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Krieg und Krise

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Vom 19.–22. Juni wird das erste Afghanische Kultur-Festival »Meela« gefeiert und die Schaubühne Lindenfels eröffnet mit einem kleinen Filmfestival. Zu sehen gibt es aktuelle Kurz- und Langspielfilme vom anhaltenden Konflikt, von Flucht und Migration und Einblicke in das Alltagsleben in Afghanistan. Im Anschluss gibt es Gelegenheit zur Diskussion. Am 21. und 22. Juni folgen Workshops, Podiumsdiskussion, Lesungen und ein Konzert in der Arno-Nitzsche-Straße.

»Meela – Erstes Afghanisches Kulturfestival Leipzig«: 19.–22.6., div. Orte

Film der Woche: Ethan Hawke gibt eine kraftvolle Vorstellung als Pfarrer, der seit dem Tod seines Sohnes nicht mehr auf die Füße gekommen ist und seinen Schmerz in Alkohol ertränkt. Toller ist von Zweifeln zerfressen. Scheinbare Erlösung erfährt er erst, als er auf Mary trifft. Sie wendet sich an ihn, da ihr Mann, ein radikaler Öko-Aktivist, offenbar einen Anschlag plant. Doch damit zieht sie Toller in einen Kreislauf, der ihn immer tiefer in den Abgrund reißt. Bemerkenswert ist, wie radikal Schrader mit der Kirche ins Gericht geht. Der 72-Jährige stellt die Grundfesten des christlichen Glaubens in Frage und sorgt damit für Sprengstoff in der amerikanischen Gesellschaft. Wohl auch deshalb erhielt sein Werk zahlreiche Kritikerpreise in den Staaten. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»First Reformed«: ab 13.6., Luru Kino in der Spinnerei (OmU)

Die Welt ist aus den Fugen im neuen Jim Jarmusch Film, der im Mai die Filmfestspiele von Cannes eröffnete. Die Menschheit hat sich an einer Energiegewinnungstechnik namens Polar-Fracking versucht und damit die Erdachse aus dem Gleichgewicht gebracht. In Centerville, einem beschaulichen Ort im Nordosten der USA, wird es seitdem nachts nur noch selten dunkel. Die Tiere verschwinden auf mysteriöse Weise. Und wenn der Mond erscheint, dann strahlt er violett gerändert und Zombies suchen den Ort heim. »The Dead don’t die« ist in vielen Bereichen ein typischer Jim Jarmusch Film. Er ist langsam erzählt, er zitiert aus der Filmgeschichte und er versammelt eine Cast von Schauspielern, die bis auf wenige Ausnahmen schon mit dem Regisseur zusammengearbeitet haben. Allen voran Bill Murray und Adam Driver, die als Polizistenduo in Centerville für den einen oder anderen Lacher sorgen, gegen die Zombies aber im Großen und Ganzen ziemlich machtlos sind. Diese Zombies geistern, recht einfallslos in Szene gesetzt, durch die Straßen der amerikanischen Kleinstadt. Auf der Suche nach den Dingen, die sie in ihrem Leben vermehrt konsumierten, statten sie ihren Lebensorten Besuche ab. Das ist ein bisschen Kapitalismuskritik. Genauso wie die Idee mit dem schiefgegangenen Polar-Fracking ein Kommentar zu der Art und Weise ist, wie wir mit unserem Planeten umgehen. Wirklich weiterverfolgt werden aber beide Kritikpunkte im Film nicht. Stattdessen gibt es leicht versponnene Dialoge und stetig wiederkehrende Motive, gepaart mit trockenem Humor. Insgesamt zu wenig nach Jarmuschs wunderbaren »Paterson« Film. Auch wenn der Film einige schöne Stellen hat; je mehr die Zombies den Film dominieren, desto schwächer wird er. Außer die Bekannten des Genres zu zitieren, vermag Jarmusch mit dem Genre des Zombiefilms nicht wirklich etwas anzufangen. JOSEF BRAUN

»The Dead Don’t Die«: ab 13.6., Passage Kinos, Kinobar Prager Frühling, Schauburg

»Warum sind sie gekommen, nach allem, was passiert ist?«, fragt der Besitzer des Hutladens die junge Irisz Leiter, die 1913 allein nach Budapest kommt, um in dem Geschäft, das einst ihren Eltern gehörte, eine Anstellung zu finden. Der makabre Umstand, dass diese bei einem Brand in jenem Geschäft ums Leben gekommen sind, sorgt zunächst für Ablehnung. Doch Irisz bleibt und kommt so einem Familiengeheimnis auf die Spur, das auch mit dem bevorstehenden Ausbruch des 1. Weltkriegs in Verbindung zu stehen scheint. Die erste Hälfte des Films besteht hauptsächlich aus Szenen, die immer nach demselben Schema ablaufen: Irisz stellt Fragen und wird mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass sie die Stadt verlassen soll. Ein Muster, das trotz beeindruckender Settings (und Hüte!) schon nach einigen Wiederholungen ermüdend wirkt. Dabei klebt die Kamera entweder in ihrem Nacken oder an ihrem Gesicht mit den großen, traurigen Augen. Das formal strenge Verharren auf der Perspektive der Hauptfigur kennen wir von dem ungarischen Regisseur László Nemes bereits aus seinem Holocaustdrama »Son Of Saul«. Was in seinem Debüt für verstörende Klarheit sorgte, kreiert hier aber nur ein verwirrendes Geflecht aus nebulösen Andeutungen. Ausführliche Kritik von Karin Jirsak im aktuellen kreuzer.

