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Neue Leinwand für Experimente

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt los ist.

Ab dem 30. August bespielt die Cinémathèque eine zweite Interims-Spielstätte an der Ecke Kurt-Eisner-/Kochstraße. Sie soll Spielwiese für experimentelles Kino, Videokunst und mehr sein. Ein Videofilmprojekt mit »Zeitzeugen ’89« ist in Planung und das 837-minütige Mammutwerk »La Flor« des argentinischen Regisseurs Mariano Llinás wird hier zu erleben sein. Kunstformübergreifende Experimente an den Grenzen des Films versprechen spannende Perspektiven. Am 30.8. eröffnet das Interim mit »Berlin DDR Hintergrund« (S 1987, Dok) und »Verrat« (S/DK 1994, Dok) in Anwesenheit des Regisseurs Björn Cederberg.


Interim der Cinémathèque: ab 30.8., Ecke Kurt-Eisner-/Kochstraße

Film der Woche: Katherine Newbury (Emma Thompson) ist seit 30 Jahren die ungekrönte Talkshow-Queen. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Katherine ist eine Egomanin und nicht gerade offen für Kritik. Als man ausgerechnet ihr vorwirft, eine »Frauenhasserin« zu sein, heuert sie kurzerhand die Quereinsteigerin Molly (Mindy Karling) an. Von ihr lernt Katherine Mut Selbstironie und das kommt an beim Publikum. Mindy Kaling (»Freundschaft Plus«) erweist sich dabei auch für den Kinogänger als Glücksfall, schließlich schrieb und produzierte sie »Late Night« und verarbeitete ihre eigenen Erfahrungen im Fernsehzirkus. Heraus kam eine pointierte Komödie am Puls der Zeit. Emma Thompson darf dabei auch mal wieder ihr komödiantisches Talent ausspielen und glänzt in einer ihrer besten Rollen. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Late Night«: ab 29.8., Passage Kinos, CineStar

Frau Stern (Ahuva Sommerfeld) hat keine Lust mehr. Alles ist nur noch mühselig für die 90-Jährige. Dabei ist sie für ihr Alter noch recht fit. Viel zu fit, wenn es nach ihr ginge. Der Arzt rät ihr mit dem Rauchen aufzuhören. Dafür sei es doch jetzt nun auch zu spät. Und überhaupt, wenn sie das KZ überlebt hat, werden sie auch die Zigaretten nicht umbringen. Also muss sie einen anderen Weg finden. Eine Waffe wäre gut, doch woher soll sie die bekommen? Vielleicht kann ihre Enkelin Elli (Kara Schröder) helfen. Oder der freundliche Türke (Murat Seven) aus dem Kiez, der ihr immer die Haare schneidet und sie mit Gras versorgt. Mit viel tiefschwarzem Humor erzählt Anatol Schuster seine tragikomische Berlin-Ballade. Aber auch ebenso feinsinnig und ohne Brachialkomik. Die Einstellungen sind lang, die Last des Lebens auf Sterns Schultern spürbar. Die 80-jährige Ahuva Sommerfeld spielt sie mit Berliner Schnauze und grimmigem Humor, aber auch viel Wärme. Es ist ihr erster und auch letzter großer Auftritt. Sie ist die Seele des kleinen No Budget-Films, den Schuster und sein Team in wenigen Tagen realisierten. Gerade noch rechtzeitig: Kurz nach den Dreharbeiten verstarb Ahuva Sommerfeld. »Frau Stern« bleibt. Die Premiere beim Max Ophüls Preis Filmfestival erlebte sie noch, die Ehrung als beste Schauspielerin beim »achtung berlin – new berlin film award«, wo »Frau Stern« auch als bester Spielfilm ausgezeichnet wurde, konnte Ahuva Sommerfeld jedoch nicht mehr entgegen nehmen. Mit seinem Film schuf Anatol Schuster eine Huldigung, eine Würdigung, maßgeschneidert für seine Heldin – und eine angenehme Ausnahme unter den deutschen Filmproduktionen. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Frau Stern«: ab 29.8., Passage Kinos

