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Jugendliche wählen Europa

Ergebnisse der U18-Europawahlen: Leipzig grenzt sich politisch von Sachsen ab

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Vor den Europawahlen am 26. Mai organisierte der Stadtjugendring gemeinsam mit verschiedenen Partnern wieder eine Woche lang U18-Wahlen. Auch in Leipzig wurde gewählt. In 14 Wahllokalen gaben rund 240 Kinder und Jugendliche ihre Stimme ab. Ein Rekord. Bei den Ergebnissen unterscheidet sich Leipzig vom restlichen Sachsen.

Dorit Roth ist Vorsitzende des Stadtjugendrings in Leipzig. Die Sozialarbeiterin hat die diesjährigen U18-Europawahlen aus nächster Nähe mit betreut. »Ich persönlich glaube, dass junge Menschen, doch mehr über Dinge und Zusammenhänge nachdenken als man ihnen manchmal so zutraut«, erzählte sie vor den Wahlen Anfang April im Gespräch mit dem kreuzer. Die U18-Wahlen verbindet sie, ganz im Sinne des Stadtjugendrings und des Kinderbüros in Leipzig, die die Wahlen in der Stadt koordinierten, mit einer Forderung nach der Herabsenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. »Man ist mit vierzehn Jahren strafmündig, warum sollte man nicht mit 16 Jahren auch entscheiden, welche Inhalte man sich in der Politik wünscht«, sagt sie.

Deutschlandweit haben sich rund 118.000 Kinder und Jugendliche an den U18-Europawahlen beteiligt. Mit 240 jungen Wählern und 14 Wahllokalen, in verschiedenen Jugendtreffs und anderen Einrichtungen, war dabei das Interesse in Leipzig so hoch wie noch nie. Passend zum bundesweiten Durchschnitt schnitt auch in Leipzig Bündnis 90/Die Grünen mit 23,8% am besten ab. Die »Fridays for Future«-Demonstrationen ließen im Vorfeld bereits ähnliches vermuten. In Leipzig folgen auf die Grünen die Linke (16,3%) und die SPD (13,3 %). Mit 9,2 % ist die AfD die stärkste europakritische Kraft. Die Regierungspartei CDU lag bei Kindern und Jugendlichen mit nur 5,8% sogar hinter der Satirepartei Die Partei (7,9%).

Sichtbare Unterschiede zwischen Leipzig und sächsischem Landesschnitt

Leipzig grenzt sich politisch vom Freistaat ab. Dass das von den Wahlergebnissen her, nicht nur für die Erwachsenen, sondern auch für die Jugendlichen gilt, zeigt sich, wenn man die Leipziger Ergebnisse mit denen des gesamten Freistaates vergleicht. Auch hier liegen Die Grünen mit 18,1% vorne. Direkt dahinter folgt jedoch mit 14,4% bereits die AfD. Ein überdurchschnittlich hohes Ergebnis für die Partei, die bundesweit nur 6,7 % der Stimmen für sich verbuchen konnte. Auch für Sachsen gilt, dass die großen Parteien heftige Einbußen hinnehmen müssen: SPD und CDU rangieren dicht beieinander mit 8,4% und 8%.

Repräsentativ sind diese Ergebnisse freilich nicht. Das Ziel, das sich der Stadtjugendring mit den Wahlen gesetzt hat, dürfte dennoch erreicht sein. Bundesweit wurde den Ergebnissen der Wahlen Aufmerksamkeit zuteil. Überdies bedeutet jedes Wahllokal auch, dass Kinder und Jugendliche zusammenkommen, um sich mit Politik auseinanderzusetzen. Das nächste Mal haben sie das bereits zwischen dem 01. Juli und dem 23. August die Möglichkeit dazu. Dann werden unter dem Motto #dannwaehldoch die sächsischen U18-Landtagswahlen stattfinden. Eine weitere Gelegenheit für die Wahlveranstalter, auf ihre Forderung nach der Herabsenkung des Wahlalters hinzuweisen und eine Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, um zu zeigen, welche Themen ihnen am Herzen liegen.

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