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Film is female

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Die alte Dame des Festivalzirkus wirkt alles andere als betagt. Seit Jiri Bartoska und Eva Zaoralova die Leitung des Karlovy Vary International Filmfestival vor 25 Jahren übernahmen, hat es den Spagat verinnerlicht, gleichermaßen frisch und traditionsbewusst zu wirken. Auch deshalb kommen in diesem Jahr etwa Julianne Moore, Billy Crudup, Casey Affleck und Patricia Clarkson nach Karlsbad.

Casey Affleck kommt mit seinem Regiedebüt nach Karlovy Vary. Das Endzeit-Drama »Light of My Life« ist ein Herzensprojekt, bei dem er auch die Hauptrolle übernahm und produzierte. Julianne Moore und Billy Crudup präsentieren den Eröffnungsfilm »After the Wedding«, ein Hollywood-Remake von Susanne Biers oscarnominiertem Drama »Nach der Hochzeit«. Julianne Moore erhält zudem gemeinsam mit Patricia Clarkson den Crystal Globe als Ehrenpreis für ihre Arbeit.

Mit Spannung wird der neue Film von Jan-Ole Gerster erwartet, dessen Debüt, die Berlin-Ballade »Oh Boy«, bei Publikum und Kritik Eindruck hinterließ. Er drehte sein Familiendrama »Lara« erneut mit Tom Schilling in einer Hauptrolle, an der Seite von Corinna Harfouch. Sie spielt eine Mutter, die krampfhaft versucht, sich mit ihrem Sohn auszusöhnen. Das Karlovy Vary International Filmfestival ist längst keine Veranstaltung alter weißer Männer mehr, das ist spürbar in seinem 54. Jahr. Julianne Moore wird das Festival am 28. Juni eröffnen, Patricia Clarkson beschließt es mit Isabel Coixets »Learning to Drive«.
> 28.-6.7., Karlovy Vary International Filmfestival
> www.kviff.com/en/homepage

Film der Woche: Dem Upperclass-Pärchen Ester und Juan scheint ein sorgenfreies, luxuriöses Leben beschieden zu sein. Östlich von Mexico-City im Bundesstaat Tlaxcala züchten sie Kampfstiere. Während der Ferien sind Gäste, befreundete Familien und die Cliquen der beiden Kinder auf der riesigen Ranch zugegen. Freiheit und Zugewinn an sexueller Lust verspricht Juans Vorschlag, das Korsett ihrer romantischen Beziehung abzulegen. Als der gemeinsame Freund und Pferdetrainer Phil und Ester sich näher kommen, ermutigt Juan seine Ehefrau dazu, sich diese Affäre nicht entgehen zu lassen. Es folgen emotionale Überforderungen, insbesondere Eifersucht, Kontrollzwang und Manipulationsversuche. Die Geschichte des Scheiterns eines nicht-monogamen Liebesmodells wird von Reygadas, der nie mit professionellen Schauspielerinnen arbeitet und in »Nuestro Tiempo« zusammen mit Natalia López und den gemeinsamen Kindern die zentrale Familienkonstellation bildet, poetisch und psychologisch präzise geschildert. Ausführliche Kritik von Sebastian Gebeler im aktuellen kreuzer.
> »Nuestro Tiempo«: ab 27.6., Luru Kino in der Spinnerei

»Im Film muss immer etwas passieren. Melancholischen Mädchen passiert nichts.« Das Debüt von Susanne Heinrich beginnt mit einer Irritation und löst dieses Versprechen sogar ein. So richtig viel passiert nicht in dem diesjährigen Gewinner des Max-Ophüls-Preises. Und doch verströmt die Aneinanderreihung skurriler Episoden eine seltsame Sogwirkung. Die anfängliche Irritation bleibt erhalten. Wir begleiten eine junge attraktive Frau auf ihrem Weg und der steten Suche nach etwas, das sie aus der Lethargie reißt. Sie begegnet Männern, Frauen, Paaren, es gibt eine Gesangsnummer, eine komplett mit Musik unterlegte Passage. Die Figuren bewegen sich durch die Kulissen ihrer Existenz, die Dialoge sind meist motivationslos aufgesagt und voller Floskeln. »Das melancholische Mädchen» will nicht gefallen, ist widerborstig und grell. Susanne Heinrich gelingt es auf diese Weise, die Absurdität menschlicher Verhaltensweisen zu hinterfragen und das Medium Film neu zu definieren. Ein ausführliches Interview mit Susanne Heinrich gibt es in der aktuellen Ausgabe des kreuzer.
> »Das melancholische Mädchen«: ab 27.6., Cinémathèque in der Nato, Schaubühne Lindenfels, 28.6., Open Air in der Spinnerei

