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»Ein animiertes Drama«

Die Regisseure Ralf Kukula und Matthias Bruhn über ihren Film »Fritzi – Eine Wendewundergeschichte«

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Das Jahr 1989 in Leipzig aus Sicht einer Zwölfjährigen: Ralf Kukula aus Dresden und Matthias Bruhn aus Köln haben daraus einen berührenden Animationsfilm gemacht. Im Interview sprechen sie über die lange Produktionszeit, politische Botschaften und ihre Zusammenarbeit.

kreuzer: Wie sind Sie auf »Fritzi« aufmerksam geworden?
Ralf Kukula: Das war vor zehn Jahren. Ich habe damals mit dem Klett Kinderbuchverlag in Leipzig einen Kurzfilm produziert. In dem Zusammenhang habe ich das Buch kennengelernt, das die Grundlage unseres Projekts ist.
Matthias Bruhn: Mich und meinen Kollegen hat Ralf Kukula auf den Stoff aufmerksam gemacht. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon die Rechte an dem Buch optioniert und die Autorin Beate Völcker ins Boot geholt.

kreuzer: Was hat Sie an dem Stoff gereizt?
Kukula: In erster Linie das Thema. Ich fand es bemerkenswert, dass es für Kinder bis dato überhaupt keine Filmprojekte zu diesem Thema oder mit dieser Annäherung an das Jahr 1989 gab. Daraus entstand der Wunsch, einen Animationsfilm für Kinder zu machen, der einen politischen Hintergrund hat. Unsere Arbeit ist damit in Deutschland ziemlich singulär.

kreuzer: Wie schwer war es dann, den Film zu produzieren?
Bruhn: Äußerst schwierig. Unsere regionalen Förderungen in Mitteldeutschland und NRW haben wir zwar bekommen. Aber viele andere Förderungen nicht. So war von Anfang an klar, dass wir internationale Partner brauchen. Bei diesem scheinbar sehr deutschen Thema war es gar nicht so leicht, die Leute davon zu überzeugen, dass der Film auch eine große Verbindung zu aktuellen politischen Ereignissen und Stimmungen hat. Für uns war das eine Herzensangelegenheit: zu zeigen, dass es damals um eine friedliche Revolution ging, um die Öffnung einer Grenze – und nicht um Abschottung und Protektionismus. Am Ende haben wir Partner in Tschechien, Belgien und Luxemburg gefunden, die »Fritzi« mit uns gemacht haben.

kreuzer: Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden vorstellen?
Kukula: Realisiert haben den Film ja 700 Leute. Das Projekt nahm schnell eine Größenordnung an, die für einen einzelnen Regisseur überhaupt nicht mehr handelbar war. Dazu kam, dass wir ein Ost- und ein Westregisseur waren. Also haben wir das zwischen uns aufgeteilt. Ich war eine Art Authentizitätsbeauftragter in der Produktion. Der Part von Matthias war dann manchmal eher der Blick von draußen, der mich wieder reingeholt hat in die Geschichte.

kreuzer: Was wünschen Sie sich für Ihren Film?
Bruhn: Erst mal, dass viele Menschen ihn sehen. Das wird nicht so einfach, weil wir mit »Fritzi« Neuland betreten. Der Film ist ein animiertes Drama für Kinder, sicherlich auch humorvoll, aber es ist eine ernst zu nehmende Geschichte, die da erzählt wird.
Kukula: Ich würde mir wünschen, dass der Kinobesuch Gespräche anregt, dass wir die Kinder und natürlich auch die Eltern und Großeltern mit hineinziehen können und alle hinterher rausgehen und sagen, ja, das ist eine Geschichte, die ist für uns nachvollziehbar, wir verstehen sie, wir haben mitgelitten und haben uns mitgefreut.

»Fritzi – Eine Wendewundergeschichte«: ab 3.10., u. a. Passage Kinos

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