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Wir müssen reden

»Cinema Miteinander« baut filmische Brücken zwischen Generationen und Kulturen

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Seit Oktober hat sich in Leipzig eine stetig wachsende Gruppe von jungen Menschen zusammengefunden, um Brücken zu bauen – mithilfe des Mediums Film.

Durch unsere Gesellschaft verläuft ein Graben, gefüllt mit Vorurteilen und Ressentiments, vielfach geschürt aus unbegründeten Ängsten vor »Überfremdung«. Dabei verbindet uns viel mehr als uns trennt. »Wir können so viel voneinander lernen«, sagt Diego Serra vom Verein Sudaca. Seit vielen Jahren setzt er sich 
leidenschaftlich mit den Familiengeschichten seiner Mitmenschen auseinander. 
»Gerade die Deutschen haben oftmals so spannende Geschichten zu erzählen«, sagt der gebürtige Argentinier. Diese Geschichten zu erhalten, für folgende Generationen zu konservieren, war der Antrieb für ihn und seine Mitstreiter, die Initiative »Cinema Miteinander« zu gründen. »Besonders in der heutigen Zeit finde ich es superwichtig, dass die älteren Generationen die Geschichten und Erfahrungen mit den Jüngeren teilen und sie von- und füreinander lernen.«

Seit Oktober hat sich eine stetig wachsende Gruppe von jungen Menschen zusammengefunden, um Brücken zu bauen – mithilfe des Mediums Film. »Es geht um das Treffen von Generationen und Kulturen, von Leipzigern mit und ohne Migrationshintergrund und Menschen im Seniorenalter«, erklärt Serra. Gemeinsam 
stellen sie Filmnachmittage zusammen und laden zum Austausch ein. »Die Jüngeren konzipieren die Veranstaltungen in den Seniorenheimen, überlegen, was wollen wir zeigen, Kurz- oder Langfilme? Und planen die Gespräche. Gleichzeitig überlegen aber auch die Älteren: Worüber können wir reden, wovon können die anderen lernen? Das ist ein Hin und Her.«

Zweimal im Monat finden die Nachmittage seitdem statt und Serra ist überrascht, wie gut sie angenommen werden. »Wir haben viel Zuspruch, vor allem von jungen Leuten, und es gab bei den ersten Veranstaltungen sehr gutes Feedback. Zuletzt haben wir im Seniorenbüro Mitte der Caritas Kurzfilme gezeigt und danach mit den Senioren darüber diskutiert. Die waren supermotiviert und total aktiv, das hat uns sehr gefreut.«

Seit vielen Jahren veranstaltet Sudaca die Lateinamerikanischen Filmtage in Leipzig und Halle und organisiert regelmäßig Workshops für angehende Kulturschaffende. Auch bei »Cinema Miteinander« geht es den Veranstaltern darum, die Treffen nicht selbst zu gestalten, sondern mit den interessierten Leipzigern. »Die jungen Teilnehmer sollen auch lernen, eigene Filmveranstaltungen zu organisieren. Wie man die Filme organisiert, die Finanzierung und Umsetzung, die Pressearbeit, wie man Veranstaltungen bekannt macht. Wir wollen auch etwas mit digitalen Medien machen, zeigen, wie man Ton- und Videoaufnahmen macht, und uns damit gezielt an junge Leute wenden.«

Das Ziel sei es, sagt Serra, die Eigeninitiative der Teilnehmer zu fördern. »Das ist oft schwierig und fordert Geduld.« Die verschiedenen Zielgruppen haben unterschiedliche Ansprüche. »Was wir glauben, was sie wollen, ist nicht unbedingt das, was sie wirklich wollen. Aber das ist auch spannend, denn so können wir sie kennenlernen.« Oftmals werden die Senioren von den Jungen unterschätzt. »Die meisten sind überrascht, was man ihnen alles zutrauen kann.«

Mittlerweile hat sich eine motivierte Gruppe gebildet, die sich regelmäßig trifft. Dazu gehört auch Joleen. Sie ist seit 2016 Teil des Sudaca und brennt für das Projekt: »Ich finde es spannend, dass es Begegnungen hervorruft, die sonst wahrscheinlich niemals stattfinden würden, bei denen das abwechslungsreiche Medium Film eine elementare Rolle spielt.« Der Austausch zwischen den Generationen reizt sie besonders. »Im Vergleich zu anderen Ländern ist es in Deutschland doch eher üblich, die Seniorengeneration außerhalb des eigenen 
Wohnraums betreuen zu lassen – und dabei geht, meiner Meinung nach, viel 
potenzieller Austausch verloren.«

Auch Philipp nutzt die Gelegenheit, »um sich mit aufgeschlossenen Leuten jenseits der siebzig auch mal über schwierigere Themen wie politische Meinungen, gesellschaftliche Probleme und persönliche Krisen zu unterhalten. Es ist für eine starke Gemeinschaft und Gesellschaft essenziell, sich auszutauschen«, findet er.

Für die Zukunft will der Sudaca die Begegnungen zwischen den Generationen und Kulturen gerne ausweiten. »Wir haben auch vor, eine kleine Filmveranstaltung, ein kleines Festival gemeinsam mit den Senioren zu machen«, sagt Serra. »Das wäre super, wenn wir das schaffen.«

http://www.cinema-miteinander.de

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