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Mapping Israel

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Israel steht in diesem Jahr im Mittelpunkt des Festivals Off Europa. Neben Tanz, Performance und Musik sind auch einige Filme zu sehen, die sich mit der bewegten Vergangenheit und der ungewissen Zukunft des Staates auseinandersetzen. Claude Lanzmanns »Warum Israel« (im Foto, am 26.5.) ergründet die Wurzeln des Staates. »Café Ta’amon, King-George-Street, Jerusalem« (25.5.) und »Life in Stills« (21.5.) tauchen tief in die Geschichte ein, während »The Cakemaker« (20., 22.5.) ein berührendes Bild der Gegenwart zeichnet. Alle Termine und Infos unter kreuzer-leipzig.de und hier im Kalender.

»Off Europa: Mapping Israel«: 20.–26.5., Cinémathèque in der Nato, Kinobar Prager Frühling

Film der Woche: Tara steht selbstbewusst im Leben und in der Küche ihres Restaurants. Sie hat zwei erwachsene Kinder und führt ein traditionsreiches Familienunternehmen. Nur wenn jemand ihren verstorbenen Mann erwähnt, zeigt sie für einen flüchtigen Moment Anzeichen von Schwäche. Amar steht die meiste Zeit des Tages im Rampenlicht. Sein Assistent fährt den angesehen Schauspieler von einem Empfang zum nächsten. Wenn er in die Öffentlichkeit tritt, sammeln sich sofort Autogramm- und Selfiejäger. Doch wenn sein Diener das Haus verlässt, ist er allein. Tara kocht für Amar. Tagsüber sind ihre Begegnungen flüchtig. Wenn die Sonne untergeht, reden sie am Telefon. Die Klassen trennen sie, aber hier sind sie sich nah. Mit warmen Farben und viel Gefühl erzählt »Once Again« von einer Liebe, die nicht sein darf. Es ist kein unbeholfenes Kennenlernen unter Teenagern, sondern ein Treffen auf Augenhöhe. Für beide kommt diese Liebe spät und unerwartet, sie gehen darin auf, aber sie bringt auch viele Probleme mit sich. »Once Again« ist ein Liebesfilm, die Gesellschaftskritik schwelt darunter. Das Emotionale steht im Vordergrund. Insofern ist der Film des aus Indien stammenden und in Leipzig lebenden Regisseurs Kanwal Sethi dem Kino seiner Heimat nahe. Im Gegensatz zum ausladenden Bollywood-Kitsch erzählt er jedoch einfühlsam, genau beobachtend und mit ruhiger Hand. Ein bemerkenswert vielschichtiger Film. Interview mit Kanwal Sethi im April-kreuzer.

»Once Again«: ab 16.5., Passage Kinos

»Ich bin Vollwaise, alleinstehend und kinderlos« so beschreibt Lola sich einmal selbst. Die junge Frau ist Protagonistin in Marie Kreutzers Film, der auch im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale lief. Die blonden Haare fest zusammengebunden, das Handy jederzeit bereit und im Businesskostüm lebt sie ihr Leben als 24 Stunden Karrierefrau. Das ist anstrengend und ermüdend. Entsprechend trist sind die Bilder des Films. Regentage überwiegen, die Farben sind gedeckt. Als wäre das noch nicht genug, wartet zuhause in Wien die Schwester, die nach einem neuerlichen Selbstmordversuch wieder in der Psychiatrie gelandet ist. Und von deren Schizophrenie Lola flieht, wann immer sie kann. Bald erhält sie seltsame Anrufe der Schwester. Und die Frage beginnt sich zu stellen, wie gesund Lola selbst eigentlich ist. Ausführliche Kritik von Josef Braun im aktuellen kreuzer.