Die Helden in Gilles Lellouches Tragikomödie sind im besten Alter und mitten in einer handfesten Lebenskrise: Was liegt da näher als kurzerhand das erste männliche Synchronschwimmteam ihrer lokalen Badeanstalt zu gründen? Mit Badehose und Schwimmhaube wollen sie es mit der eigenen Midlife-Crisis und der internationalen Konkurrenz aufnehmen. Nach »Männer im Wasser« und »Swimming With Men« gehen nun auch die Franzosen baden. Die französische Variante punktet mit Starbesetzung und Charme.
> »Ein Becken voller Männer«: ab 27.6., Passage Kinos, Regina Palast

Weitere Filmtermine der Woche

Das Filmriss Filmquiz
…denn sie quizzen nicht, was sie tun! Wenn Bruce Willis auf alles außer Tiernahrung Prozente gibt, klingeln euch die Ohren? Ihr pfeift das Lied vom Tod unter der Dusche? Das einzige Gebet, dass ihr auswendig vorbeten könnt, ist Ezekiel 25:17? Dann seid ihr hier zuhause. Hier dürft ihr Kinonerd sein und werdet belohnt: tonnenweise Merchandise aktueller Kinoproduktionen warten auf euch. Groovy Baby! Letztes Quiz vor der Sommerpause.
> 27.6., 21 Uhr, StuK Studentenkeller

Shorts Attack: Ruf der Wildnis
Raus in die Natur: Shorts Attack geht auf Safari, in den Wald, unter Wasser, auf Jagd und auf skurrile Reisemission. Es gibt Tierbegegnungen, Gespenster, Naturkreisläufe, Poesie und jede Menge Zwischenfälle in Fauna und Flora. 12 Filme in 80 Minuten.
> 27.6., 20 Uhr, UT Connewitz



Stonewall
Spielfilm über die Ereignisse, die zu den Protesten der LGBT-Community in Stonewall 1969 führten. – anlässlich 50 Jahre Christopher Street Day (CSD) mit anschl. Gesprächsrunde
> 28.6., 20 Uhr, Passage Kinos

Die Berührung eines Engels
Ein Dokumentarfilm, über den Auschwitz-Überlebenden Henryk Schonker. – im Rahmen der Jüdischen Woche
> 27.6., 20 Uhr, Polnisches Institut



Julius Madritsch – Ein Gerechter unter den Völkern
Zwischen 1940 und 1944 führte der Wiener Julius Madritsch Textilbetriebe im besetzten Polen (Kraków, Tarnów), in denen an die tausend Juden beschäftigt waren. – im Rahmen der Jüdischen Woche
> 28.6., 20 Uhr, Polnisches Institut



The Royal Tenenbaums
In der top-besetzten Tragikomödie kehrt ein gealterter Mann zurück zu seiner neurotischen Familie, mutmaßlich mit Krebs im Endstadium. Wunderbar skurriles Werk von Wes Anderson. – mit Einführung im Rahmen der Jüdischen Woche
> 28.6., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato



Angel Wagenstein: Art is a Weapon
Porträt des bulgarischen Künstlers, Autors und lebenslangen Revolutionärs Angel Wagenstein. – Anschließend Filmgespräch mit der Regisseurin Andrea Simon
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28.6., 19.30 Uhr, Cineding

Matrix
Zum 20. Jubiläum zeigt der Cinestar den Science-Fiction-Meilenstein noch Mal in remastertem 4K.
> 28.6., 20 Uhr, Cinestar

Five Fingers for Marseilles
Tau, ein ehemaliger Widerständler gegen das Apartheidregime, wird nach 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Er ist entschlossen ein neues, gewaltfreies Leben zu beginnen. Doch in Freiheit muss er erkennen, dass sich in seiner Stadt längst ein anderes Machtsystem etabliert hat, das seine Interessen mit Gewalt und auf Kosten der Bewohner durchsetzt. Im Kampf gegen die neuen Autoritäten hofft Tau nun auf die Unterstützung seiner Jugendfreunde. Bildgewaltiger Western aus Südafrika.
> 29.6., 20 Uhr, Schauburg
> 2.7., 21.15 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Border
Seltsam-faszinierender Genremix um eine ungewöhnlich begabte Grenzbeamtin, die eines Tages vor ihren eigenen Grenzen steht.
> 30.6., 17 Uhr, Regina Palast

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