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Das verständige Kinderstück »Splikifant« verknüpft Laute und Worte

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Der Titel ist ein Zungenbrecher: »Splikifant.« Das Wort ist eine Zusammensetzung aus der georgischen und deutschen Bezeichnung für Elefant. Und es drückt den Geist gleichnamiger Produktion aus: bilaterale Zusammenarbeit. Mit dem Staatsjugendtheater in Tiflis hat das Theater der Jungen Welt (TdJW) das Stück auf die Beine gestellt. Vier Schauspielende probten gemeinsam und zeigen es nun in beiden Ländern (R.: Jule Kracht).

Die Premiere in Georgien erfolgte Ende Dezember im gemixten Doppel an zwei Abenden. Jeweils ein deutschsprachiger und ein georgischsprachiger Spieler traten auf. In Leipzig übernimmt nun Nora Lee Sanwald den nichtdeutschen Part, bis die Rollen auf der Bühne wechseln. Zusammen mit Benjamin Vinnen war die Schauspielerin in Tiflis, sie zeigten gemeinsam ihr Dada-Stück »Rinnzekete«. »Das kam nicht so gut an«, so Vinnen. »›Was machen die denn da?‹, dachte das Publikum. Aber es gab Höflichkeitsapplaus«, sagt Sanwald. Die unterschiedlichen Geschmäcker und Sehgewohnheiten hätten sich für die Kooperation als höchst produktiv herausgestellt. »Da kam Überraschendes zusammen«, sagt Sanwald, »immer wenn der Rest an einer Stelle stockte, hatte jemand eine neue Idee, die alle verblüffte.« In zweieinhalb Wochen entstand die kollektive Übersetzung des Stoffes für ein Publikum ab vier Jahren.

Altersgerecht geht es ums Ins-Bett-Gehen und fantastische Ausflüge beim Einschlafen. Während Spielzeuge auf Reisen gehen, die Objekte ein Eigenleben entwickeln, schleicht sich spielerisch das Thema Sprache und Verständigung ein. Wann werden aus Lautaneinanderreihungen Sätze, wie lernt man sprechen und sich gegenseitig verstehen?

Das war auch bei den Proben ein zentraler Punkt. Das gemeinsame Ziel, ein Stück zu erschaffen, schweißte die Gruppe zusammen. »Du spielst jetzt sehr georgisch«, habe die Regisseurin zu Vinnen gesagt, als er übersteigert agierte. »Dort sieht Theater ein bisschen wie Musical aus«, erklärt Sanwald. »Musik spielt sowieso eine größere Rolle, aber die Schauspieler spielen auch mit größerer Geste.«

Die doppelte Premiere sei gut verlaufen, das Publikum zwei Mal begeistert gewesen. Nur in einem seien die Georgier enttäuscht gewesen. Der Splikifant sei gar nicht als tierische Verkörperung mit großen Ohren und borstigem Rüssel aufgetreten – der ist nur ein Wortspiel.

Dieser Text erschien zuerst in der kreuzer-Ausgabe 04/19.

> »Splikifant«: 13.4., 16 Uhr (Premiere), 15.–17.4., 10 Uhr, TdJW

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