»Der Boden unter den Füßen«: ab 16.5., Schaubühne Lindenfels

Maryam gibt sich gern stark und selbständig. Als alleinerziehende Mutter von drei Mädchen, will sie keine Schwäche zeigen, auch nicht ihren Kindern gegenüber. Aber wenn sie im Bett sind, liegt sie allein auf dem Sofa, schaut Telenovelas und sehnt sich nach der großen, romantischen Liebe. Dann trifft sie Gabriel wieder, nach einer flüchtigen Begegnung vor Jahren auf einer Hochzeit, und verliebt sich. Es macht ihr nichts aus, dass er hinter Gittern sitzt. Es interessiert sie nicht, warum. Sie arrangiert sich mit der Tatsache, dass sie ihn nur einmal im Monat für zwei Stunden sehen kann. Sie ist verliebt. Doch die Trennung fordert die Beziehung. Ihre romantische Projektion kollidiert mit der harten Realität. Maryam ist keine reine, unbefleckte Figur. Ihre Handlungen sind nicht immer rational, ihr Verhältnis zu den Kindern ist oft geprägt von Konfrontation. Die Autorin und Regisseurin Henrika Kull zeichnete sie authentisch, Hauptdarstellerin Susana Abdulmajid verkörpert sie realistisch. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Jibril«: ab 16.5., Cineding

Während eines heißen Sommers in einem belgisch-niederländischen Grenzdorf lassen sich die acht Jugendlichen Femke (Salomé van Grunsven), Jens (Friso van der Werf), Ruth (Maxime Jacobs), Karl (Folkert Verdoorn), Liesl (Pauline Casteleyn), Ena (Laura Drosopoulos), Sarah (Gaia Sofia Cozijn) und Thomas (Aime Claeys) zu Entdeckungsspielen hinreißen, um so der lustlosen, spießbürgerlichen Monotonie der Kleinstadt zu entkommen. Aus anfänglicher romantischer Schwärmerei wird schnell unbeschwerter Sex. Unter dem strahlend blauen Himmel werden die Tage fortan zu einer ewigen Party voller Musik, Drogen, grenzenlosem Spaß, selbstgedrehten Pornos, Geld und Lust. Sie fordern sich gegenseitig und sich selbst heraus, und schon bald beginnt ihre sexuelle Neugier die Grenze zwischen richtig und falsch zu verwischen. Nach den verdorbenen Spielen und sexueller Ausbeutung ist von der anfangs herrschenden Unschuld nicht mehr viel übrig, so verwandeln sich die Teenager bald in rücksichtslose Raubtiere. Basierend auf Elvis Peeters Bestseller, der in den Niederlanden eine gewaltige Kontroverse auslöste, schildert der Film den moralischen Niedergang einer ganzen Generation. Nahezu furchtlos bricht der Film sämtliche Tabus und beflügelt seine jungen Darsteller zu schauspielerischen Glanzleistungen.

»Wir – der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr«: ab 16.5., Luru Kino in der Spinnerei

Westkinder kennen den Zauberer von Oz vor allem aus Hollywood. In Russland und auch im Osten Deutschlands sehr beliebt sind die Zauberland-Bücher von Alexander Wolkow, der die Vorlage von Lyman Frank Baum neu interpretierte. Hierauf basiert nun auch ein großer Animationsfilm, in dem die kleine Dorothy und ihre Freunde antreten, dem finsteren Zauberer Urfin das Handwerk zu legen. Die Computeranimation ist zwar recht einfach geraten, es macht aber vor allem den Kleinen Spaß, die witzigen Variationen bekannter westlicher Märchenfiguren zu entdecken.

»Urfin – Der Zauberer von Oz«: ab 16.5., Cineplex, Regina Palast, Passage Kinos

Weitere Filmtermine der Woche

Gestorben wird morgen
Sun City liegt in der Wüste Arizonas und ist die erste Stadt für (Un)Ruheständler weltweit. Hier reihen sich blaue Swimmingpools unter Palmen an Golfplätze, Apotheken und Bestattungsdiscounter. Auf dieses sonnige Altenparadies fallen die sehr unterschiedlich gefärbten Schatten des Alterns. Was die Menschen hier eint, ist ihre »Attitude!« – eine sehr inspirierende Haltung dem Leben gegenüber. Am 16.5. in den Passage Kinos anschl. Gesprächsrunde mit der Regisseurin Susan Gluth und Martin Gey (Pressesprecher der Volkssolidarität Leipzig).
16.5., 19 Uhr, Passage Kinos, 18.5., 15 Uhr, 19.5., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Kiki
Dokumentation über eine Gemeinschaft junger Menschen aus einer schwarzen LGBTQ-Gemeinschaft in New York City. – anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHIT*) am 17. Mai
16.5., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato


Maquia – Eine unsterbliche Liebe 


Eine geheimnisvolle Parallelwelt jenseits des Menschenreichs: Die Maquia erhalten sich ihr Leben lang ein jugendliches Aussehen und erreichen ein übermenschlich hohes Alter. Als die Sippe eines Tages von einer Armee angegriffen wird, wird der bisher friedliche Alltag gewaltsam zerschlagen.
16.5., 20 Uhr, Cinestar, Cineplex (OmU), Regina Palast (OmU), 19.05., 17.30 Uhr, Cineplex, 17 Uhr, Cinestar, 12, 17 Uhr, Regina Palast

Kino in Bewegung 


Eine Initiative von etwa 20 Studierenden, Alumnae und Lehrenden der HGB Leipzig. Sie wendet sich direkt an das regionale Umfeld Leipzigs in Sachsen und will Austausch und Kultur durch Filmvorführungen und Diskussionen fördern. Auftaktscreening der HGB-Initiative mit Kurzfilmen und Gästen.
18.5., 18 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst

Der Gasmann 


Komödie mit Heinz Rühmann, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Heinrich Spoerl.
19.5., 18 Uhr, Grassi-Museum für Angewandte Kunst

Edie – Für Träume ist es nie zu spät 


Edie hat sich ihr Leben lang nach den Bedürfnissen anderer gerichtet. Als ihre Tochter Nancy sie in ein Altersheim stecken will, beschließt die 83-Jährige, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich einen fast vergessenen Traum zu erfüllen: den Berg Suilven in den schottischen Highlands zu erklimmen. – Preview am 19.5. in Anwesenheit des Regisseurs.
19.5., 16 Uhr, Passage Kino


Macht das alles einen Sinn? – und wenn ja – warum dauert es so lange? 
25 Jahre lang zog Frank Castorf die Fäden an der Volksbühne Berlin. Doch im Sommer 2017 war für den ehemaligen Intendanten des Theaters am Rosa-Luxemburg-Platz Schluss. Andreas Wilcke begleitet in seinem Film die letzte Spielzeit Castorfs, zeigt die Arbeit an seiner letzten monumentalen Inszenierung und gewährt einen Einblick in den Alltag eines der ungewöhnlichsten Theater Berlins.


19.5., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Was kostet die Welt 


Nur 600 Einwohner leben auf der kleinen Insel Sark im Ärmelkanal. Das Leben beruht auf gegenseitigem Vertrauen. Als Milliardäre beginnen die idyllische Insel aufzukaufen, regt sich Widerstand. Vor der beschaulichen Inselkulisse entfaltet sich ein erbitterter Kampf um Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit, sowie um die Auslegung der Gesetzesgrundlagen.
19.5., 19 Uhr, Regina Palast, 21.5., 19 Uhr, Regina Palast

Off Europa: Mapping Israel
Mr. Gaga 

Porträt des israelischen Choreografen Ohad Naharin, einer einflussreichen Größe des zeitgenössischen Tanzes.- Off Europa: Mapping Israel
20.5., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

The Cakemaker 


Thomas reist nach dem Tod seines israelischen Geliebten Oren von Berlin nach Tel Aviv. Dort will er mehr über den Verstorbenen erfahren, um den Verlust zu verarbeiten. Dazu lernt er Orens Frau kennen, die nichts vom Doppelleben ihres Mannes weiß. Sensibel inszeniertes Drama. – Off Europa: Mapping Israel
20.5., 21 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmU), 22.5., 20 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Life in Stills 


