadt der Hoffnung«, geht in die Schauburg.

Film der Woche: Lee Israel (Melissa McCarthy) ist am Boden angekommen. Einst war sie eine gefragte Biographin historischer Persönlichkeiten, die sich glänzend in die Haut anderer hinein versetzen kann. Aber die Nachfrage ist geschwunden und ihre kratzbürstige Art macht es niemandem leicht, sie zu mögen. Die Sorgen verdrängt sie an der Bar und so kommt es, dass Lee mit ihrer Miete im Rückstand ist. Aus der Not heraus kommt sie auf die Idee, einen Brief der Schauspielerin Fanny Brice zu fälschen und ihn an ein Antiquitätengeschäft zu verkaufen. Motiviert durch den schnellen Erfolg wird bald ein lukratives, aber höchst heikles Geschäft daraus. Melissa McCarthy, sonst eher für Brachialkomik bekannt, zeigt hier eine neue Seite: Uneitel, nuanciert und mit schnoddrigem Humor porträtiert sie eine einsame Seele im Großstadtdschungel. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Can you ever forgive me?«: ab 21.2., Regina Palast

Die Erzählung setzt ein am Schicksalstag der USA, dem 11. September 2001. Die »westliche Welt« erstarrt nach den Terroranschlägen in Angst und Schrecken. Derweil wittert Cheney, im Nebenjob CEO des Erdölkonzerns Halliburton, mit dem umstrittenen Einmarsch in den Irak eine lukrative Chance. Wen juckt da schon das Völkerrecht? Seinen Boss George W. Bush jedenfalls nicht. Ebenso wenig die geliebte Gattin und Macht-Muse Lynne. Ein Käfig voller weltfremder, nur auf den eigenen Vorteil bedachter Narren – so porträtiert McKay hier die Verantwortlichen des sogenannten »War on Terror«. Sehr zum Vergnügen des Zuschauers. Bitterböser Humor, originelle Einfälle en masse und das hochkarätige Ensemble sorgen trotz tragischer Thematik für Bombenstimmung. Ausführliche Kritik von Karin Jirsak im aktuellen kreuzer.

»Vice – Der zweite Mann«: ab 21.2., Passage Kinos, Regina Palast

Die »Love in Action«-Einrichtung in Memphis, im US-Bundesstaat Tennessee, wirkt wie ein Relikt archaischer Zeiten. Dabei ist es gerade mal 15 Jahre her, als sich Garrard Conley hier selbst auscheckte. Seine Eltern hatten ihn hierher gebracht. Vor allem sein Vater, ein Baptistenpfarrer, konnte es nicht hinnehmen, dass sein Sohn Männer liebt. Homosexualität gilt auch unter gläubigen Baptisten immer noch als Krankheit, eine Sünde von der man gereinigt werden muss. So auch im Hause von Pfarrer Marshall (Russell Crowe) und seiner treu ergebenen Frau Nancy (Nicole Kidman). Als Garrard (im Film Jared, Lucas Hedges) ihnen gesteht, dass er schwul ist, vertraut sein Vater auf den Rat des Konzils. Er schickt Garrard in eine „Umerziehungsanstalt“ für Homosexuelle. Der 19-jährige ist verwirrt und lässt sich auf die „Therapie“ des windigen Leiters Victor Sykes (Joel Edgerton) ein. Er beobachtet die erniedrigenden Maßnahmen an seinen Mitschülern, wie jeder einzelne versucht, mit der Situation umzugehen. »Der verlorene Sohn«, die Adaption der Aufzeichnungen Conleys, konzentriert sich auf diese Beobachtungen. Er nimmt das krankhafte Vertrauen in Gott wahr, zeigt die unmenschlichen Bedingungen in der Einrichtung aber nur im Ansatz. Im Grunde sind alle seine Figuren nur hilflos rudernde im Meer des Lebens. Lucas Hedges bietet den ruhigen Pol des Films. Wie zuletzt in »Ben is back« strahlt er eine Aufrichtigkeit aus, die den Zuschauer sofort für seine Figur einnimmt. Dagegen wirken gestandene Charakterdarsteller wie Crowe und Kidman blass. »Der verlorene Sohn« ist ein wichtiger Film vor allem für die amerikanische Gesellschaft, in der Homosexuelle von der christlich geprägten Mehrheit nicht toleriert werden. Der heimische Kinozuschauer schaut drauf und wundert sich, auch über die bisweilen doch recht hüftsteife Inszenierung.

