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»Wegschmeißen!«

Leipziger Klimaforscher über das Schüler-Klimaquiz der AfD bei »Fridays for Future«

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Die AfD Sachsen will bei den Klimademos von »Fridays for Future« ein »Quiz« verteilen, das den Grund der Proteste in Frage stellt. Wir haben einen Klimaexperten gefragt, was dahinter steckt und wie Schüler und Schülerinnen am besten auf den Fragebogen reagieren sollten.

Seit Wochen schon demonstrieren jeden Freitag in zahlreichen Städten Europas Schüler und Schülerinnen unter dem Motto »Fridays for Future« für einen Wandel in der Klimapolitik. Auf ihrem letzten Parteitag am vergangenen Wochenende hat die AfD Sachsen angekündigt, zukünftig bei den Schülerprotesten Zettel zu verteilen. Das Parteilogo soll darauf nicht zu sehen sein, stattdessen ist es mit »??? Quiz ???« überschrieben. Nicht nur die kreative Interpunktion, auch der Inhalt wirft Fragen auf. Wir haben uns daher an jemanden gewandt, der sich mit dem Thema auskennen sollte. Hartmut Herrmann ist Professor am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig und leitet die Abteilung Chemie der Atmosphäre.

kreuzer: Was sagen Sie zu dem Fragebogen, den die AfD auf den »Fridays for Future«-Demos verteilen möchte?

HARTMUT HERRMANN: Dieses ganze »Quiz« ist so formuliert, wie Klimaskeptiker das eben tun. Sprich: am menschengemachten Klimaproblem soll überhaupt nichts dran sein. Genau das soll dieser Fragebogen suggerieren. Das ist absolut tendenziös und unseriös. Schon die erste Frage kann man so nicht formulieren. Es gibt viele Experimente, aus denen die gewonnenen Daten in Modelle eingespeist werden. Klimaskeptiker verkürzen das auf ihre Weise – wie auch in diesem Fall. Der Treibhauseffekt ist Mittelstufenphysik, das kennt jeder. Da muss man nicht diskutieren, dass es sowas gibt.

(Anmerkung d. Red.: Die erste Frage lautet: »In wie vielen wissenschaftlichen Experimenten oder Versuchen wurde bereits nachgewiesen, dass die CO2-Emissionen der Menschheit den Klimawandel wesentlich beeinflussen? a) 73 b) 46 c) in keinem, die Ergebnisse stammen aus Klimacomputermodellen.«

kreuzer: Müssen Sie sich häufig mit derartiger Kritik auseinandersetzen? Und sehen sie hier ein Muster?

HERRMANN: Das sind alles typische Argumentationsweisen der Klimaskeptiker. Seriöse Kollegen würden in der Klimadiskussion niemals derart vereinfacht argumentieren. Skeptiker versuchen hingegen alle Sachverhalte so darzustellen, als sei an alledem nichts dran.

kreuzer: Wie sollten Schüler und Schülerinnen denn auf den Fragebogen reagieren?

HERRMANN: Wegschmeißen! Ich bin optimistisch, dass die wenigsten Schülerinnen und Schüler darauf reinfallen werden. Die sind in der Regel gut informiert und erreichen im Moment mehr als die Wissenschaftler. Trotzdem finde ich es perfide, was die AfD da vorhat.

Für alle, die sich selbst ein Bild von dem Fragebogen machen möchten: Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf hat das »??? Quiz ???« der AfD in seinem Blog Frage für Frage analysiert: https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/das-klimaquiz-der-afd-die-aufloesung/

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