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Hoch die Wände, Wochenende

Ein Vierteljahrhundert Extrem-Metal, ein Vierteljahrhundert Party.San Open Air

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»The only walls we build are walls of death«: Der Lieblings-T-Shirt-Spruch war beim 25. Party.San Open Air schnell gefunden. Der beste Bandauftritt war da zunächst nicht ganz so leicht auszumachen – es gab einfach zu viele Kandidaten. Aber vielleicht von Anfang an.

Während derzeit medial ein Acker in Norddeutschland nach jedem Stein der 30-jährigen Geschichte abgesucht wird, begingen eingefleischtere Metal-Hörende nebenan in Thüringen einen etwas kleineren Geburtstag: Das Party.San Open Air ging gerade in der 25. Auflage über die Bühne.

Was in Bad Berka auf einer Lehmwiese namens Tiefengruben begann, musste längst wegen mehrmaligem Absaufens in den Norden der grünen Mördergrube ziehen. Weil der Lehmboden kein Abfließen des Wassers zulässt, zog das Festival aufs Gelände nach Schlotheim um, die Fans zogen mit. Nicht jeder wird noch wissen, dass es überhaupt einmal woanders stattfand.

Folglich nicht jeder wird sich an das Schlammmassel von 2010 erinnern können – oder an andere, noch unangenehmere Sachen. Dass etwa in den frühen 2000er-Jahren (eher als 2001 war der Autor dieser Zeiten kein Festivalgast) auch Faschos auf dem Party.San noch gang und gäbe waren. Das war anfangs schon ungemütlich, aber hey, man kannte das aus den 90ern, und Thüringen war eh eine NS-Metal-Hochburg. Das macht den Umstand natürlich nicht besser, aber es war so. Eh es hier Kritik hagelt, dass es jetzt schon wieder nur um Nazis geht: Nein, geht es nicht. Aber es muss daran erinnert werden, dass das Party.San unter anderem mit konsequenter(-er) Türpolitik klarmachte, dass es auf Nazis keinen Bock hat. Daran ändern auch keine eher umstrittenen Bookings wie das diesjährige mgla etwas. Ja, die sind derzeit sehr gefragt und musikalisch gut wie unbedenklich – auf ihren Hintergrund trifft das leider nicht zu. Aber eigentlich sollte das ein Lob werden.

Und dafür gab‘s reichlich Anlass. Die Bandauswahl reichte vom sehr musealen Auftritt von Hellhammer in rockigem Heavy-Gewand bis zum Death-Roundhouse-Kick von Beheaded. Das trifft den ersten Tag ganz gut, staubedingt kam ich erst bei Incantation an – die mir sehr empfohlenen Runemagick musste ich auslassen. Night Demon zeigten sich einmal mehr als Grundsympathen, das muss man in Leipzig aber nach ihrem Auftritt im 4Rooms nicht mehr erklären: Heavy Metal halt. Nekrovault punkteten als Deather, bevor Rotting Christ im Regen alles zerlegten.

Vielleicht liegt es an meinem sonnigen Gemüt, aber ich habe durchweg nur hochfreundliches Personal angetroffen. Das muss man ja auch noch einmal hervorheben: Es sind viele Helfer, die für wenig bis lau dieses Festival erst möglich machen. Bedenkt man allein, dass der Bühnenaufbau eine Woche in Anspruch nimmt und dafür die Hands schon – dieses Jahr nicht bei bestem Witterungsbedingungen – zig Tage hier lagerte, kann man nur der Arbeit Respekt zollen. Wie der ganzen Crew. Ein fettes Jahr 2020 wird schon angekündigt, aber erstmal danke für dieses Mal!

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