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Jahreshoch

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

In dieser Woche erreicht das Kinojahr sein besucherstärkstes Wochenende. Und das bei Sonnenschein und 28 Grad allein an diesem Donnerstag. Es muss Avengers-Woche sein. Danach kann es eigentlich nur noch bergab gehen. Vor genau einem Jahr legte »Infinity War« vor und erreichte am Ende ein weltweites Einspielergebnis von mehr als zwei Milliarden US Dollar. Mit dem Cliffhanger am Ende und dem massiven Medienhype im Vorfeld von »Endgame« wird es diesmal mit ziemlicher Sicherheit noch einiges mehr. Mit dem neunten »Star Wars« im Dezember kehrt damit immerhin wieder etwas Euphorie zurück in die Branche, was aber natürlich nichts über das Abschneiden der übrigen Kinostarts aussagt. Im Schatten von »Endgame« haben sie es in dieser Woche schwer, wobei die Vorstellung, dass es da draußen nicht auch noch ein Publikum gibt, dass dem Marvel-Bombast so überhaupt gar nichts abgewinnen kann, natürlich absurd ist. Für euch haben wir die interessantesten Filmstarts der Woche abseits der Multiplexe zusammengetragen und empfehlen einen Besuch der nahegelegenen Arthouse-Kinos.

Film der Woche:
Das Gesicht kennen Sie. Rainer Bock ist einer der großartigen Charakterdarsteller, die stets in der zweiten Reihe standen. »Das Weiße Band«, »Werk ohne Autor« oder selbst »Wonder Woman« veredelte er mit seinen Auftritten. Nur die Hauptrolle blieb bisher aus. Jetzt gibt ihm Autor und Regisseur David Nawroth die Gelegenheit zu glänzen und dieser Walter scheint wie für ihn geschrieben. Er ist ein schweigsamer Typ, grob, aber sanftmütig. Still, aber großherzig. Dabei hat er einen wirklich miesen Job: Walter ist Möbelpacker und leert die Wohnungen bei Zwangsräumungen. Und da geht es nicht immer ganz gesetzeskonform zu. Seit sich Roland mit den Arabern eingelassen hat, schreckt er auch vor Gewalt nicht zurück, um die Mieter aus den Wohnungen zu bekommen, das Haus sanieren zu lassen und teuer weiterzuvermieten. Eines Abends steht Walter vor der Tür von Jan – und erkennt in ihm den Sohn, den er vor Jahren zurücklassen musste. Die moralische Zwickmühle ist der rote Faden, der sich durch »Atlas« zieht. Walters Vergangenheit bleibt lange im Dunkeln, seine Handlungen werden immer unberechenbarer. Das hält die Spannung bis zum überraschenden Finale. Die dichte Atmosphäre, der ruhige Erzählfluss und nicht zuletzt Rainer Bocks intensives Schauspiel fesseln bis zuletzt.

»Atlas«: ab 25.4., Passage Kinos

»En guerre« (»Im Krieg«) – der französische Originaltitel verrät es: Es herrscht Krieg zwischen der Geschäftsführung einer kleinen Fabrik in Anges und den Angestellten. Als der Standort der deutschen Firma geschlossen werden soll, weil er nicht mehr rentabel genug ist, stehen 1100 Mitarbeiter vor dem Aus. Viele von ihnen organisieren sich hinter Gewerkschaftler Laurent (Vincent Lindon) und ziehen in den Arbeitskampf – ein verzweifeltes Gefecht, das viele Opfer fordert.
Regisseur Stéphane Brizé (»Der Wert des Menschen«) wirft den Zuschauer vom ersten Moment an in die Schützengräben zwischen den Arbeitern und der Konzernspitze. Sein fiktiver Krieg hat zahlreiche reale Vorbilder im modernen Frankreich. Dieser Krieg ist laut und blutig und Brizé schafft mit Handkamerabildern, aggressiver Musik und einem konstant aggressiven Dialogabtausch ein hohes Maß an Anspannung beim Betrachter. »Streik« ist ein (zurecht) wütender Film über den verzweifelten Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Streik«: ab 25.4., Luru Kino in der Spinnerei

Judi Dench, Eileen Atkins, Joan Plowright und Maggie Smith haben etwas gemeinsam: Alle vier sind angesehene Schauspielerinnen im fortgeschrittenen Alter, blicken auf eine lange, erfolgreiche Karriere im Film und Theater zurück und alle Vier sind von der Queen in den Adelstand erhoben worden. Und sie sind beste Freundinnen. Seit vielen Jahren treffen sie sich regelmäßig zum Tee, um über Gott und die Welt zu quatschen. Regisseur Roger Michell (»Notting Hill«) haben wir es zu verdanken, dass wir an einem Nachmittag Mäuschen spielen dürfen. So erfahren wir, wie die erfahrenen Schauspielerinnen mit Lampenfieber umgehen, dass das Leben mit den Männern nicht immer leicht war und man schlechte Kritiken besser ignoriert. Michell hält meist einfach die Kamera drauf und lässt die Damen erzählen, mit feinem britischen Humor und Stil. Angereichert wird der Nachmittag durch einen Blick ins Fotoalbum der Filmgeschichte. Sicher ein Film für Fans, aber wer kann diesen vier charmanten Damen schon widerstehen.