Die britische Agentin Rachel (Diane Kruger) spioniert für den israelischen Geheimdienst Mossad in Teheran. Zur Beerdigung ihres Vaters kehrt sie nach Europa zurück und verschwindet spurlos. Ihr ehemaliger Mittelsmann Thomas Hirsch (Martin Freeman) erhält unvermittelt einen Anruf von Rachel und erfährt, dass der Mossad hinter ihr her ist. Im Verhör rekonstruiert er die Ereignisse, die der Flucht vorangingen. Wie Rachel zum Geheimdienst kam, die Monate undercover im Iran und die regelmäßigen Treffen in Leipzig. So wollen die Vorgesetzten herausfinden, wo sich Rachel aufhält. Der israelische Regisseur Yuval Adler konzentriert sich in seiner Adaption des Romans »The English Teacher« von Yiftach Reicher Atir auf den psychologischen Aspekt des Buches. Das Leben einer Spionin, das Verhältnis zwischen Spion und Mittelsmann durch die Augen des Spions ist ihm wichtiger als James Bond-Action und Waffengewalt. So gelang ihm ein konzentrierter Thriller mit einer starken Hauptdarstellerin. Ausführlicher Drehbericht im aktuellen kreuzer.

»Die Agentin«: ab 29.8., Passage Kinos, Regina Palast

New York City ist längst nicht mehr der inspirierende Ameisenhaufen, der in den Filmen von Woody Allen oder Martin Scorsese weiterlebt. Die Kommerzialisierung hat das Stadtbild grundlegend verändert. Im Herzen von Greenwich Village gibt es aber noch ein Geschäft, dass sich erfolgreich der Gentrifizierung des Viertels entzieht: Carmine Street Guitars. Gitarrenbauer Rick Kelly und seine Auszubildende Cindy Hulej bauen dort handgefertigte Instrumente aus recycelten Materialien – Holz aus alten Hotels, Bars, Kirchen und anderen lokalen Gebäuden. Jedes Instrument ist so auch ein Stück New Yorker Stadtgeschichte. Nichts sieht so aus und klingt so wie eine von Rick Kellys Gitarren, weshalb Musiker wie Bob Dylan, Lou Reed und Patti Smith zu seinen Kunden gehören. Einige von ihnen schauen auch in Ron Manns Dokumentarfilm über das Refugium vorbei. In ruhigen Bildern hält Mann einen wunderbar aus der Zeit gefallenen Meister bei seiner Kunst fest. Ein Film für Musikliebhaber und ein faszinierendes Dokument einer vergangenen Ära.

»Carmine Street Guitars«: ab 29.8., Kinobar Prager Frühling

Weitere Filmtermine der Woche

Der Beitritt – Die letzte Regierung der DDR
»Der Beitritt« thematisiert die letzte und einzige demokratisch legitimierte Regierung der DDR und den Prozess, der die DDR im Oktober 1990 in der Bundesrepublik aufgehen ließ. – anschl. Filmgespräch mit Ralph Eue (Filmpublizist, Programmchef DOK Leipzig) und Rainer Eppelmann (Minister für Abrüstung und Verteidigung in der letzten DDR-Regierung und Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur).
> 29.8., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Erinnerungen an eine Landschaft – für Manuela
Der Regisseur Kurt Tetzlaff begleitete über die Jahre hinweg den Untergang zweier Orte, die der Braunkohleförderung weichen mussten. Er zeigt den schmerzlichen Abschied der Menschen von den ihnen vertrauten Orten, die aufhören werden zu existieren. – Globale im Rahmen des Grünauer Kultursommers
> 29.8., 20 Uhr, Kulkwitzer See

Interim der Cinémathèque
Eröffnung des Interims am 29.08. mit: »Berlin DDR Hintergrund« (S 1987, Dok) und »Verrat« (S/DK 1994, Dok) in Anwesenheit des Regisseurs Björn Cederberg.
> 30.8., 20 Uhr, Interim der Cinémathèque

