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Die letzten Kurzen

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

In seinem 16. Jahr ist das Kurzsuechtig Kurzfilmfestival das letzte seiner Art. Nachdem im vergangenen Jahr das UFO die Hufe streckte und die Nacht des radikalen Films schon seit einigen Jahren schläft, ist das Kurzsuechtig tatsächlich die einzig verbliebene Möglichkeit, sich einmal im Jahr in Leipzig einen Überblick über den filmischen Nachwuchs der Region zu verschaffen. Animation, Dokumentarfilm, Fiktion und Experimentalfilm – die Einreichungen sind vielfältig und spannend. Neben der Schaubühne Lindenfels, dem Kunstkraftwerk und dem »Filmachse«-Fachgespräch beim Kameraverleih Ludwig, ist auch erstmals das Passage Kino mit einer Auswahl von animierten Kurzfilmen für Kinder und dem Mittagspausenprogramm »Lunchbox« mit sieben kurzfilmischen Appetithäppchen Teil des Festivalprogramms. Herzstück der Festivalwoche ist weiterhin der Wettbewerb in der Schaubühne Lindenfels. Einen ersten Einblick gibt es auf der Website des Festivals. Wer schließlich das Rennen macht, bleibt bis zur Festivalwoche geheim.

> »16. Kurzsuechtig Kurzfilmfestival«: 3.–7.4., u.a. Schaubühne Lindenfels, Kunstkraftwerk, www.kurzsuechtig.de

Film der Woche

Eine Leinwandlegende nimmt ihren Hut: Nach mehr als 100 Filmen als Schauspieler, Regisseur und Produzent, einem Oscar für sein Regiedebüt »Eine ganz normale Familie« (1981) und zwei Golden Globes verneigt sich Robert Redford vor seinem Publikum. Mit 82 Jahren ist er hier wohl zum letzten Mal in einer Hauptrolle zu sehen, die noch einmal alles in sich vereint, was ihn auszeichnet. Dieser Forrest Tucker ist ein freundlicher älterer Herr mit einem ungewöhnlichen Hobby: Er überfällt gern Banken. Das macht er nicht, um seine Rente aufzubessern. Es geht ihm einzig um den Nervenkitzel, das Gefühl, am Leben zu sein. Allerdings macht ihn seine Obsession zum Einzelgänger. Lediglich seine alten Kumpanen Teddy (Danny Glover) und Waller (Tom Waits) wissen von seinen Eskapaden und helfen bei der Planung. Als er allerdings Jewel (Sissy Spacek) kennenlernt und sich in sie verliebt, muss er sein Geheimnis offenbaren.

Die Verbrecherlegende hat Regisseur David Lowery (»A Ghost Story«) seinem Hauptdarsteller Robert Redford auf den Leib geschrieben. Der Gigant mit den blauen Augen glänzt noch einmal mit Charme, Witz und Charakter. Dabei ist Tucker nicht nur Sympathieträger beim Publikum, seine Beutezüge hinterlassen Spuren bei den Opfern. So liegt auch ein Hauch von Melancholie über den wunderbar grobkörnigen Bildern, die dem Kino der Siebziger entsprungen sein könnten. Die unglaubliche Story basiert tatsächlich auf dem wahren Fall einer Rentnergang, die in den Neunzigern die Banken von Florida unsicher machte. Der Journalist David Grann schrieb die Gesichte 2003 in einem Artikel in der New York Times nieder. Lowery verlegte die Story in die Achtziger, reicherte sie mit ein wenig Romantik und viel Nostalgie an. Mit »Ein Gauner und Gentleman« schuf er eine würdevolle Huldigung an den großen Robert Redford, der sich hier mit einem weinenden und einem lachenden Auge verabschiedet.

»Ein Gauner und Gentleman«: ab 28.3., Passage Kinos, Schauburg

Moondog ist ein Poet. Seine Bücher haben ihm ein ordentliches Auskommen und eine gewisse Bekanntheit verschafft. Derzeit steckt er jedoch in einer Schaffenskrise und verbringt seine Tage und Nächte in erster Linie mit Kiffen und Saufen in seinem Strandhaus in Key West. Eigentlich könnte das so weitergehen, als seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kommt und ihr enormes Vermögen an den Witwer ausgezahlt werden soll. Allerdings ist das Erbe an eine Bedingung geknüpft und der Schriftsteller ist genötigt, sein lachses Leben endlich wieder in den Griff zu bekommen.

