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»Mafia Kids«: Figurentheater à la Film noir

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Am Donnerstag feiert das Figurentheaterstück »Mafia Kids« von Dirk Baum im Theater der Jungen Welt Premiere. Ein Thriller für Jugendliche, der trotz Street Credibility und Rapperslang nicht zu gewollt wirkt, sondern vielmehr leicht ironisch wirkt, findet Theater-Redakteur Tobias Prüwer.

Hauptsache ballern! Auf Drogen und Knarren fahren diese Kids ab. Die Jungs um Niko machen auf dicke Hose und kesse Lippe, dabei sind sie noch Backfische. Das macht die Clique aber nicht harmlos, wie in 70 treibenden Minuten zu erleben ist. Im Gegenteil: »Mafia Kids« kommt ohne Happy End daher.

Der in Leipzig wohlbekannte Figurenspieler Dirk Baum hat den Thriller für Jugendliche am Theater der Jungen Welt inszeniert. Entstanden ist ein vom Film noir inspiriertes Maskentheater. Kontrastreich und wie in Filmschnitten wechseln die Szenen ineinander über. Der ästhetische Zugriff ist um Street Credibility bemüht. Zum Glück kommt die »Straßenglaubwürdigkeit« mit typischem Rapperslang und -geste nicht zu gewollt rüber, wirkt oft wie ein leicht ironisches Zitat.

Zum Start krakelt ein Spieler mit einem Marker Graffiti auf die Spielfläche. Dann werden die dicken Stifte zu Spielfiguren für einen Prolog. Fotos von Plattenbauten werden an die hintere Wand projiziert: mein Block. Als schließlich die ganze Gang auftritt, kommen Masken ins Spiel. Die zwei Darstellenden (Nora-Lee Sanwald und Moritz Ceste) setzen sich wechselnd Masken auf, ziehen Kapuzen über die Köpfe und schaffen mit jeweils anderem Habitus und Sprechweise verschiedene Typen. Werden sie nicht benötigt, ruhen die Masken auf in den Boden gesteckten Stäben. Sie können weggedreht oder sichtbar gemacht werden. Immer wieder neu lassen sich die Stäbe platzieren. Das flexible Bühnenbild ermöglicht so ein abwechslungsreiches Spiel, das das Duo ausgiebig auskostet. Beatlastige Musik besorgt ansehnliche Tanzeinlagen, in denen besonders Nora-Lee Sanwald zu Höchstform inklusive Breakdance-Einlagen aufläuft. Das hat Drive, und wenn Sanwald am verstörenden Ende plötzlich im roten Kleid erscheint, macht sie im Kontrast zur Jogginghosenwelt eine besonders gute Figur. Als Cliffhanger steht sie am Bühnenrand, den Blick fest entschlossen. Fortsetzung folgt.

Dieser Text erschien zuerst im kreuzer 06/19. 

> »Mafia Kids«: 6.6., 19.30 Uhr, 7.6., 11 Uhr, TdJW

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