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Kinokunst

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Eigentlich machen die Kinoländer Europas ja mehr oder weniger erfolgreich ihr eigenes Ding. Alljährlich sind wir zum »European Arthouse Cinema Day« aber dann doch eins. Mehr als 650 Kinos in 39 Ländern zeigen Previews, Kinderfilme und Klassiker der europäischen Filmgeschichte. Dazu gabt es begleitende Filmgespräche, Empfänge und Ausstellungen. Bei uns beteiligen sich seit einigen Jahren Passage, Schaubühne und Cineplex mehr schlecht als recht an dem Kinofest. In der Passage gibt es immerhin Café au Lait und französisches Gebäck zu »Lieber Antoine als gar keinen Ärger«. Cineplex und Schaubühne Lindenfels begnügen sich mit einer, bzw. zwei Previews vor dem Kinostart. Das Programm gibt es im Kalender und hier weiter unten.

»European Arthouse Cinema Day«: 13.10., Cineplex, Passage Kinos, Schaubühne Lindenfels

Film der Woche: Im hektischen Leben des Alltags sind sie meist nur eine Randnotiz. Sie existieren im Augenwinkel der Gesellschaft. Unter den Wohnungslosen sind die Frauen mehr noch gefährdet als ihre männlichen Pendants, Opfer von Gewalt und dem entbehrungsreichen Leben auf der Straße zu werden. Die Gründe, warum sie auf der Straße landen, sind so vielfältig wie die Menschen hinter den Geschichten: Psychische Probleme, gewaltsame Partner, Jobverlust – auf der Straße landet man schnell, der Weg zurück in ein geregeltes Leben ist ungleich schwerer. In einer Stadt im Norden Frankreichs, geprägt von Arbeitslosigkeit und Armut, nimmt ein Tageszentrums für Wohnungslose die Frauen auf. Im »L’Envol« können sie den Tag verbringen, zur Nacht müssen sie die Unterkunft aber wieder verlassen. Eine Tatsache, die schwer an Audrey (Audrey Lamy) und den anderen Mitarbeiterinnen der Einrichtung nagt – und über die sie sich mehr als ein Mal hinweg setzen. Als das »L’Envol« schließlich ganz geschlossen werden soll, werden die Frauen selbst aktiv: Mit Workshops und engagierten Aktionen versuchen Audrey, Manu, Hélène und Angélique ihre Schützlinge zurück ins Arbeitsleben zu bringen.

Inspiriert durch das Buch »Auf der Straße der Unsichtbaren« von Claire Lajeunie und ihrer Filmdokumentation entwickelte Regisseur Louis-Julien Petit die Geschichten seiner Protagonistinnen und lies sie von ausgebildeten Schauspielerinnen und echten Obdachlosen verkörpern. Ein Workshop mit 150 Frauen von der Straße förderte schließlich Erstaunliches zutage. Die berührende Darstellung der Laien, die teilweise ihre eigene Biographie mit ins Spiel legen, bringt »Der Glanz der Unsichtbaren« zum Strahlen. Petits feinfühlige Arbeit, sein Auge für Details und sein Ohr für Geschichten erfüllt jede noch so kleine Figur mit Leben. In Frankreich avancierte »Der Glanz der Unsichtbaren« mit seiner warmherzigen Mischung aus Komödie und Sozialdrama zum Publikumshit. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Der Glanz der Unsichtbaren«: ab 10.10., Passage Kinos, am 10.10., 17 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs

Schon die Zugfahrt zurück ist ein Albtraum mit rüpelhaften Reisenden, quängelnden Kindern, Grimassen und Karikaturen. Die Journalistin Alicja Tabor kehrt widerwillig in ihre Heimat zurück. Dort ist für sie nichts mehr, außer dem leeren Haus ihrer Familie. Die Nächte sind unruhig, geprägt von den Albträumen der Vergangenheit. Einer gewalttätigen Mutter, einer liebevollen Schwester, die plötzlich verschwand. Tagsüber ermittelt Alicja das mysteriöse Verschwinden von drei Kindern. Die familiären Abgründe, die sie in dem von sozialer Degeneration geprägten, ehemaligen Bergbaugebiet erlebt und die Feindlichkeit, mit der man ihr begegnet, vermischen sich mit den Spuren der Vergangenheit zu einem albtraumhaften Trip durch die Zeitebenen. Regisseur Borys Lankosz wechselt hier mit nahezu jeder Szene das Genre, folgt den Fährten der Geschichten, die die polnische Autorin Joanna Bator in ihrem Roman streut. Mal Krimi, mal Geistergeschichte, bis hin zum ausgewachsenen Horror: Lankosz fordert viel vom Zuschauer und verliert zunehmend die Kontrolle über die Vielzahl an Fäden, die seine Handlung durchziehen. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Dunkel Fast Nacht«: ab 10.10., Luru Kino in der Spinnerei

Mia (Sophie Nélisse) und ihre Stiefschwester Sasha (Corinne Foxx) sind mit ihren Eltern von den USA nach Mexiko gezogen. Während Sasha schnell Anschluss findet, wird die zurückhaltende Mia von ihren Mitschülern gemobbt. Als ihre Freundinnen Nicole (Sistine Rose Stallone) und Alexa (Brianne Tju) zu einem entlegenen Tauch-Spot aufbrechen wollen, überredet Sasha die kleine Schwester dazu, mitzukommen. Gemeinsam wollen sie die Ruinen der Maja erkunden. Eine faszinierende Unterwasserwelt, die allerdings zur tödlichen Falle wird, als riesige weiße Haie auftauchen und Jagd auf die Mädchen machen. Mit dem Hai-Horror „47 Meters Down“ gelang Regisseur Johannes Roberts 2017 ein Überraschungshit. Da lies das Sequel nicht lange auf sich warten. Teil zwei hat handlungstechnisch nichts mit dem Erstling gemeinsam. „Uncaged“ setzt voll auf Suspense, mit computeranimierten Haien im Halbdunkel funktioniert dies allerdings nur bedingt. Das Highschool-Drama zum Einstieg ist dabei aber ebenso lieblos wie die hohlen Dialoge.

»47 Meters Down: Uncaged«: ab 10.10., Cineplex, Regina Palast

Weitere Filmtermine der Woche

Celebration

Dokumentarfilm über Yves Saint-Laurent und seine legendäre letzte Show.

10.10., 13 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Der Glanz der Unsichtbaren

Petits feinfühlige Arbeit, sein Auge für Details und sein Ohr für Geschichten erfüllten jede noch so kleine Figur mit Leben. In Frankreich avancierte »Der Glanz der Unsichtbaren« mit seiner warmherzigen Mischung aus Komödie und Sozialdrama zum Publikumshit. Premiere in Anwesenheit des Regisseurs Louis Julien Petit

10.10., 17 Uhr, Passage Kinos

Era of Dance

Dokumentation über die Anfänge der russischen Technobewegung in den achtziger Jahren, die von Riga ausging, und über die Person, die den Stein ins Rollen brachte. – anschl. Talk und Party: »Zur Geburt des (Post) Soviet Rave aus dem Post Punk im Baltikum« mit DJ Raul Saaremets (aka Ajukaja, Röövel Ööbik) – Sounds of ’89

10.10., 20 Uhr, Institut für Zukunft

Irres Kino – Kurzfilmprogramm

Kurzfilmrolle zur Filmreihe »Irres Kino – Psychisch krank im Film«

10.10., 20 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Zwischen Liebe und Zorn – Der Fotograf Harald Hauswald

Harald Hauswald war als Fotograf neben Christian Borchert und Helga Paris der vielleicht wichtigste DDR-Chronist – und gleichzeitig der am wenigsten angepasste. – Point of No Return – Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst

11.10., 20 Uhr, Interim der Cinémathèque

Cat Video Fest 2019

Deutschandpremiere einer Katzensensation: Jedes Jahr stellt das Cat Video Fest aus unzähligen Stunden eingereichter Filme, Animationen, Musikvideos und Internetfilmen eine Compilation der schönsten Katzenvideos zusammen und zeigt sie in Kinos rund um den Globus. Ein Teil der Erlöse geht an lokale Organisationen für den Schutz von Katzen und ihr Wohlergehen. Ob Katzenvideos im Kino genauso viel Spaß machen wie auf Youtube, kann man diese Woche im Luru-Kino überprüfen. Schön bescheuert wirds auf jeden Fall.

