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Kein Platz für Skater

Linksfraktion setzt sich für den Bau einer Skateanlage im Westen ein

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Seit Jahren kämpfen einige Skater für eine Skateanlage im Leipziger Westen. Bereits 2016 hatten Unbekannte auf dem Jahrtausendfeld einige Module aufgebaut, die kurz darauf vom Liegenschaftsamt wieder abgerissen wurden. Im Januar 2018 wurde zwar ein Antrag der Linksfraktion im Stadtrat zum Bau eines Skateparks durchgewunken, passiert ist seitdem jedoch nichts.

Der Hinterhof der Shredderei in Leipzig Lindenau – für Skater ein vertrauter Ort. Hier kann man Skateboards und Longboards kaufen, oder bei einem Getränk plaudern. Lars Großgloß arbeitet in der Shredderei. Peter Strauss* und Tobias Hübner sind oft da. Die drei gehören zum festen Kern einer Gruppe, die sich seit drei Jahren für eine neue Skateanlage im Leipziger Westen einsetzt. »Die ganzen Kiddies, die anfangen wollen zu skaten, und das sind immer mehr, sollen die immer wieder durch fünf Stadtteile, damit sie ihrem Hobby nachgehen können? Wenn ich daran zurückdenke, wie ich selber angefangen habe zu skaten, niemals wäre ich dorthin gefahren, das wäre viel zu weit weg gewesen«, sagt Strauss.

Abriss

Foto: privat

Dabei gab es für eine Weile sogar eine kleine Skateanlage im Leipziger Westen. Auf dem Jahrtausendfeld, das seit Jahren brachliegt, hatten Unbekannte verschiedene Module aufgebaut. »Das war 2016«, erzählt Hübner, »und sowohl von den Leuten als auch von den Anwohnern wurde eigentlich sehr gut aufgenommen, dass die Brachfläche endlich für etwas genutzt wird«. Am Ende war es vor allem der Lärm, der Anwohner vom gegenüberliegenden Karl-Heine-Kanal dazu brachte, sich bei der Stadt zu beschweren. Kurz darauf wurde der Skatepark vom Liegenschaftsamt abgerissen. Und das, obwohl über das Amt für Gewässer und Grünschutz bereits Gespräche darüber begonnen hatten, wie man die Anlage vielleicht hätte erhalten können.

Foto: privat

Die linke Stadträtin Juliane Nagel wurde früh auf die Situation der Skater aufmerksam. Nach dem Abriss der Anlage auf dem Jahrtausendfeld stellte sie im Stadtrat einen Antrag für eine neue Skateanlage im Leipziger Westen. »Daraufhin hat sich eine Initiative von Skatern geformt, die gesagt haben, wir machen da was«, sagt Hübner, der genauso wie Strauss als Bauingenieur tätig ist. »Eigentlich wäre es uns am liebsten, eine Fläche zu haben, auf der wir einen öffentlichen Skatepark bauen können. Einen, bei dem wir nicht darauf angewiesen sind, dass irgendein Planer da etwas hinsetzt, was nicht gut zu skaten ist.«

 

 

Stadtratsbeschluss

Im Januar 2018 wurde Nagels Antrag vom Stadtrat durchgewunken. »In dem Beschluss stand, dass die Mitarbeiter der Verwaltung innerhalb eines Jahres eine Fläche suchen, auf der der Skatepark gebaut werden kann. Dieser Stadtratsbeschluss ist vom Januar 2018 – das ist jetzt also fast anderthalb Jahre her«, sagt Hübner. In dieser Zeit sind die Skater nicht untätig geblieben. Neben eigenen Flächenvorschlägen haben sie Lärmschutzgutachten erstellen lassen, um einen geeigneten Platz zu finden. Eine der Flächen, die in die engere Auswahl kam, befindet sich am Bürgerbahnhof Plagwitz. Im November 2018 trafen sich Strauss und Hübner mit dem zuständigen Sachbearbeiter der Stadt und den Verantwortlichen für den Bürgerbahnhof. »Der Platz dort wäre eigentlich ideal gewesen«, sagt Hübner und fügt an: »Wir haben dazu ein eigenes Lärmschutzgutachten erstellen lassen und eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der wir 250 Unterschriften von Unterstützern aus dem Viertel zusammenbekommen haben.« Trotz der Unterschriften und des Lärmschutzgutachtens wurde die Fläche am Ende aus den Planungen gestrichen. Verträge mit der Bahn und zukünftige Bebauungspläne würden eine Skateanlage am Bürgerbahnhof unmöglich machen, hieß es.

Fehlende Flächen

Ähnliche Antworten gab es bisher auf jede Brachfläche, die die Skater im Leipziger Westen ausfindig machten. Fläche ist entweder schon für zukünftige Projekte verplant, oder der Lärmschutz kann nicht gewährleistet werden. »Hier gibt es eben andere Probleme. Es müssen Schulen und Kitas gebaut werden. Skateboardfahren nehmen die von der Stadt nicht ernst genug, als dass man da bestimmte Projekte nochmal umplant. Für die ist das ein Nischensport«, sagt Hübner.

Diesen Eindruck bekräftigt auch eine Antwort der Stadtverwaltung auf Nachfrage von Nagel, wie die Standortsuche vorangehe. Dort heißt es: »Da sich die Standortsuche schwierig gestaltet, wird parallel dazu direkt westlich angrenzend an den Stadtbezirk Altwest bald ein attraktives, auch überregional bedeutungsvolles Angebot auf einer vorhandenen, aber überalterten Skateanlage entstehen.« Kurz gesagt: Das Heizhaus in Grünau wird in den Jahren 2020/21 saniert und wenn bis dahin keine Fläche gefunden werden konnte, könnten die Skater, so die Stadtverwaltung, ja auch dorthin ausweichen.

»Das ist alles niedergeschmettert worden«

»Wenn man mal guckt, welches Gebiet der neu sanierte Skatepark in Grünau bedienen soll, sind das alleine sieben Stadtteile in Richtung Innenstadt. Das ist, als würde man einem Fußballverein sagen, ja wieso, ihr habt doch RB Leipzig«, so Strauss zum Notfallplan der Stadt. Entsprechend enttäuscht sind die Skater im Moment auch. »Wir haben alle Flächen, die wir kennen, prüfen lassen. Aber das ist alles niedergeschmettert worden, irgendwann ist man da auch einfach frustriert.«

Stadträtin Nagel kritisiert, dass die Stadt versuche, den Stadtratsbeschluss auszusitzen, statt die Bedarfe der jungen Menschen ernst zu nehmen. »Dass die Infrastruktur in Grünau verbessert wird, ist richtig und wichtig«, heißt es in ihrer Pressemitteilung, »doch es braucht – in der wachsenden Stadt und vor dem Hintergrund des Wegfalls mehrerer Anlagen in Lindenau und Großzschocher – wohnortnahe Alternativen! Es kann nicht sein, dass junge Menschen in ihren Vierteln teure Wohnbauprojekte und Konsummöglichkeiten sprießen sehen, während die Räume für ihre Freizeitgestaltung schwinden.«

*der Name wurde, aufgrund des Wunsches der beteiligten Person, von der Redaktion geändert.

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