Kurzfilmfestival zur Leipziger Radnacht 2019 


Neun Kurzfilme aus Irland, Ungarn, Indonesien und anderen Teilen der Erde, die sich ums Fahrrad drehen. (Filmstill: Velodrool)
> 30.8., 21 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Perserkatzen kennt doch keiner
Die iranischen Rockmusiker Negar and Ashkan wollen aus dem repressiven Iran nach London flüchten. Doch zuvor wollen sie ein letztes Konzert in Teheran geben. Es beginnt ein Trip durch das immer noch schillernde Nachtleben der iranischen Hauptstadt – Aufnahmen der Teheraner Underground-Szene mit echten Bands. – anschl. Eröffnungsparty Polyloid Filmfest
> 30.8., 20 Uhr, Ost-Passage Theater

Prélude
Der 19-jährige David träumt von einem Leben als Konzertpianist auf den großen Bühnen der Welt. Auf dem Musikkonservatorium ist er aber nur ein Talent unter vielen.
> 30.8., 20.30 Uhr, Passage Kinos

Der Rat der Götter
Der Film thematisiert die Verstrickung der IG Farben in Rüstungsproduktion und Giftgasherstellung für die Konzentrationslager. – Globale im Rahmen des Bülowstraßenmusikfestivals
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31.8., 20.30 Uhr, Fortuna – Kino der Jugend

Hass (La Haine)
Eindringliche, schonungslose Studie zum Leben von Jugendlichen und zu Gewalt in einer Pariser Trabantenstadt. – Polyloid Filmfest
> 31.8., 20 Uhr, Vary – Recordstore & Café

Auf dem Weg zur Schule
Jackson (11) aus Kenia, Zahira (12) aus Marokko, Samuel (13) aus Indien und Carlito (11) aus Argentinien haben eines gemeinsam: Ihr Schulweg ist sehr lang und gefahrvoll, doch ihre Lust am Leben und am Lernen ist größer. Der etwas pathetische Blick auf weit entfernte Kinderwelten krankt vor allem am deutschen Voiceover. – Polyloid-Filmfest
> 1.9., 16 Uhr, Pöge-Haus

Chasing Trains
Trainspotting: Drei britische Freunde filmen Dampfloks im kontinentalen Europa. – Polyloid-Filmfest
> 1.9., 20.30 Uhr, HAL Atelierhaus

Apocalypse Now: Final Cut
Francis Ford Coppolas Albtraum Vietnam in einer neuen, restaurierten Schnittfassung. – zum Weltfriedenstag
> 1.9., 16 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Eingebrannt – Frauen auf Kreta 1941-1945
Kreterinnen berichten, wie deutsche Flieger kretische Städte bombardierten, Wehrmachts-Soldaten Dörfer verbrannten und zerstörten, wie Frauen, Kinder und alte Menschen ver- trieben und hingerichtet wurden – in Anwesenheit der Regisseurinnen, zum Weltfriedenstag
> 1.9., 17.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling

The Whale And The Raven
Janie Wray und Hermann Meuter sind Walforscher und lassen alles hinter sich, um auf einer unbewohnten Insel an der Westküste Kanadas eine Forschungsstation zu errichten. Doch dann wird die unberührte Natur durch einen Tanker-Betreiber bedroht. – Einblick in Anwesenheit von den »Dark Eden«-Regisseuren Jasmin Herold und Michael David Beamish, mit Greenpeace-Infostand
> 1.9., 13 Uhr, Passage Kinos

Der Duft des Westpakets
Maja Stieghorst und Brit-J. Grundel begeben sich auf die Suche nach dem Duft, der bei vielen im Osten Deutschlands Geborenen Erinnerungen weckt. – anschl. Gespräch mit den Regisseurinnen, im Rahmen der Reihe »Zum Herbst ’89«
> 2.9., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Er ist wieder da
Er ist wieder da, der Führer. Knapp 70 Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang erwacht Adolf Hitler im Berlin der Gegenwart. Mediensatire nach dem Roman von Timur Vermes. – mit anschl. Filmgespräch
> 2.9., 20 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Werner – Beinhart!
Mischung aus Zeichentrick- und Realfilm-Komödie rund um den Kult-Helden »Werner« nach den Comics von Rötger Feldmann.
> 3.9., 20 Uhr, Cinestar