»Sunset«: ab 13.6., Schaubühne Lindenfels

Weitere Filmtermine der Woche

Magie der Wildpferde

Weltweit schwindet der natürliche Lebensraum von Wildpferden. Offene und weite Wiesen werden rar und der Mensch ist gezwungen einzigreifen, um den Fortbestand der Wildpferde zu sichern. Ist das nicht ein Widerspruch? Caro Lobig geht in ihrer Dokumentation dieser Frage auf den Grund und besuht dafür eine Reihe Pferde-Profis.

14.6., 19 Uhr, Regina Palast

Mayday Life 

Die Musik-Dokumentation begleitet die taiwaneische Megaband Mayday bei ihrer 122 Konzerte umfassenden »Life Tour« von März 2017 bis Januar 2019. Die Bandmitglieder werden dabei als Superhelden präsentiert. – Chinesisches Kino

15.6., 20 Uhr, Cineplex

Der junge Picasso 

Kunsthistoriker äußern sich zum Werk des jungen Picasso. – Kunst trifft Film

16.6., 16 Uhr, Passage Kinos

Kaviar 

Mitten auf der Schwedenbrücke in der Wiener Innenstadt will der größenwahnsinnige russische Oligarch Igor eine Villa bauen. Doch seine Dolmetscherin Nadja, die gebürtige Russin ist und in Wien lebt, und ihre Freundinnen Vera und Teresa haben mit dem Schmiergeld ihre ganz eigenen Pläne. – Russisches Kino

16.6., 17.30 Uhr, Cineplex

3K – KleinKinderKino

Kinderfilm-Spezial: Prinzessin Emmy, Urfin, Willkommen im Wunder-Park, Die sagenhaften Vier, Mascha und der Bär, Mister Link, Oh wie schön ist Panama

16.6., ab 10 Uhr, Cineplex

Push – Für das Grundrecht auf Wohnen 

Der Begriff Gentrifizierung ist für die aktuelle Wohnproblematik mittlerweile nicht mehr groß genug. In der Zwischenzeit sind Wohnräume weltweit besonders in städtischen Ballungsgebieten zu reinen Anlagemitteln geworden. An diesem Punkt setzt Leilani Farha die UN-Spezialreporterin für angemessenes Wohnen an. Ihre Aufgabe ist es, herauszufinden, warum und aus welchen Gründen Menschen aus den Städten verdrängt werden. Dafür reist sie um die ganze Welt – Filmemacher Fedrig Gerrten hat sie dabei begleitet.

17./18..6., Kinobar Prager Frühling

Luft zum Atmen – 40 Jahre Opposition bei Opel in Bochum 

1972 gründeten ein paar Arbeiter*innen und Revolutionäre bei Opel in Bochum die »Gruppe oppositioneller Gewerkschafter« (GoG). Die Chronik eines Arbeitskampfes. – Am 13.6. in Anwesenheit von Protagonisten und der Regisseurin Johanna Schellhagen

18.6., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Das beständige Gleiten der Begierde 

Eine junge Frau wird in eine Klosterzelle gebracht, weil ihre Mitbewohnerin Nora im gemeinsamen Appartement ermordet wurde. Ein Polizist, ein Priester, eine Nonne, eine Anwältin und ein Richter befassen sich nacheinander mit der Beschuldigten, um den Geschehnissen auf den Grund zu gehen. – Weird Wednesday

19.6., 21 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Der zweite Anschlag 

Der Dokumentarfilm widmet sich der Perspektive von Betroffenen rassistischer Gewalt und den gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem Thema Rassismus. – anschl. Publikumsgespräch mit der Filmemacherin Mala Reinhardt

19.6., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmeU)

Inna de Yard – The Soul of Jamaika 

Ein Haus an den Hängen über der jamaikanischen Hauptstadt Kingston, voll mit alten Vinyl-Schallplatten. Im Garten finden sich einige der legendärsten Stimmen des Reggaes ein und spielen ein neues Album ein.

19.6., 20.30 Uhr, Passage Kinos

Die Mission der Lifeline 

Markus Weinberg dokumentiert die Arbeit der Mission Lifeline und die Schwierigkeiten, die mir der Seenotrettung Geflüchteter einhergehen. – am 20.6.anschl. Filmgespräch mit dem Regisseur Markus Weinberg, am 21.6. mit Co-Regisseurin Luise Baumgarten zum Welt-Flüchtlingstag

20.6., 20 Uhr, 21.6., 17 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Stell dir vor, du müsstest fliehen 

Fiktives Fluchtszenario in Schweden. – mit Vorfilm zum Welt-Flüchtlingstag

20.6., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Längster Tag – Kurze Filme 

Die Preisträger des Deutschen Kurzfilmpreises 2018 zum längsten Tag des Jahres.

21.6., 20.30 Uhr, Passage Kinos

The Big Lebowski 

Ein Spät-Hippie und Bowling-Freak gerät durch eine Verwechslung in eine haarsträubende Entführungsaffäre. Kultfilm der Coen-Brüder. – Psychoanalyse trifft Film

21.6., 19.30 Uhr, Passage Kinos

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