»Der verlorene Sohn«: ab 21.2., Passage Kinos, Schauburg

Bei einem heimlichen Ausflug in die Kastanienfabrik seines Dorfes landet ein junger unerschrockener Marienkäfer versehentlich in einer Pappschachtel und wird in die Karibik verschifft. Ohne zu zögern, begibt sich sein Papa auf eine abenteuerliche Reise, um den geliebten Nachwuchs zu finden. Kaum wieder vereint, stehen sie vor der nächsten Herausforderung: Die Heimat ihrer neuen karibischen Marienkäferfreunde ist in Gefahr, von einer großen Baufirma zerstört zu werden. Zum Glück kann unser Held auf seine tierischen Freunde zählen, allen voran die schwarze Ameise und die clevere Spinne, die aus der Heimat zu Hilfe eilen. Gemeinsam entwickeln sie einen ausgeklügelten Plan, um das idyllische Paradies zu retten. Die Winzlinge auf großer Fahrt: Der zweite Kinoausflug in die wuselig-putzige Tierwelt, die der erfolgreichen französischen Serie »Miniscule« entsprungen ist, ist wieder ein wilder, witziger Mix aus Animation und Realfilm.

»Die Winzlinge – Abenteuer in der Karibik«: ab 21.2., Passage Kinos, Cineplex, CineStar, Regina Palast

Weitere Filmtermine der Woche

Agrokalypse 


Bis zu 12 kg Soja oder Getreide muss man verfüttern, um daraus 1 kg Fleisch zu gewinnen. Und um den weltweit steigenden Fleischkonsum zu decken, wird dementsprechend immer mehr Futtermittel angebaut. Aber was für Konsequenzen haben dieser rasant wachsende Agrarsektor und der enorme Fleischkonsum der westlichen Welt? – anschl. Gespräch mit Gästen von BUND Leipzig und Amnesty International
21.2., 18 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Das Kongo Tribunal 


Anhand eines Tribunals vor Ort im Ostkongo sowie in Berlin werden die Gründe und Hintergründe für den seit bald 20 Jahren andauernden Krieg im Gebiet der Großen Seen durchleuchtet. Dabei entsteht ein menschlich erschütterndes, analytisch tiefgründiges Tableau der neokolonialen Weltordnung. – anschl. Podiumsgespräch und transmediale Installation


21.2., 19 Uhr, Grassi-Museum für Völkerkunde

Ghosts … of the Civil Dead 

(AU 1988; OmU)
Im Rahmen der Ausstellung »Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft« im Grassi-Museum für Angewandte Kunst
Australien 1980: Schauplatz ist ein Hochsicherheitsgefängnis mitten in der Wüste. Dort haben sich Mikrostrukturen von Macht und Unterdrückung gebildet. So erpresst der aus England stammende Captain Morris Stanley den Gefangenen Charlie mit der Hinrichtung dessen Bruders. Es sei denn, Charlie kann den flüchtigen Arthur, der gefürchet ist und sich in einen Hund verwandeln können soll, an Stanley ausliefern. – im Rahmen der Ausstellung »Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft« im Grassi Museum für Angewandte Kunst
R: John Hillcoat, D: David Field, Mike Bishop, Chris DeRose, Nick Cave, AU 1988, OF, 93 min
21.2., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Zero
Der neueste Bollywood-Streifen mit Shah Rukh Khan.