Die Drehbücher (»Kids«) und eigenen Filme des Independent-Regisseurs Harmony Korine (»Trash Humpers«) zeichnen sich weniger durch ihre dramaturgische Raffinesse und Originalität als vielmehr durch ihren hohen Grad an Authentizität aus. Korine geht es eher um die glaubwürdige Vermittlung eines Lebensgefühls. Ganz in diesem Sinne hat er mit »Beach Bum« nun einen Film über das süße Nichtstun unter der gleißenden Sonne Floridas inszeniert. Matthew McConaughey ist in der Hauptrolle einfach grandios aufgelegt und kann als selbstbewusster Weiberheld, der gerade im Dauerzustand der Ekstase und Maßlosigkeit seine Genialität entfaltet, vollauf überzeugen.

»Beach Bum« ab 28.3., Cineplex, CineStar, ab 11.4., Cineding

Es erfordert kein hohes Maß an Menschenkenntnis, um behaupten zu können, dass sich wohl keiner der Gefilmten auf diesen Termin gefreut haben dürfte. Mimik und Habitus der Menschen, die ihren Bankberatern und der Kamera gegenübersitzen, sprechen für sich. Damit lässt sich das Konzept dieser Dokumentation eigentlich auch schon recht gut zusammenfassen. Wer »Talking Money» über die vollen 85 Minuten seine Aufmerksamkeit schenkt – was nicht immer so einfach ist –, dem begegnen Menschen aus acht Ländern, die ihre lokale Bank aufsuchen, um dort das zu tun, was der Titel dieses Filmes verspricht. Immer geht es um Geld, und immer wird dieses für irgendwas gebraucht. Mal geht es um schiere Existenzen, mal »nur« um die Kreditkarte für den Sohn, für die plötzlich doch Gebühren angefallen sind. Als Zuschauer folgt man diesem Film von Sebastian Winkels durch die Augen des jeweiligen Bankberaters. Gegenüber sitzen ein oder mehrere Klienten, allem Anschein nach einfache Leute wie Du und Ich. Das erleichtert die Identifizierung mit ihnen ungemein. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich in die Personen hineinzuversetzen und somit ihr Schicksal verstehen zu können. »Talking Money« schafft es daher gut, eine gewisse Empathie zu erzeugen: Ganz egal, welche Sprache die Menschen vor der Kamera sprechen, ganz egal, ob der Raum des Bankberaters penibel-steril wirkt oder liederlich und unaufgeräumt – letzten Endes sind wir alle ein Spielball des Geldes.

ALEXANDER KULLICK

»Talking Money – Rendezvous bei der Bank«: ab 28.3., Luru Kino in der Spinnerei

Es sollte der bisher größte Triumph in der Geschichte des brasilianischen Fußballclubs Chapecoense werden – das Finale der Copa Sudamericana. Am 28. November 2016 bricht das Team begleitet von Trainerstab, Funktionären und Journalisten zum Hinspiel gegen Atlético Nacional nach Medellín auf. Doch sie kommen nie dort an. Acht Meilen vor dem kolumbianischen Flughafen stürzt die Maschine ab und zerschellt in den Bergen. Nur sechs der 77 Insassen überleben, darunter drei Spieler. Die ganze Stadt ist wie gelähmt – Hinterbliebene, Fans, Vereinsvertreter und die Bewohner Chapecós sind zerrissen zwischen ihrer Trauer und dem Wunsch nach Wiederaufbau. Doch allen Vorzeichen zum Trotz gelingt dem Verein das Unmögliche.