11.10., 17.30 Uhr, 12.10., 17 Uhr,, 13.10., 15.30 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

The Last House on Dead End Street

Ein Pornoproduzent gerät von Seiten seiner Geldgeber unter Druck, weil offensichtlich niemand mehr sein harmloses Zeug sehen will. Die Rettung sieht er in Terry Hawkins, einem drogenabhängigen Ex-Knackie, der völlig neuartige Filme drehen will. Doch diese neuartigen Filme entpuppen sich bald als üble Snuff-Movies. – Uncut Horror Classics

11.10., 21 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei (OF)

Legiony

Historienfilm über das Aufwachsen vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs. – Polnisches Kino

12.10., 17 Uhr, 13.10., 20 Uhr, Cineplex

15 Corners of the World

Der Dokumentarfilm führt in das legendäre Experimentalstudio des Polnischen Radios, wo in den Sechzigern Science-Fiction-Klänge erzeugt wurden in einem Tonlabor, welches selbst wie die Schaltzentrale eines Raumschiffes anmutete. – 43. Leipziger Jazztage

13.10., 14 Uhr, UT Connewitz

European Arthouse Cinema Day

Das Kapital im 21. Jahrhundert

Basierend auf dem gleichnamigen Buch aus der Feder von Thomas Piketty, einem der meistgelesenen und diskutierten Sachbücher unserer Zeit, weist der Dokumentarfilm auf die Missstände des modernen kapitalistischen Systems hin, das seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion unbestritten die Welt beherrscht und als liberal und demokratisch gilt.

13.10., 13 Uhr, Passage Kinos, 18 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar

Actionreicher Kinder-Fantasy-Film um die zwölfjährige Sue, die sich plötzlich unsichtbar machen kann.

13.10., 15 Uhr, Passage Kinos

Das Wunder von Marseille

Ein Junge flieht aus dem Irak und lernt in Frankreich einen Mann kennen, der sein Talent im Schach fördert. Nach dem Buch »Spiel um dein Leben, Fahim!« der Autoren Fahim Mohammad und Xavier Parmentier.

13.10., 17.15 Uhr, Cineplex (OmU)

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

Zum European Arthouse Cinema Day gibt es eine Preview des Berlinale-Wettbewerbsbeitrags aus Mazedonien. Die religiöse Satire um eine junge Frau, die mit der Borniertheit der Einwohner ihrer Heimatstadt aufräumt, gewann den Ökumenischen Filmpreis.

13.10., 20.15 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Lieber Antoine als gar keinen Ärger

Gefeierte französische Komödie, in der die Witwe des örtlichen Polizeichefs sich eines unschuldig inhaftierten Kleinkriminellen annimmt.

13.10., 16 Uhr, Passage Kinos

Ein Becken voller Männer

Nach »Männer im Wasser« und »Swimming With Men« nun also die französische Variante mit Starbesetzung: Betrand überwindet seine Lebenskrise, als er einer Gruppe von männlichen Synchronschwimmern beitritt.

13.10., 17 Uhr, Schauburg

Forrest Gump

Tom Hanks in einer seiner berühmtesten Rollen. – Wiederaufführung zum 25. Jubiläum

13.10., 17 Uhr, Regina Palast

My People, My Country

Anthologiefilm aus sieben Kurzgeschichten von unterschiedlichen Regisseuren, die auf sieben einschneidenden Momenten der Gründung der Volksrepublik China beruhen.

