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Hör mal, wer da hämmert – und sägt und baut

Bauspielplätze sind in Leipzig rar gesät. Der Verein Kiwest möchte das ändern

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Kennen Sie Bauspielplätze? Nein? Dann liegt das vielleicht daran, dass es in Leipzig lediglich zwei davon gibt. Dabei ist dieses Konzept in vielen Städten weit verbreitet – in Berlin gibt es 34 davon, in Dresden sind es immerhin sieben. Kinder können sich dort kreativ austoben und ihre handwerklichen Fähigkeiten entdecken.

Johannes Burgmayer und sein Team der »Initiative Bauspielplatz Ost«  sind vorerst erleichtert: Zu der befürchteten Einstellung der Fördergelder im Doppelhaushalt der Stadt ist es nicht gekommen, der Spielplatz in der Ludwigstraße 42 bleibt bestehen. Im Februar hatte der Trägerverein Kiwest deswegen eine Petition gestartet. Dennoch: Nach wie vor will die Stadtverwaltung den Bau eines dritten Bauspielplatzes im Norden Leipzigs nicht unterstützen. »Es ist Aufgabe der Stadt, die Kinder und Jugend ordentlich zu fördern. In der Realität müssen wir hier als Betreuer sehen, wie wir überleben«, kommentiert Burgmayer.

Die Idee, dass Kinder in ihrer Freizeit produktiveren Tätigkeiten nachgehen wollen, als gähnend und gemächlich wie ein Stück warme Butter eine Rutsche hinunterzugleiten, kam dem dänischen Landschaftsarchitekten Carl Theodor Sørensen in den 1930er Jahren. Er bemerkte, dass Kinder sich »ab einem bestimmten Alter lieber auf wilden Brachflächen aufhalten und ihre eigene Spielwelt konstruieren, als sich auf fertig möblierten Spielplätzen aufzuhalten«. Kinder sollten selbst bauen, sägen, lackieren, eben handwerklich kreativ werden dürfen. Die Idee schaffte es in den 1960er Jahren nach Deutschland. Und 2008 endlich auch nach Leipzig.

Das Fehlen von urbanen Freizeitangeboten im Freien, die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, der zunehmende Medienkonsum und die kollektive Abwendung von der Natur: Die Bedeutung der Bauspielplätze in heutigen Zeiten ist kaum von der Hand zu weisen. Zudem finden die jungen Besucher auf dem Spielplatz nicht nur Beschäftigung, sondern werden auch in ihrem Alltag unterstützt. »Hier kommen Kinder hin, die haben Hunger. Die freuen sich über eine warme Mahlzeit am Tag«, entgegnet Burgmayer auf die Frage nach der Relevanz des Ostspielplatzes.

Noch viel mehr Programm wird es in Zukunft geben: Obst und Gemüse selbst pflanzen und ziehen auf einer gegenüberliegenden Freifläche, Geschichtenaustausch mit Jung und Alt in Kooperation mit dem Seniorenbüro Inge & Walter. Seit einer Woche sind die Pforten pünktlich mit Einzug des guten Wetters geöffnet: Für jedes Kind, ohne Anmeldung, zum Basteln, Bauen, Malen und Grillen.

> »Initiative Bauspielplatz Ost«, ab 2.4., Di - Fr 15 - 19 Uhr, jeden letzten Samstag im Monat 12 – 18 Uhr, nach Absprache für Schulklassen oder Gruppen auch individuell vormittags, Ludwigstraße 42, 04315 Leipzig

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