»Unser Team – Nossa Chape«: ab 29.3., Kinobar Prager Frühling

Weitere Filmtermine der Woche

Filmriss Filmquiz
Ihr wisst, welche Farbe Marty McFlys Jacke hat? Wer zuerst schoss, Han Solo oder Greedo? Wie die ersten Worte von »Apocalypse Now« oder die letzten von »2001« lauten? Dann seid ihr hier genau richtig. Die beliebte Leipziger Rateshow mit André Thaetz und kreuzer-FilmredakteurLars Tunçay rund um alles, was flimmert, an jedem vierten Donnerstag im StuK.
28.3., 20.30 Uhr, StuK Leipziger Studentenkeller

Schau mir in die Augen, Kleines! 

SAE-Testscreening
Das 3. Semester des Studiengangs »Digitale Filmproduktion« des SAE Institute Leipzig stellt sich dem Publikum und lädt zum Testscreening in die Passage Kinos ein. Gezeigt werden sämtliche Filme, die im Rahmen der Wahlpflicht-Module entstanden sind – unabhängig von der Bewertung der Dozenten. Beim Test-Screening zählt nur die Meinung des Publikums.
28.3., 20 Uhr, Passage Kino

Portavoce
Seit das Land den Ratsvorsitz in der EU übernommen hat, brennt die politische Protestkultur in Rumänien stärker als zuvor. Der Leipziger Marcel Schreiter blickt gemeinsam mit Ruxandra Gubernat und Henry Rammelt auf die Entwicklung eines aufflammenden Aktivismus. – anschl. Diskussion mit den Regisseuren


28.3., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling



Weil Du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour
Dokumentarfilm über die Toten Hosen auf »Laune der Natour« durch Deutschland, Österreich und die Schweiz 2017.
29.3., 22.30 Uhr, Regina Palast

Cale szczescie
Sommerliche Beziehungskomödie, frisch aus den polnischen Kinos. – Polnisches Kino
30.3., 17 Uhr, 31.3., 20 Uhr, Cineplex (OmeU)

Lucifer
Ein Gauner übernimmt in Zeiten gesellschaftlicher Unruhe ein wichtiges politisches Amt, hinter dem auch viele seiner Konkurrenten her sind. – Indisches Kino
30.3., 11 Uhr, Cineplex (OmeU)

Capernaum – Stadt der Hoffnung
Der junge Zain wächst auf den Straßen von Beirut auf, wo Gewalt an der Tagesordnung ist. Als er im Knast landet, beschließt der 12-Jährige, seine Eltern zu verklagen dafür, dass sie ihn in die Welt gesetzt haben.

31.3., 17 Uhr, Regina Palast

Melde gehorsamst
Der zweite Teil der Verfilmung von Jaroslav Haseks Roman gilt als zeitloser Klassiker mit kalter Antikriegshaltung. Der Film folgt den weiteren Abenteuern von Soldat Schwejk, der sich nun in der österreichisch-ungarischen Armee wiederfindet und auch dort nie seinen Optimismus verliert. – Tschechische Meister. Literaturverfilmungen 1929-1967


31.3., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmU)

Unheimlich perfekte Freunde
Stell dir vor, dein Spiegelbild wird lebendig. Und kann all das, was Du gerne könntest. Unterhaltsamer Doppelgänger-Kinderfilm. – Premiere im CineStar in Anwesenheit des Regisseurs.
31.3., 15 Uhr, Cineplex, Cinestar

Bildbuch
Auch mit 88 wird Godard nicht milder und reflektiert mit der ihm eigenen wütendenden, kunstvollen und schwer zugänglichen Art das Zeitgeschehen. Am 1.4. mit Einführung von Norbert Wehrstedt in den Passage Kinos – Freaky Monday


1.4., 21 Uhr, Passage Kinos

Wanderkrebs
In dieser politisch-satirischen Komödie setzt sich Achternbusch mit der ökologischen Katastrophe auseinander. – Achternbusch-Werkschau


3.4., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Punch Drunk
Achternbusch spielt Herrn Dr. Riesenhuber, den Staatssekretär des bayrischen Kultusministeriums, der trotz der durch atomare Strahlung verseuchten Welt an nichts anderes denken kann, als seine Karriere voranzutreiben und Minister zu werden. (Bildrechte: Filmfest München) – Achternbusch-Werkschau
3.4., 21 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

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