Es & Es – Kapitel 2
Der Überraschungserfolg und die heiß ersehnte Fortsetzung der Romanadaption von Stephen King im Doppel.
> 4.9., 20 Uhr, Cineplex, Cinestar, Regina Palast

Push – Für das Grundrecht auf Wohnen
Der Begriff Gentrifizierung ist für die aktuelle Wohnproblematik mittlerweile nicht mehr groß genug. In der Zwischenzeit sind Wohnräume weltweit besonders in städtischen Ballungsgebieten zu reinen Anlagemitteln geworden. An diesem Punkt setzt Leilani Farha, die UN-Spezialreporterin für angemessenes Wohnen, an. Ihre Aufgabe ist es, herauszufinden, wie Menschen aus den Städten verdrängt werden. Dafür reist sie um die ganze Welt – Filmemacher Fedrig Gerrten hat sie dabei begleitet. – Globale
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4.9., 20 Uhr, Peterskirche

Der Turm
Das Fernsehdrama erzählt vom Schicksal einer Familie in der DDR. – im Rahmen der Filmreihe »Zeitgeschichte auf der Leinwand im Stasi-Kinosaal«
> 5.9., 19 Uhr, Museum in der »Runden Ecke«

Homo Botanicus
Zwei Botaniker unterwegs durch den kolumbianischen Regenwald. – Polyloid-Filmfest
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5.9., 20.30 Uhr, Offener Garten Querbeet

Love and Revolution
Fast zehn Jahre EU-Austeritätspolitik gegen Griechenland. Liberalisierung, Privatisierung, Sozialkürzungen, Schleifung eines ganzen Landes, seiner Ökonomie und seiner Bevölkerung. Die Auswirkungen sind fatal und heute vielfältig sichtbar. – Globale
> 5.9., 20 Uhr, Heizhaus

Smallfilms: Emerging Artists
Eine Auswahl von »Contemporary Experimental Films and Video Art From Germany« der AG Kurzfilm in Kooperation mit dem DOK Leipzig. Seit 2013 präsentiert die Institution alle zwei Jahre ein Programm mit kurzen, experimentellen Arbeiten junger Nachwuchskünstler.
> 5.9., 19 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst

Delicatessen
Makabrer Klassiker aus Frankreich: In einer skurrilen Endzeitwelt gerät ein zurückhaltender Zirkusartist in das Haus eines Fleischers, der der Nahrungsmittelknappheit auf naheliegende Weise begegnet. Kultige, schwarzhumorige »Kannibalisten«-Komödie. – Polyloid-Filmfest
> 6.9., 22.30 Uhr, Pöge-Haus

Ein strahlendes Land
Radioaktive Strahlung ist in Deutschland viel verbreiteter, als wir glauben. Der Investigativjournalist Marvin Oppong ist mit einem Geigerzähler durch ganz Deutschland gereist auf der Suche nach radioaktiven Orten. Seine Reise führt ihn zu Nuklearanlagen, zu einem radioaktiv kontaminierten Einkaufscenter, auf Uranhalden in Ostdeutschland und zu einem strahlenden Bolzplatz neben einer Kita. – mit anschl. Filmgespräch mit Regisseur Marvin Oppong
> 6.9., 19.30 Uhr, Cineding

Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand 
Erschütternde Doku über den größten wirtschaftspolitischen Skandal im Nachkriegsdeutschland: den »Ausverkauf« der DDR. – Globale
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6.9., 18.30 Uhr, Freizeittreff Völkerfreundschaft

La Flor
Argentinisches Kino im Serienformat: Fast 14 Stunden lang zieht Regisseur Mariano Llinás durch verschiedene Genres und Geschichten. Eine außergewöhnliche Kinoerfahrung.
> Teil 1&2: 6.9., 19 & 21 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Out of Rosenheim
Eine Frau aus Bayern lässt mitten in der Wüste von Nevada ihren Mann fahren, nistet sich in einem Fernfahrer-Motel ein und bringt die Bewohner und sich selbst in Schwung. Die charmant-skurrile Komödie war der Überraschungshit 1988. – Filme mit Freunden meets Polyloid-Filmfest
> 6.9., 20.30 Uhr, Pöge-Haus

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