13.10., 11.30 Uhr, 15.10., 19.30 Uhr, Cineplex (OmU)

Space is the Place

Der intergalaktische Messias Sun Ra kehrt auf der Erde mit seinem durch Musik betriebenen Raumschiff zurück, um eine schwarze Gemeinde bei Auseinandersetzungen mit dem FBI, der NASA und anderen kriminellen Organisationen und Personen zu unterstützen. Ein obskurer Mix aus trashigem Sci-Fi, sexy Blaxploitation, afro-ägyptischer Mystik, Black-Power-Polemik und kosmischem Free Jazz. – 43. Leipziger Jazztage

13.10., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling (OmU)

Ucitelka

mit freiem Eintritt zur Ausstellung mit dem Kinoticket
Eine unkonventionelle Lehrerin in Bratislava im Jahre 1983 gerät unter Beschuss. – Rahmenprogramm zur Sonderausstellung »Charta 77 Story« im Stadtgeschichtlichen Museum/Neubau, mit freiem Eintritt zur Ausstellung mit dem Kinoticket

13.10., 11.30 Uhr, Passage Kinos

Lola rennt

Dreimal wiederholt sich der Versuch einer jungen Frau, ihrem Freund aus der Patsche zu helfen – mit jeweils unterschiedlichem Ergebnis. Berlin-Kultfilm. – im Rahmen von »Call me by your Phone« mit Einführung

14.10., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmU)

Pulp Fiction

»Zed’s dead, honey. Zed’s dead.« Irre Typen, markante One-Liner, ein handverlesener Soundtrack und zahlreiche Zitate aus der Filmgeschichte: der Stoff, aus dem Kultfilme gemacht sind. Quentin Tarantinos zweiter Film markierte seinen Aufstieg vom Geheimtipp zu einem der wichtigsten Regisseure des kontemporären Kinos. – Montagskino

14.10., 20.30 Uhr, Dr. Hops

Die Taube auf dem Dach

Drei Menschen auf der Suche nach Idealen und einem Platz in der Gesellschaft. – Auf der Suche. 11 Filme von Frauen aus der DDR sowie der BRD vor und nach 1990

15.10., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Moschee DE

Die Menschen in Berlin-Pankow sind in Aufruhr: Die Ahmadiyya-Gemeinde möchte auf einem Brachegelände eine Moschee errichten. In einem Reenactment werden die Reaktionen der Menschen im Jahr 2008 nachgestellt. – Screening Religion, mit anschließender Diskussion

15.10., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Eigensinn im Bruderland

Migranten aus befreundeten sozialistischen Staaten wie Vietnam, Mosambik, Kuba oder Angola in der DDR: Nach ihren Erwartungen und ihren Erfahrungen und nach ihren Strategien, die eigenen Lebens-Vorstellungen umzusetzen, fragt die Webdokumentation »Eigensinn im Bruderland«. – anschl. Filmgespräch mit der Regisseurin Julia Oelkers und Ibraimo Alberto, im Rahmen der Filmreihe »Migrantinnen DDR«

16.10., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Hirngespinster

Das Langfilmdebüt von Christian Bach zeigt den schizophrenen Architekten Hans Dallinger, der mit seiner Familie ein spießiges Einfamilienhaus bewohnt. Hin und wieder kommt es zu gewalttätigen Ausfällen des Vaters, der daraufhin eingewiesen und auf Medikamente gesetzt wird. – Kamera Sensibel mit anschl. Diskussion

16.10., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen

Das Geschäft mit dem Saatkorn ist millionenschwer und der Kampf um die Vorherrschaft entbehrungsreich. Die US-Filmer Taggart Siegel und Jon Betz decken Skandale auf, weisen aber auch Wege aus der Krise. – mit Vorfilm zum Welternährungstag

16.10., 16.15 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Über Bananen und Republiken

Die Dokumentation schildert, wie die Banane zum weltweiten Exportprodukt und die United Fruit Company – heute als »Chiquita« bekannt – zu einem multinationalen Imperium wurde. – Globale

16.10., 20 Uhr, Neues Schauspiel Leipzig

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