Das preisgekrönte dokumentarische Kleinod von Tamar Tal über ein schrulliges Oma-Enkel-Gespann und dessen Fotoladen in Tel Aviv. – Off Europa: Mapping Israel
21.5., 16 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Itzhak Perlman – Ein Leben für die Musik 
Doku über den renommierten israelischen Geiger Itzhak Perlman. – Off Europa: Mapping Israel
21.5., 17 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Kurzfilmprogramm Israel 


Kurzfilmrolle im Rahmen von Off Europa: Mapping Israel.
24.5., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Im Schatten des Apfelbaums 


Die Leipzigerin Claudia Euen erzählt in ihrem Dokumentarfilm die Liebesgeschichte ihrer Großeltern. Anschl. Gespräch mit der Regisseurin.
22.5., 11 Uhr, Frauenkultur

Kino Datsche Leipzig 
Das 5. internationale Kinokabarett lädt ein zum Selbermachen. Die Ergebnisse gibt es am 22.5. im Ost-Passage Theater zu bewundern.


22.5., 21 Uhr, Ost-Passage Theater

Mega Time Squad 


Ein Schmalspurganove findet ein uraltes chinesisches Relikt, mit dem er durch die Zeit reisen und einen großen Beutezug durchführen kann. Abgedrehte SciFi-Gängster-Komödie aus Neuseeland, die das Thema Zeitreise-Paradoxie aberwitzig ad absurdum führt.


21./22.5., 20 Uhr, Cineding

Militia Man 


Der Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof gegen Germain Katanga, der Millionen kostete, wird als großer Erfolg der internationalen Strafgerichtsbarkeit angesehen. Doch welchen Beitrag hat das Verfahren tatsächlich zur Aufklärung von Kriegsverbrechen im Kongo geleistet? – anschl. Podiumsdiskussion mit Filmemacherin und Journalistin Lisa Clifford und Strafverteidiger David Hooper


22.5., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

The Wild Boys 


Frei nach William S. Bourroghs‘ »The Wild Boys: A Book of the Dead«: Anfang des 20. Jahrhunderts stranden fünf Jungen auf einer Insel voller bizarrer Gewächse, von denen eine mysteriöse Kraft ausgeht. »Flirrendes Gender-Fantasy-Abenteuer« verspricht der Pressetext. Die Filme von Bertrand Mandico sind auf jeden Fall einzigartig.
21.–23.5., 20 Uhr, UT Connewitz (OmU)

Father 


Ein intimes Porträt des Meisters Chen Hsi-huang des Handpuppen-Theaters (bù daì xì), gefilmt von Yang Li-Chou, einem der wichtigsten Dokumentarfilmer Taiwans.
23./24.5., 20 Uhr, Cineding (OmeU)

John Wick Triple 

Volle Actionpackung mit »John Wick« (USA/CDN/CHI 2014), »John Wick: Kapitel 2« (USA 2017) und »John Wick: Kapitel 3« (USA 2019)
24.5., 19.30 Uhr, Cineplex

So geht sächsisch
13 Kurzfilme junger sächsischer Filmemacher
23.5., 19 Uhr, Passage Kinos

Die rote Linie – Vom Widerstand im Hambacher Forst 


Der Hambacher Forst bei Köln soll abgeholzt werden. Zumindest, wenn es nach der Energiewirtschaft geht, die dort Kohle abbauen will. Doch ein paar Anwohner setzen sich gegen die »Heimatfresser« ein.
24.5., 20 Uhr, Passage Kinos

Surf Film Nacht Open-Air 
Open Air Nacht der beliebten Surf Film Reihe von Nouvage.
23.5., 21 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost

Filmriss Filmquiz
Wenn Bruce Willis auf alles außer Tiernahrung Prozente gibt, klingeln euch die Ohren? Ihr pfeift das Lied vom Tod unter der Dusche? Das einzige Gebet, dass ihr auswendig vorbeten könnt, ist Ezekiel 25:17? Dann seid ihr hier zuhause. Hier dürft ihr Kinonerd sein und werdet belohnt: tonnenweise Merchandise aktueller Kinoproduktionen warten auf euch. Groovy Baby!
23.5., 20.30 Uhr, StuK Studentenkeller

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