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Sports & Stories

Die Sportkolumne zu bewegten Körpern und dem ganzen Drumherum

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Der Fußball-Ligaalltag ist mit einigen Neuheiten zurück in der Stadt. Oberligist BSG Chemie Leipzig empfing am Sonntag zum ersten Pflichtspiel 2019 die zweite Mannschaft von Wacker Nordhausen unter ihrem neuen Trainer. Der Teamchef von Lok hat sich immer noch nicht an die fehlende Unterstützung der Fans im Bruno-Plache-Stadion gewöhnt. RB Leipzig gibt sich vor seinem nächsten Heimspiel gegen BVB-Bezwinger Augsburg feministisch.

Dass die Lok-Fans speziell sind, verwundert Teamchef Björn Joppe seit seinem Amtsantritt als Trainer Ende September immer noch. Zumindest begann er sein Statement auf der Pressekonferenz am Samstagnachmittag mit diesen Worten und einer klaren Ermahnung in Richtung blau-gelbe Anhängerschaft.

»Verstehe die Fans nicht«

Nach der Beurlaubung von Heiko Scholz Ende September steht Joppe der Regionalligamannschaft vor – seit Januar im Verbund mit Rainer Lisiewicz. Gleich zu Beginn prägte Joppe das Bild einer Familie bestehend aus Mannschaft, Verein und Fans. Dazu gehört seinem Verständnis nach auch, dass die eigene Mannschaft neunzig Minuten lang lautstark unterstützt wird. Das ist im Bruno-Plache-Stadion derzeit durchaus keine Normalität. Die Fankurve 1966 befindet sich an einer Ecke des Stadions, die weit genug von den anderen Fans der Tribünenseite und Gegengerade sowie dem Spielfeld gelegen ist. Joppe führte daher gemäß seinem Motto »Wir müssen alle mitnehmen« ein, dass die Mannschaft nach der Aufwärmung die Fans auf der Gegengerade und Tribünenseite mit Applaus begrüßen. Meist bleibt von dieser emotionalen Ansprache nach dem Anpfiff seitens der Fans kaum etwas übrig. Und Stille kann einen Trainer am Spielfeldrand auch irritieren.

Denn das Spiel am Samstag war nicht irgendein Spiel. Nach der Auswärtsniederlage gegen den SV Babelsberg 03 vor einer Woche, stand der Regionalligist vier Punkte vor einem Abstiegsplatz in Richtung Oberliga. Als in der 15. Spielminute der BFC zur Führung traf, begann das Stadion nicht zu beben und die Heimelf zum Sieg zu schreien. Stimmung kam erst in der zweiten Halbzeit mit der Führung von Lok auf. Das nervte Joppe, denn bei »Hurra-Fußball« zu applaudieren, kann jeder. Er erwarte neunzig Minuten lang Unterstützung. Von den 300 mitgereisten BFC-Fans war auch nicht viel zu hören. Sie verließen zudem den Gästeblock bevor ihre Mannschaft zum Zaun kam.

Lok spielt nächste Woche bei Rot-Weiß Erfurt und freut sich auf das Sachsenpokal-Halbfinale am 24. April gegen den Chemnitzer FC. Erklärtes Saisonziel ist der Sachsenpokal, den die BSG Chemie Leipzig in der vorigen Saison gewonnen hatte.

»Aufstieg«

Nach einer unendlich wirkenden Vorbereitungszeit und einem verschobenen Auftakt im neuen Jahr, startete Oberligist BSG Chemie Leipzig am Sonntag in den Ligabetrieb 2019 und das gleich mit einigen Premieren. Mit Miroslav Jagatic stand ein neuer Trainer am Spielfeldrand, der mit der Mannschaft unbedingt in die Regionalliga aufsteigen will. Über fehlende Unterstützung von den Rängen konnte sich der Trainer nicht beschweren und feierte nach dem 2 zu 1 Sieg gegen die zweite Mannschaft von Wacker Nordhausen gemeinsam mit der Mannschaft vor dem Norddamm. Zuvor leitete – eine Neuheit im Leutzscher Alfred-Kunze-Sportpark – ein Frauenkollektiv das Spiel. Mit Sandra Stolz stand eine erfahrene Schiedsrichterin der ersten und zweiten Frauenbundesliga auf dem Platz, die in der vergangenen Saison auch das DFB-Pokalfinale pfiff.

Während sich die Fankurve von Lok auf beschrifteten Tapeten an der Beibehaltung der Regionalliga Nordost abarbeitete, standen am Norddamm unter anderem das Polizeigesetz und der Einsatz bei der durch langjährige Fanfreundschaft eng verbundenen Anhängerschaft von Eintracht Frankfurt auf dem Plan.

Am nächsten Sonntag tritt Chemie gegen die Zweite von Carl Zeiss Jena an und da gilt es die Siegesserie auszubauen. Aktuell steht die Mannschaft mit einem Spiel und drei Punkten weniger als Tabellenführer Luckenwalde auf Platz 2.

Mädels an die Megaphone

Anlässlich des Internationalen Frauentags organisiert der »Vitaminpartner« von RB Leipzig – eine Fruchtsaftfirma aus Österreich – die Verlosung von insgesamt 40 Freitickets an Frauen für das Samstagspiel gegen den FC Augsburg. Die Aktion nennt sich »Mädelskurve« – in einem Stadion mit 43.000 Sitzplätzen und bei einem Verein, der eine einzige Frau als Mitglied nachweisen kann.

Aber es gibt noch zwei weitere Auffälligkeiten. Zum einen spricht RB von weiblichen Fans meist nur im Zusammenhang mit Familie – und denkt »Mütter«. Das ist diesmal nicht der Fall. Dafür wirbt die Aktion mit einem nahezu revolutionären Bild: Zwei gut gelaunt wirkende junge Frauen mit jeweils einem Megafon in der Hand und Sonnenbrille auf der Nase. Sie wirken ultraaffin, als würden sie in der Kurve den Ton angeben. Ja, mit gleich zwei weiblichen Capos wäre RB absoluter Vorreiter – nicht nur in Deutschland. Dieses Image nun aus einem Sponsorentermin zu generieren, passt nur schwer in das Bild eines paternalistisch geführten Klubs.

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