»Tea with the Dames«: ab 25.4., Passage Kinos (auch OmU)

»Ein letzter Job« soll es sein, für den altgedienten Gangsterboss Brian Reader (Michael Caine) und seine früheren Weggefährten. Da sollte es schon der größte Juwelendiebstahl in der britischen Geschichte sein. Allerdings trauen sich die Kriminellen nicht über den Weg, was nicht nur für das Gelingen ihres Plans zum Nachteil wird. So richtig warm wird man mit den Protagonisten nicht. Dabei werden sie verkörpert von wahren Leinwandlegenden. Regisseur James Marsh weiß jedoch nicht so recht, wo er mit seinem trockenen Heist-Movie hin will.

»Ein letzter Job«: ab 25.4., Schauburg

Weitere Filmtermine der Woche

Filmriss Filmquiz
In Wim Winders Filmklassiker »Himmel über Berlin« trinkt der Engel Damiel seine erste Tasse Kaffee. Damiel, gespielt von Bruno Ganz spürt das heiße Getränk an seinen Lippen, den leicht bitteren Geschmack auf der Zunge. Exakt dreißig Jahre später verabredet sich der Künstler Moritz Frei mit Bruno Ganz zum Gespräch – und einer Tasse Kaffee. – Special bei freiem Eintritt
27.4., 15 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Cine Mar – Surf Movie Night 


Dokumentationen und Kurzfilme über die Liebe zum Meer und zum Surfen.
28.4., 18 Uhr, Passage Kinos

Russisches Kino 

Russisches Kino im Original ohne Untertitel – diesmal mit der Komödie »Milliard«, einer Familiengeschichte um einen erfolgreichen Banker, der versucht, seinen Reichtum vor seinen Kindern zu verstecken und letztlich auf deren Hilfe angewiesen ist, um ihn wiederzugewinnen.
28.4., 17 Uhr, Cinestar, Regina Palast, 17.30 Uhr, Cineplex,

The True Cost – Der Preis der Mode 


Der wahre Preis unserer Kleidung. Moderne Textilproduktion und ihre Opfer in den Textilfabriken Bangladeschs, Indiens und Chinas. – Am 28. April mit Filmeinführung und -gespräch mit Tim Zahn (Koordinator der zivilgesellschaftlichen Organisationen im Textilbündnis), Moderation: Marie Schwimmer, im Rahmen der Fashion Revolution Week.
28.4., 16 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Vice – Der zweite Mann 


Der absurde Weg des Dick Cheney in das Amt des zweitwichtigsten Staatsmannes der USA. Bitterböse Politsatire, glänzend gespielt von Christian Bale.
28.4.,17 Uhr, Regina Palast

Blut muss fließen 
Undercover unter Nazis: Der Journalist Thomas Kuban auf seiner Reise durch Deutschland und Europa, um Neonazi-Konzerten und Rechtsextremismus auf den Zahn zu fühlen.
29.4., 19 Uhr, Goldene Höhe

The Hole in the Ground 
Sarah zieht mit ihrem Sohn Chris an den Stadtrand und versucht sich ein neues Leben aufzubauen. Doch eines Tages wirkt ihr Sohn plötzlich verändert. Beängstigender Psycho-Horror.
29.4., 21 Uhr, Passage Kinos

Die Abenteuer des jungen Sinbad 
Animeverfilmung der Abenteuer von Sindbad dem Seefahrer aus dem morgenländischen Märchen Tausendundeine Nacht.
30.04., Cineplex, Cinestar, 20 Uhr

Achternbusch-Werkschau

> Der junge Mönch (BRD 1978)
Achternbusch-Werkschau-Finale mit »Der Junge Mönch«, dessen Kulisse eine postapokalyptischer Eiswüste bildet. Nur ein bayrisches Dorf bleibt von der Katastrophe verschont. In diesem gründet Mönch Herbert eine neue Religion um einen Schokoladenosterhasen. Kontroverser Heimat- und Katastrophenfilm.

> Das Gespenst (BRD 1982)
Eine Jesus-Figur erwacht in einem Kloster zum Leben, steigt vom Kreuz hinab und humpelt mit der Oberin durch Bayern. Ein Skandalklassiker! – Achternbusch-Werkschau-Finale
1.5., 19 Uhr und 21 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Sexarbeiterin 


Der Dokumentarfilm begleitet Lena Morgenroth, die freiwillig sexuelle Dienstleistungen anbietet, bei ihrer täglichen Arbeit. – Special zum 1. Mai mit Podiumsdiskussion mit Sozialarbeiterin und Sexualwissenschaftlerin Viola Butzlaff
1.5., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

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