21.2., 20 Uhr, 24.2., 11 Uhr (OmU), Cineplex, 21.2., 19.30 Uhr, 23./24.2., 15 Uhr, Schauburg

700 km Harz 
Crowdfunding-King Enno Seifried (»Lost Places«) auf einer 700 Kilometer langen Tour kreuz und quer durch den Harz. Am 10.2. in Anwesenheit des Filmemachers und des Protagonisten.
22.2., 20 Uhr, Neues Schauspiel Leipzig

Funeral Parade of Roses 


Adaption der Geschichte des König Ödipus, versetzt in die schwule Subkultur Tokios der 1960er.
22.2., 21.15 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Lords of Chaos 


Der Film beruht auf dem gleichnamigen Sachbuch zu den Geschehnissen in der norwegischen Metal-Szene in den neunziger Jahren rund um die Bands Mayhem und Burzum, deren gesellschaftsverachtende Ideologie auch vor Kirchenverbrennungen und grausamen Mordtaten nicht zurückschreckte. Ab 18. – Freaky Monday
22.2., 22.20 Uhr, Regina Palast, 22.30 Uhr, Cineplex, 22.45 Uhr, Cinestar (OmU)

Survival Strategies for Cold Countries 


Das Dresdner Kollektiv shortfilmlivemusic entwickelt seit 2005 dokumentarische Filmkonzerte, u. a. über das Ankommen der Gastarbeiter in der BRD oder der Vertragsarbeiter in der DDR. In »Survival Strategies for Cold Countries« arbeiten sie erstmals mit dem elektronischen Musiker Ephraim Wegner und dem Schauspieler und Autor Fadi Mhawesch. – Dokumentarisches Filmkonzert


22.2., 20 Uhr, UT Connewitz

Emil und die Detektive 


Erste Adaption des Kinderbuchs, zu der Erich Kästner das Drehbuch gemeinsam mit Billy Wilder schrieb. – Auftakt »Kästner 2019« in der Schaubühne Lindenfels


23.2., 15 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Animation Oscar Shorts 


Eine Auswahl der oscarnominierten Kurzfilme 2019.
24./25.2., 20.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Kibbutz 


Racheli Schwartz begleitet verschiedene Mitglieder der Kibbutz-Gemeinde Hulata, nachdem die Gemeinschaft, die sie selbst über 30 Jahre geprägt hat, auseinanderbrach. – im Rahmen der Ausstellung »Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft« im Grassi Museum für Angewandte Kunst


24.2., 18 Uhr, Grassi-Museum für Angewandte Kunst

Horror-Doppel mit Donis 
Motto diese Woche: Horror im Krankenhaus mit »Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes« um 20 Uhr und um 22 Uhr »Horror Hospital« (Foto).
27.2., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Saturday Church 


Die Suche nach der eigenen Identität führt den 14-jährigen Ulysses in die Ballroom-Szene von New York. – Queerblick


27.2., 19.30 Uhr, Passage Kinos (OmU)

Shorts Attack: Teenage Riot 

Eine Generation in Aktion.
Kurzfilmprogramm: Teenager zwischen Rollenspiel (»Fuck You«), Identitätstest (»Les Zumains (Doller)«) und erotischer Leidenschaft (»En La Azotea«). Mädchen gehen mit ihren Performances auf die Straße (»Juck (Thrust)«, im Foto), Kids mischen ein Museum auf (»Muteum«), Medienkonsum steigert die Realität (»All Your Favorite Shows«), der Tod zeigt sich als Sehnsuchtsort (»Where do Cats Go After 9 Lives«) und Lebensziele sind im Entwurfsmodus (»Megatrick«).


28.2., 20 Uhr, UT Connewitz

Filmriss Filmquiz 


Die beliebte Leipziger Rateshow mit André Thaetz und Lars Tunçay rund um alles, was flimmert, an jedem vierten Donnerstag im StuK.


28.2., 20.30 Uhr, Studentenkeller StuK

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare